Männer Weg mit der Keule


Die Lebensqualität steigt für beide, wenn Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Das haben die meisten Männer erkannt, der "Macho" ist auf dem Rückzug. Die Elternzeit für den Mann bleibt dennoch verpönt.

Klein-Kevin (3) ist krank und kann nicht in den Kindergarten, seine Mutter will ihre PC-Schulung nicht versäumen. Daheim bleibt der Mann: "Ich bin nicht Vater geworden, um mich jedes Mal wegzuducken, wenn mich die Familie braucht", sagt der Bodenleger (38) aus Köln. Zunehmend viele Männer gehen ihre Vaterrolle engagiert an, wollen keine Statistenrolle oder nur den Ernährer spielen, sagt Väterforscher Martin Verlinden. "Immer mehr Männer überprüfen sensibel ihre eigene Rolle und stellen sich ganz bewusst die Frage nach der Balance zwischen Beruf und Familie." Die "Machos" seien auf dem Rückzug.

Der Psychologe der Kölner Fachhochschule sieht einen deutlichen Wandel vor allem bei jüngeren Männern: "Es wächst die Zahl derer, die Beruf und Erfolg als gleichwertig ansehen mit Familie und Kindern und die merken, dass ihre Lebensqualität deutlich steigt", sagt der 57- Jährige. Die Väterrollen werden zugleich vielfältiger: "Wir treffen auf Väter, die sich sehr für ihre nicht-leiblichen Kinder einsetzen, auf nicht-verheiratete Männer mit Kindern oder getrennt lebende Männer, die weiter auf die Erziehung einwirken möchten."

Rund 20 Prozent der Männer gehören einer repräsentativen Studie zufolge dem "modernen" Typ an, sind erwerbsorientiert, aber auch aktiv als Vater, erklärt Rainer Volz, Leiter der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weitere 20 Prozent sehen den Sinn des Lebens als "traditioneller" Typ voll in der Erwerbsarbeit. Hinzu kommen knapp 25 Prozent, die als "Pragmatiker" oder "Rosinenpicker" ihre Rolle je nach Situation wählen. "Die übrigen sind die noch formbaren Sucher", erklärt der Düsseldorfer Sozialwissenschaftler.

Volz hatte 1998 eine noch heute als wegweisend geltende Studie nach einer Befragung von 1200 Männern und 800 Frauen vorgelegt. Es habe sich gezeigt, dass Bilder wie der Karrieremann oder Machtmann längst nicht mehr Leitbilder für alle Männer seien. Im Durchschnitt wenden Männer im Rahmen ihrer Haus- und Familienzeit rund eine Stunde für ihren Nachwuchs auf.

Verlust des sozialen Netzwerkes

Verlinden, selbst fünffacher Vater, hat 1999 das Männer-Väter- Forum Köln mitgegründet, eines der größten Netzwerke dieser Art, in dem 30 Experten tätig sind. "Männer verlieren ihr gesamtes soziales Netzwerk, wenn sie sich für eine Erziehungszeit entschließen oder beruflich deutlich kürzer treten." Es seien mehr Angebote "für Männer von Männern" nötig in Familienbildungsstätten, Spielgruppen, bei Information und Beratung.

Für die Entwicklung des Kindes sei der Vater wichtig, betont Verlinden. "Männer gehen ganz anders mit dem Kind um, sie lassen es stärker in Bewegungsspiele eintreten und fördern es körperlich viel stärker." Eine zweite Bezugsperson gebe dem Nachwuchs eine andere Resonanz und fördere damit dessen soziale Intelligenz. "Kinder, die von einem aktiven Vater groß gezogen wurden, haben später stabilere Partnerschaften und werden selbst aktive Väter."

Das vom Bundestag beschlossene Elterngeld wertet Volz als wichtigen Schritt. Berufstätige sollen ab 2007 ein Jahr lang 67 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens erhalten, ein zusätzlicher Bonus von zwei Monaten richtet sich vor allem an Väter. In Deutschland nehmen derzeit nur fünf Prozent der Väter Elternzeit. Ingenieur Thomas, Vater von zwei Kleinkindern, erklärt das Dilemma: "Für mich ist die Familie das Wichtigste, aber Erziehungsurlaub kommt nicht in Frage. Ich werde schon schief angeguckt, wenn ich abends mal pünktlich Schluss machen will."

Yuriko Wahl/DPA DPA

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