HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Blick zurück in die Röhre

Gerd Baltus, Evelyn Opela, Thomas Fritsch – wo sind all die TV-Helden der 80er Jahre? Wie gut, dass zumindest der "Bergdoktor" Trost spendet.

Können Sie ein Geheimnis für sich behalten? Ich bin ein großer Fan vom „Bergdoktor“.

Seit mein Freund und ich drei Tage in einem Kloster verbracht haben und dort im Fernsehzimmer miterleben durften, wie acht Ordensschwestern robbiewilliamskonzertartig Dr. Martin Gruber bei der Weltverbesserung zusahen, verehre ich den Mann. Die Damen unkeuschten beim Doktorspiel derart vor sich hin, dass ihnen die Kirche streng genommen die Mitgliedskarte hätte entziehen müssen.

Viel wichtiger aber finde ich, dass dort auch mitspielt. Der Mann ist vom Sternzeichen schließlich Arzt! Aber dazu später mehr.

Wo sind die alle hin? Volker Lechtenbrink? Peter Bongartz?

Finden Sie nicht auch, dass das Fernsehen ein paar seiner ehemaligen Höchstleister schäbig ausgemustert hat? Menschen wie Herbert Herrmann oder Michael Degen. Helden der Röhrenfernsehzeit, die in den Achtzigern bei den Wicherts über die Hecke geguckt, mit Mutter Drombusch angebandelt oder in „Derrick“ tot hinter Evelyn Opelas Wohnzimmercouch gelegen haben. Ihnen möchte ich hier huldigen. Den unvergessenen Perlen der (Vor)abendunterhaltung. Wo sind die alle hin? Volker Lechtenbrink? Peter Bongartz?

Klar, Gert Haucke dreht längst weiter oben mit Hundekotbeuteln bewaffnet seine Runden, während Günther Pfitzmann lässig an Brigitte Miras Wursttheke lehnt und Herbert „Alfons“ Bötticher bei ungelenken Balzversuchen zusieht.

Aber wo bitte ist Gerd Baltus? Baltus, der Archetyp der teutonischen Verklemmung, so etwas wie der destillierte Deutsche, der auch mit Mitte 50 noch von Mutti auf die Finger bekommt und für den liebevoll verpackten Karton Mon Chéri von seiner heimlichen Liebe ausgelacht wird.

Am Ende war es eigentlich immer Doris Kunstmann.

Im Grunde genommen ging jeder Krimi der Achtziger doch so: Baltus, Buchhalter in einer Spedition, ist heimlich verliebt in die Frau (Susanne Uhlen) seines Chefs (Udo Schenk). Diese steckt aber in einer Affäre mit ihrem Tennislehrer (Helmut Zierl, wenn der nicht konnte: Michael Roll), der eine Woche später tot im Klubhaus liegt. Hat der Bruder des Toten (Alexander Radszun) etwas damit zu tun? Oft kam noch Pierre Frankch als Lagerist um die Ecke, dessen linkisch-verstocktes Verhalten ihn immer zielsicher in U-Haft manövrierte.


Am Ende war es eigentlich immer Doris Kunstmann. Eifersucht. Anderthalb Flaschen Grauburgunder. Ein Streit. Der afrikanische Briefbeschwerer aus dem letzten glücklichen gemeinsamen Urlaub. Stumpfes Schädeltrauma. Sie kennen das.

Figuren wie Horst Frank oder Pinkas Braun wiederum kamen bereits schuldig auf die Welt und haben allein aus Boshaftigkeit die Wehen ihrer Mütter unnötig ausgedehnt. Sie waren ähnlich gut gekleidet wie Ivan Desny – seine den Menschen zugewandte Grandezza ging ihnen allerdings völlig ab.

Damals haben uns und Monika Peitsch doch nur Männer wie er, Thomas Fritsch, Sigmar Solbach oder natürlich Christian Quadflieg noch an das Gute im Menschen glauben lassen! In solche Kerle konnten sich Gila von Weitershausen oder Heidelinde Weis noch bedenkenlos verlieben. Oder in Klausjürgen Wussow.

Wussow übrigens hatte es wahrlich nicht leicht, wollte ihm doch Kohlund, dieser Vorzimmerdamenflüsterer mit dem rauchigen Timbre, für das man freiwillig Praxisgebühr zahlen würde, regelmäßig Gaby Dohm ausspannen. Ich denke, das wird auch der Grund sein, warum sich der Bergdoktor gerade so schwertut, eine neue Liebe zu finden – mit einem Kohl und in der Serie hast du eine Frau nie lange für dich allein.

Na? Fühlen Sie sich gerade auch so alt?