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Nacktfotos im Büro von Gregor Gysi Brust und Keule

Gregor Gysi zeigt Nacktfotos im Wahlkreisbüro
Gregor Gysi zeigt in seinem Wahlkreisbüro jene Nacktfotos, die zuvor bei einer Ausstellung im Rathaus von Treptow-Köpenick verboten werden sollten
© Jörg Carstensen/DPA
Aktion gegen vermeintliche Zensur: Wie Gregor Gysi sein Abgeordnetenbüro in Berlin mit Nacktfotos schmückt und dabei die lokale CDU vorführt.

Das mit den Brüsten und den blanken Hintern ist ja so eine Sache: Wer etwas zu verkaufen hat, Aufmerksamkeit erzielen will oder schlicht provozieren, setzt auf nackte Tatsachen. Und wer Kunst macht, gerne auch.

Gregor Gysi kennt sich in beidem aus. Und als die Bezirksstadträtin für Kultur in Gysis Wahlkreis Treptow-Köpenick die Dummheit beging, sich in die Bildauswahl der seit 22 Jahren im Rathaus stattfindenden Fotoausstellung einzumischen, witterte der Fraktionschef der Linken im Bundestag die Chance auf einen Coup.

Nun steht er neben Hans-Jürgen Horn, dem Präsidenten der Gesellschaft für Fotografie e.V., und zählt: "Eins, zwei..." Hinter den beiden hängen, nur notdürftig mit Weihnachtspapier abgeklebt, zwei Bilderrahmen mit Fotografien. Was darauf zu sehen ist, oder vielleicht auch nicht, zeigt sich bei "drei": Beherzt rupfen die beiden Endsechziger, gleiche Größe, gleich schütteres Haar, am Papier. Ein maliziöses Grinsen fräst sich in Gysis Gesicht, Horn schaut feierlich in die Runde. Applaus brandet auf.

Gysi zufrieden mit vermeintlichem Nackt-Coup
Sein Gesicht verrät: Gysi ist mit dem vermeintlichen Coup wider die Zensur sichtlich zufrieden
© Jörg Carstensen/DPA

"Ist ja gar nichts zu sehen", ruft ein Rentner in die Runde. "Ich weiß doch, wie meine Frau aussieht", scherzt ein anderer. Dann wenden sie sich den Mettbrötchen mit Zwiebeln zu. Korken ploppen, Rot- und Weißwein fließt. "Wir sind hier schließlich mal gegen Zensur und Bevormundung auf die Straße gegangen", ruft eine Frau Gysi zu. Und alle hier sind sich einig: Der prüden CDU-Tante im Rathaus, Cornelia Flader, hat Gysi es jetzt ordentlich gezeigt.

An der Wand knallt konventionelle Werbeästhetik

Was auf den Bildern zu sehen ist? Nun ja. Ein verschwommener Frauenakt in Schwarz-Weiß. Zwei nackte Hintern in der Tür einer grün-rostigen Eisenbahn. Und eine Frau mit endlos langen Beinen im Netz-Anzug. Wer ganz nah heran geht, kann eine Brustwarze entdecken. Links artikuliert sich künstlerischer Ausdruckswille, rechts knallt konventionelle Werbeästhetik. Brust und Keule.

Was im Rathaus als Bombe identifiziert wurde, platzt im Wahlkreisbüro Gysis als Tischfeuerwerk. Die Stimmung prickelt wie Rotkäppchen-Sekt, die Luft ist zum Schneiden. Gysi flutscht durch die Menge, posiert für Selfies. Gekommen sind nicht nur Wähler, sondern Fans.

Auch der "titel thesen temperamente"-Moderator Max Moor schaut vorbei. Die Leute hier kennen ihn aus dem Regionalfernsehen, der Bio-Landwirt und Talkshow-Gastgeber tourt mit der Sendung "Bauer sucht Kultur" durchs Brandenburger Land. Gysi zieht ihn vor die Popo-Bilder, schnell noch ein Foto!

Was er denn von der Sache halte, wird Moor von einem Mann gefragt. "Ein Skandal, dass sowas im Rathaus hängen sollte", sagt er, zückt eine Zigarette, schiebt sie sich in den Mundwinkel und schaut sehr, sehr ernst drein.

Seit 2005 holt Gysi in Treptow-Köpenick das Direktmandat für den Bundestag. 2017 könnte es noch einmal klappen.


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