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Mel Gibson: Entzug de luxe

Selbst im Entzug muss ein Hollywood-Star keine Annehmlichkeit missen: Nobel-Spa, Sterne-Koch, Fitness-Trainer? Alles kein Problem für die Sucht-Kliniken der Luxusklasse.

Hollywood-Star Mel Gibson hat die Qual der Wahl. Das Luxus-Anwesen Promises in Malibu wirbt mit einem "herrlichen Panorama-Blick über den Pazifik". Die Nachbaranlage Passages verweist auf teure Marmorbäder und Gourmet-Köche. Das Beau Monde in Newport Beach bietet seinen Gästen Spa-Behandlungen, Yoga und Massage. Es sind keine Fünf-Sterne-Hotels, sondern luxuriöse Rehabilitationszentren für die feine Gesellschaft. "Jemand wie Mel ist hier bestens aufgehoben", versicherte Beau Monde-Besitzerin Heidi Kunzli. Sie hat sich auf Stars, prominente Sportler und Musiker, Firmenbosse, Industrielle und Blaublütige spezialisiert, "die im Auge der Öffentlichkeit auf Entzug gehen".

Nach seiner Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer habe Mel Gibson nun ein Entzugsprogramm begonnen, teilte der Sprecher des 50-jährigen Hollywoodstars in dieser Woche mit. Kein Wort darüber, auf welche Weise und an welchem Ort der Oscar-Preisträger seine Alkoholprobleme in den Griff kriegen will. Auch Kunzli hüllt sich in Schweigen. Die Namen ihrer prominenten Kunden sind Top-Secret. "Wir schleichen uns sogar nachts über Hintertüren in Krankenhäuser ein, um prominente Klienten ohne Aufsehen hierher zu bringen", verrät die Psychologin. Die Adressen ihrer vier Entzugs-Villen in Kalifornien hält sie geheim, um Paparazzi und Schaulustige fern zu halten. "Wir haben so viele Stars hier, von denen niemand weiß, dass sie Sucht-Probleme haben".

Auf jeden Patienten, pardon, Gast kommen 15 Angestellte

Luxus-Entzug hat seinen Preis. Die Beau Monde Penthouse-Etage in den Hügeln von Hollywood kostet 96 000 Dollar (Rund 75 000 Euro) im Monat. Die Suite sei ständig ausgebucht mit Wartezeiten bis zu drei Monaten, versichert Kunzli. Auf einen Gast kommen fünfzehn Angestellte, darunter Ärzte, Psychologen, Heilpraktiker, Masseure und Fitness-Trainer. Sie würden Entzug und "Luxus-Erfahrung" bieten, die genau auf die Bedürfnisse eines jeden Gasts zugeschnitten seien.

Lange Jahre war das Betty Ford Center bei Palm Springs der Zufluchtsort für drogensüchtige Schauspieler. Bereits 1982 wurde das Suchttherapie-Zentrum von der ehemaligen Präsidentengattin gegründet. Sänger Billy Joel ging hier vor einem Jahr für einen Monat auf Alkohol-Entzug. Supermodel Kate Moss jettete von London in die Privatklinik The Meadows, in der Wüste von Arizona, um von Kokain los zu kommen. Schauspieler Nick Nolte schwor in der Silver Hill Klinik in Connecticut vom Alkohol ab. Doch die begehrtesten und teuersten Plätze zum Clean werden liegen an der kalifornischen Küste.

Je größer er Star, desto komplexer die Probleme

Mit einer Welle von Sucht-"Outings" von Stars wie Oscar- Preisträger Ben Affleck, Robert Downey Jr. und Backstreet Boy A.J. McLean boomt das Geschäft. Außer ihnen stiegen auch schon Winona Ryder, Diana Ross und Kelly Osbourne bei der Nobeladresse Promises in Malibu ab. "Bei uns sollen sich Reiche und Berühmte wie zu Hause fühlen", das ist die Devise von Chris Prentiss, der 2001 im gleichen Ort das Luxus-Anwesen Passages eröffnete. 57 000 Dollar verlangt er seinen Gästen im Monat ab. Im Gegenzug verspricht er "den höchsten Heilungsgrad - von 84,4 Prozent - von allen Alkohol- oder Drogen-Reha-Zentren der Welt".

Beau Monde-Leiterin Kunzli betont, dass nur wenige ihrer Kunden rückfällig werden. Ihr Team würde alles versuchen bis hin zu buddhistischen Gesängen als Anti-Stress-Therapie. Courtney Love habe das Singen "einfach sagenhaft" geholfen, verrät Kunzli. Dass sich die Rockröhre dort drei Monate behandeln ließ, darf sie mit Loves Erlaubnis erzählen. "Eine Menge Deutsche" und reiche Kunden aus Saudi-Arabien haben auch schon Hilfe gesucht. Doch die schwierigsten Fälle kommen aus Hollywood, räumt Kunzli ein. "Je mehr Star-Power sie haben, umso komplexer sind auch die Probleme."

Barbara Munker/DPA / DPA