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Kommentar

Oliver Polak: Der Dicke im Trainingsanzug bekommt den Grimme-Preis - Bravo!

Die Jury hätte sich wegen dieser Entscheidung beinahe aufgelöst: Oliver Polak erhält für "Applaus und Raus" den Grimme-Preis. Eine umstrittene Wahl - doch sie ist richtig.

Oliver Polak

Oliver Polak moderiert gerne im Trainingsanzug.

Jay Khan und Prinz Marcus von Anhalt warf er ebenso aus seiner Show wie den Postboten, der sich jahrelang als Arzt ausgegeben hatte, oder einen syrischen Pornostar: Dass die Gespräche zwischen Oliver Polak und seinen Gästen vorzeitig enden, gehört zum Konzept seiner Show "Applaus und Raus". "Wer keine schmutzigen Details erzählt, der fliegt", erklärt der Moderator seine Sendung. Polak ist prollig, egozentrisch und krawallig. 

Die Unterhaltungs-Jury des Grimme-Preises tat sich vermutlich auch deshalb schwer mit ihrer Entscheidung: Polak erhält für "Applaus und Raus" auf ProSieben den Grimme-Preis 2017. Eine umstrittene Wahl, die beinahe für die Auflösung des Gremiums gesorgt hätte - so uneinig war man sich in Marl, wo alljährlich die Preisverleihung stattfindet. Ein Jury-Mitglied distanzierte sich sogar in einem offenen Brief in der "taz", störte sich vor allem an Polaks System, zwischen "Gast" oder "Spast" zu unterscheiden.

Doch die Entscheidung der Jury verdient Lob. Nicht, weil Polak im Trainingsanzug moderiert. Nicht, weil er oft persönliche Befindlichkeiten über Wohl oder Wehe eines Gastes entscheiden lässt. Sondern weil er unterhält. Langweilig sind Polaks Gespräche so gut wie nie, meist sind sie sogar erhellend. Im Talkshoweinheitsbrei aus Anne Will und Maybrit Illner ist der übergewichtige Moderator eine echte Bereicherung. 

"Applaus und raus" erinnert an Karl Dall

Polak steht in bester Tradition von Karl Dall, der in den 80er Jahren mit seiner Talkshow "Dall-As" ebenfalls für Furore sorgte. Der Grund: Die Gäste wurden nicht lieb und nett behandelt, sondern Dall machte aus seiner persönlichen Zu- oder Abneigung keinen Hehl. Wen er nicht leiden mochte, wurde fertig gemacht. Dafür gab es, wie er es nannte, "200 D-Mark Verarschungsprämie".

So ähnlich funktioniert auch die Talkshow von Oliver Polak. Allerdings weiß der Gastgeber von "Applaus und raus" vorher nicht, welcher Gesprächspartner ihm gleich gegenüber sitzen wird. Die Gäste wählt die Redaktion aus. Geheim und ohne sein Wissen, wie Polak beteuert.

Oliver Polak geht volles Risiko

Heraus kommt ein unkonventionelles Talkshowformat. Das Konzept erzeuge "eine Spannung, die sich abhebt von den durchchoreografierten Auftritten anderer Talk-Sendungen - und die neugierig macht. Denn der Fernsehzuschauer ist dabei, wenn zwei Personen das Risiko eingehen, vor Publikum, vor der Kamera, zu scheitern", heißt es in der Begründung der Jury.

Polak geht immer volles Risiko. Dass dies nun mit einem Grimme-Preis belohnt wird, verdient Anerkennung. Dem Fernsehen drohen schließlich immer mehr Originale abhanden zu kommen: Harald Schmidt - weg. Stefan Raab - in Frührente. Da ist es gut, einen Unangepassten wie Polak zu haben.

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