Marius Borg Høiby vor Gericht Unter Tränen beschuldigt er die Presse

Marius Borg Høiby ist unter anderem wegen vierfacher Vergewaltigung angeklagt.
Marius Borg Høiby ist unter anderem wegen vierfacher Vergewaltigung angeklagt.
© ddp/STELLA/Marius Gulliksrud
Marius Borg Høiby hat am zweiten Prozesstag erstmals ausgesagt. Mette-Marits Sohn brach dabei in Tränen aus und beschuldigte die Presse.

"Ich finde es unglaublich schwierig, vor so vielen Menschen zu sprechen", begann Marius Borg Høiby (29) am Mittwoch um 12:45 Uhr seine Aussage vor Gericht. Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (52) muss sich wegen 38 Straftaten verantworten, darunter vier Fälle von mutmaßlicher Vergewaltigung. Unter Tränen fuhr er laut der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" mit seiner Aussage fort: "Ich werde seit meinem dritten Lebensjahr von der Presse verfolgt, schikaniert und gequält. Dass sie nun in diesem Gerichtssaal sitzen müssen, finde ich absolut entsetzlich."

Er sei nur dafür bekannt gewesen, der Sohn seiner Mutter zu sein, so Høiby weinend weiter. Was für ein Leben er führe, könne sich niemand vorstellen. Deswegen habe er ein "extremes Bedürfnis nach Anerkennung" entwickelt, was sich in Alkoholmissbrauch, Sex und exzessivem Feiern niedergeschlagen habe.

Høiby spricht von "einvernehmlichem Sex"

Bevor der Angeklagte selbst in den Zeugenstand trat, hatte der zweite Verhandlungstag mit der Aussage eines mutmaßlichen Opfers begonnen. Während einer Party in der Residenz des norwegischen Kronprinzenpaars, Schloss Skaugum, soll Høiby 2018 ohne ihr Einverständnis sexuelle Handlungen an der Frau vorgenommen haben, während sie mutmaßlich betäubt war, diese hatte er auch gefilmt.

Zu diesen Aussagen bezog Høiby anschließend Stellung. Der besagte Abend sei nur einer von vielen Partyabenden gewesen, so der Kronprinzessinnen-Sohn. Er habe die Klägerin und weitere Gäste unbemerkt von seiner Familie in den Keller von Schloss Skaugum gebracht. Entgegen ihrer Aussage habe er dort wie schon Jahre zuvor einvernehmlichen Sex mit der Frau bei Bewusstsein gehabt, die zuvor schon mit ihm geflirtet und ihm sexuelle Nachrichten geschrieben habe. An die ihm vorgeworfenen Handlungen sowie weitere Details zum Abend konnte er sich auch nach mehrfachem Nachfragen "nicht erinnern", er habe Alkohol und Kokain konsumiert.

Dass er in seinem Leben generell kompromittierende Filme und Fotos angefertigt hatte, bestritt Høiby nicht. Er habe sie jedoch nie geteilt, betonte er. Ebenso wenig habe seine Mutter Mette-Marit, die er in seinen Aussagen "Mama" nennt, entgegen der Spekulationen eine SIM-Karte mit belastendem Material verschwinden lassen.

Er liest alles über sich

Im Laufe seiner Aussage ging Marius Borg Høiby auch noch ein weiteres Mal auf die Bedeutung der Medien für sein Leben ein. Es falle ihm schwer, reale Erinnerungen von jenen abzugrenzen, die er in der Presse über sich gelesen habe. "Ich lese jede einzelne der Hunderttausenden von Geschichten, die es gibt. Ich verbringe meine Zeit mit kaum etwas anderem", erklärte er. Allerdings nutze ihm das in Bezug auf seine Unschuld nicht viel: "Es gab noch nie einen einzigen positiven Artikel über mich."

Das geschah am ersten Prozesstag

Um 15:30 Uhr war der zweite Prozesstag in Oslo beendet. Høiby war auch beim Auftakt bereits vor Ort gewesen und bekannte sich in allen Fällen von mutmaßlicher Vergewaltigung nicht schuldig. Seine Verteidigerin Ellen Holager Andenæs hatte bereits erklärt, alle vier Frauen hätten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Høiby gehabt.

Seine Schuld bezüglich schwerer Körperverletzung, rücksichtslosem Verhalten sowie Beleidigungen räumte er teilweise aber ein. Auch bei schwerem Drogenmissbrauch, Verstößen gegen verhängte Kontaktverbote und mehreren Verkehrsdelikten bekannte er sich schuldig.

Wie geht es weiter?

Am Donnerstag gegen 9:30 Uhr wird der Prozess fortgesetzt. Dann treten zunächst der Kripochef sowie eine weitere Polizeibeamtin in den Zeugenstand, bevor andere Partygäste aussagen werden. Gegen 14 Uhr werden noch zwei ehemalige Gardisten des norwegischen Hofes ihre Aussage machen.

Høiby wird sich am 10. Februar wieder äußern, der gesamte Prozess ist auf sieben Wochen angelegt.

Mette-Marit teilte derweil mit, eine geplante private Reise ins Ausland verschoben zu haben. Eigentlich hatte sie vorgehabt, zum Auftakt des Prozesses zu verreisen. Auch Norwegens Kronprinz Haakon (52) will nicht zur Verhandlung gegen seinen Stiefsohn kommen.

SpotOnNews

PRODUKTE & TIPPS