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Lena Dunham in der "Vogue": Doch kein Mut zur Hässlichkeit

Sie hat die Cellulite zurück ins Fernsehen gebracht: Lena Dunham kämpft mit der Serie "Girls" gegen Schönheitsideale. Ausgerechnet ihre Fotos für die "Vogue" wurden retuschiert. Fans wittern Verrat.

Hüftspeck, Cellulite und Fältchen in Nahaufnahme: Lena Dunham zeigt in der US-Serie "Girls" schonungslos und ungeschminkt ihre Problemzonen. Mit ihrem Körper entspricht die 27-Jährige ganz und gar nicht dem gängigen Hollywood-Ideal der schlanken Blondine. Dunham ist die Fleisch gewordene Kampfansage an alle Diäten und Schönheitschirurgen. Gerade deshalb wurde sie für Millionen von Fernsehzuschauerinnen zum Idol und zur Identifikationsfigur.

Als geliebte Antiheldin hat es Dunham nun sogar auf den Titel der amerikanischen Zeitschrift "Vogue" geschafft. Wo sonst Models wie Kate Moss prangen, ist in der Februar-Ausgabe ein Foto von ihr in einem rot gepunkteten Kleid zu sehen. "Lena Dunham - The New Queen Of Comedy" (Lena Dunham - die neue Königin der Comedy) ist die Geschichte betitelt, für die sich die Schauspielerin von Starfotografin Annie Leibovitz unter anderem in einem schwarzen Abendkleid auf einer Badewanne sitzend ablichten ließ.

Genau diese Fotos sorgen nun für Ärger. Die anfängliche Begeisterung für den Mut, eine Frau ohne Modelmaße auf dem Cover zu zeigen, ist Ernüchterung gewichen. Denn die Bilder wurden - wie bei Modezeitschriften üblich - retuschiert. Statt der nüchternen Wahrheit bekommen die Leser eine geschönte Dunham vorgesetzt - schlanker und jünger als das Original. Ein Aufschrei vieler ihrer Fans war die Folge.

Blog setzt 10.000 Dollar Belohnung auf Originalfotos aus

Das feministische Blog "Jezebel" setzte eine Belohnung von 10.000 Dollar auf die Originalbilder aus. Mit Erfolg. Auf der Seite ist genau dokumentiert, welche Partien retuschiert wurden. Nicht nur das Dekolleté rutschte höher, auch das Kinn wurde spitzer und die Falten glatter. "Jezebel" wirft Dunham deshalb einen Verrat am Kampf gegen Schönheitsideale vor. Und weil der Mann, der im Hintergrund zu sehen ist, offenbar gar nicht mit Photoshop bearbeitet wurde, auch noch Frauenfeindlichkeit.

Dunham selbst kann den Unmut nicht nachvollziehen. "Ich weiß, dass einige sehr verärgert sind über das Cover, das irritiert mich ein wenig", sagte sie dem Online-Magazin "Slate". Auch wenn die Redakteure Hand an ihre Fotos angelegt hätten, habe sich die Grundaussage nicht verändert. "Photoshop oder nicht - eine Frau auf dem Titel zu haben, die nicht dem typischen Ideal des "Vogue"-Covergirls entspricht, kann keine schlechte Sache sein."

Auf "Twitter" werden die retuschierten Fotos nach wie vor kontrovers diskutiert. Es gibt allerdings mittlerweile auch Stimmen, die die Kritik von "Jezebel" für kleinlich halten. "Lena Dunham wurde retuschiert, so wir jede andere Frau auch. Tut nicht so, als ob das etwas Überraschendes wäre."

mai