HOME

Karl Dall wird 70: "Pointe geht immer noch vor Familie"

Karl Dall feiert Geburtstag. Der Entertainer, zu dessen Markenzeichen neben seinen frechen und oftmals zynischen Sprüchen vor allem das hängende rechte Augenlid gehört, wird heute 70 Jahre alt.

Eigentlich habe er im Leben alles gemacht, was er nicht konnte, sagt Karl Dall rückblickend. Als Fernsehmoderator und - wie er sich auf seiner Internetseite selbst bezeichnet - "Bühnen-Komödiant" hat der gebürtige Ostfriese dennoch seit Jahrzehnten großen Erfolg. Der Entertainer, zu dessen Markenzeichen neben seinen frechen und oftmals zynischen Sprüchen vor allem das hängende rechte Augenlid gehört, wird am Dienstag (1. Februar) 70 Jahre alt.

Der jüngste Sohn einer Emder Lehrerfamilie fällt bereits in der Schule als Klassenclown auf, der gern Streiche ausheckt. Er habe einfach "schon früh Humor entwickeln" müssen, sagte er einmal in einem Interview: Die Mitschüler hätten ihn wegen seines Aussehens gehänselt, und die Lehrer hätten sich sein Gesicht schlicht am besten merken können und ihn so auf dem Kieker gehabt.

Als Jugendlicher verbringt Dall seine Zeit lieber im Fotoclub statt im Unterricht, will Fotograf werden. Auf das Verlassen der Mittelschule in der zehnten Klasse ohne Abschluss folgt stattdessen eine Lehre als Schriftsetzer bei einer Leeraner Druckerei. Immerhin kann er für die lokale "Ostfriesen-Zeitung" nebenbei fotografieren: "keine Bullen- und Zuchtviehausstellung ohne mich", witzelt er rückblickend.

1963 zieht es ihn nach Berlin, wo er unter anderem als Komparse ("Winnetou 1"), Kleindarsteller und Kulissenschieber jobbt und den Liedermacher Ingo Insterburg kennenlernt. In Kellertheatern und Bierkneipen beginnt die Bühnenkarriere des Blödel-Quartetts Insterburg & Co. ("Ich liebte ein Mädchen"), zunächst ein Geheimtipp in der Studentenszene, bald festes Inventar der TV-Sendung "Musikladen" bei Radio Bremen.

Als sich die humoristisch-anarchistische Gruppe 1979 nach zwölf Jahren auflöst, startet Karl Dall seine erste Tournee als Solokünstler. Fernsehauftritte wie seine Telefonstreiche in der ARD-Samstagabendshow "Verstehen Sie Spaß?" machen ihn schnell in Westdeutschland bekannt, auch in einigen Kinofilmen ("Sunshine Reggae auf Ibiza") ist er zu sehen.

Mitte der 1980er Jahre geht das Privatfernsehen auf Sendung, und mit ihm Karl Dall als Talkmaster. "Dall-As" (RTL plus) oder die Folgeshow "Jux und Dallerei" (Sat1) sind aber keine gemütlichen Plauderrunden, sondern angesichts der sehr direkten Art des Gastgebers vielmehr eine Herausforderung für die Eingeladenen. Dennoch habe er alle Gäste bekommen, die er wollte, schreibt er in seiner Autobiografie: "Es wurde einfach chic, von Karl Dall verarscht zu werden."

Bis heute ist der groß gewachsene Wahl-Hamburger ein Lästermaul, das provoziert und polarisiert. 1999 erhielt er für sein Lebenswerk den Deutschen Comedypreis. Wichtiger als die Show ist ihm nach eigenem Bekunden allerdings die Familie: seine Frau Barbara, mit der er seit beinahe 40 Jahren verheiratet ist, sowie Tochter Janina, die mit Mann und Kind in Kanada lebt und dort als Stuntfrau arbeitet.

In Kanada verbringt das Ehepaar Dall inzwischen auch den Sommer. Dort "gondelt" der Entertainer mit einem Oldtimer durch die Gegend, laut seiner Website "mein letzes Stückchen Freiheit". Privat liebt er die Ruhe, besaß bis vor Kurzem auch noch eine umgebaute Windmühle im ostfriesischen Möhlenwarf und war regelmäßig dort zu Besuch. Die Entspannung im Kreise seiner Lieben lässt Karl Dall aber auch im Alter nicht zu zahm werden. Sein Credo: "Pointe geht immer noch vor Familie."

Deike Stolz, AFP / AFP
Themen in diesem Artikel