Sixpack, Penis-Foto und … Madonna?
Nutzer der Dating-App Grindr dürften dieser Tage über ein ungewöhnliches Profil auf ihrer Startseite staunen. Madonna, die Queen of Pop, höchstpersönlich. Auf ihrem Foto posiert sie in leuchtendem Pink, schwarze Schattenstreifen liegen über ihr.
Doch die 67-Jährige sucht auf Grindr – einer Dating-App primär für Männer, die Sex mit Männern suchen, sowie Trans-Personen – weder einen Liebhaber noch Abenteuer. Stattdessen nutzt die Schwulen-Ikone die App, um ihr neues Album „Confessions II“ zu bewerben, das am 3. Juli erscheint.
Wer auf Madonnas Profil klickt, hört ihre Audio-Botschaft: „Hallo Grindr! Hier ist Mother! Ich habe eine exklusive Vinyl-Platte meines neuen Albums gemacht, nur für euch!“ Sie säuselt, sie hätte die Platte überall veröffentlichen können, wollte aber dahin gehen, wo die „heißeste Action“ sei. Ein Link führt zu einem Online-Shop.
Madonna auf Grindr: Fans sind begeistert – aber nicht alle
Madonna hat seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinde in der LGBTQ-Community. Grindr betont in einer Pressemitteilung, dass Madonna die App persönlich als Partner ausgewählt habe.
„Seit Jahrzehnten prägt Madonna den Sound und den Geist der schwulen Tanzszene – ihre Musik hat uns zusammengebracht. Und ihre Verbundenheit war nie nur eine vorübergehende Angelegenheit, sondern eine Konstante“, heißt es von Grindr zu der Aktion. „Das ‚Material Girl‘ hat immer zu uns gehalten.“ Es sollen weitere Aktionen folgen.
Die LGBTQ-Community reagiert überwiegend begeistert. „Grindr? Ich erkenne, warum sie die größte LGBTQ-Verbündete ist. Liebe sie“, schreibt ein Nutzer etwa auf der Plattform X. Auf der Plattform Reddit kommentieren Nutzer: „Man kann nicht behaupten, dass sie ihre Fangemeinde nicht gut kennt. Lol“ und „Mutti ist 0 Fuß entfernt“. Grindr zeigt an, welche Nutzer in der Nähe sind und wie weit weg sie sind.
Es gibt allerdings auch Kritik an der PR-Aktion. Ein Kommentar auf X lautet: „Die meisten deiner Fans sind 50-jährige schwule Männer, wahrscheinlich in einer Beziehung und NICHT auf Grindr. Es ist eine Verallgemeinerung zu glauben, sie müssten auf Grindr sein, nur weil sie schwul sind.“ Andere kritisieren, dass man die App herunterladen muss, um das exklusive Album zu bekommen. Ein Nutzer auf Instagram nimmt es mit Humor: „Nur zur Info für alle, die wie ich erst beim Herunterladen gemerkt haben: Grindr ist KEINE Musik-App.“
Madonna ist nicht der erste Popstar, der auf der Dating-App wirbt. Im vergangenen September ersetzte Christina Aguilera eine Woche lang den Benachrichtigungston der App durch ihren Hit „Come on Over Baby (All I Want Is You)“.
Grindr gehört zu den meistgenutzten Dating-Apps der LGBTQ-Community, steht aber immer wieder in der Kritik. 2018 wurde etwa berichtet, dass die App externen Firmen Zugriff auf den HIV-Status ihrer Nutzer gewährt haben soll. Zuletzt bemängelten Nutzer auf der Rezensions-Plattform „Trustpilot“ überhöhte Abo-Preise, zu viel Werbung, zahlreiche Fake-Profile und Scam-Nachrichten.