Merkel-Doppelgängerin "Manchmal glaube ich es schon selbst"


"Sind sie nicht die Frau Merkel?" Diesen Satz bekommt Susanne Knoll inzwischen öfter zu hören, als ihr lieb ist. Die Lübeckerin sieht der designierten Kanzlerin zum Verwechseln ähnlich - und ist SPD-Mitglied.

Manchmal sehnt sich Susanne Knoll nach den alten Zeiten zurück. Damals konnte sie einfach im Jogginganzug zum Bäcker um die Ecke huschen. Das war, bevor Angela Merkel designierte Bundeskanzlerin wurde. Denn mit dem Aufstieg der CDU-Vorsitzenden zur künftigen Regierungschefin hat sich auch das Leben ihrer Doppelgängerin verändert. "Heute trau ich mich ungeschminkt kaum noch aus dem Haus und die Leute schauen mir ganz ungeniert in den Einkaufswagen", sagt die Hausfrau aus Lübeck.

Der Terminkalender Knolls platzt inzwischen aus allen Nähten. Sie gibt die Merkel bei einer Messe in Dortmund, besucht als "Überraschungsgast" eine Betriebsfeier des nordrhein-westfälischen Innenministeriums und ist in Talk-Shows zu Gast. "Irgendwie bin ich mittlerweile selbst prominent geworden. Früher war ich nur als Doppelgängerin von Angela Merkel gefragt, inzwischen sind die Leute auch an mir selbst interessiert", stellt die 46-Jährige staunend fest. "Manchmal glaube ich selbst schon, ich sei Angela Merkel."

"Auch ich habe über Frau Merkels Aussehen gelästert"

Begonnen hat die Karriere der "doppelten Angela" aus Lübeck bei einem Polterabend im August 2003. Dort sprach sie der Inhaber einer Künstleragentur auf ihre verblüffende Ähnlichkeit mit der damaligen CDU-Vorsitzenden Merkel an. "Ich war zuerst ziemlich pikiert. Schließlich haben damals alle über ihr Aussehen gelästert, auch ich", erinnert sie sich. Inzwischen hat sie sich mit ihrer Ähnlichkeit voll und ganz ausgesöhnt und nimmt Merkel in Schutz. "Ihr Stil hat sich inzwischen positiv verändert. Außerdem tut man ihr Unrecht, wenn man sie immer nur auf ihr Aussehen reduziert", findet Knoll.

Hatte die Lübeckerin anfangs noch Hemmungen, in Merkels Rolle zu schlüpfen, so genießt sie inzwischen ihre Auftritte. Sie sei lockerer und selbstbewusster geworden. "Ich unterhalte mich am Rande von Talk-Shows mit Prominenten und stelle fest, dass das ganz normale Leute sind. Das ist doch eine tolle Erfahrung", schwärmt sie. Daraus hätten sich sogar Freundschaften entwickelt, zum Beispiel zu dem Sänger Udo Lindenberg, mit dem sie ein Video zu seinem Lied "Hallo Angie" gedreht hat.

Merkel-Double ist SPD-Mitglied

Doch auch die Kehrseite der Popularität hat die 46-Jährige inzwischen kennen gelernt. Sie fand es gar nicht witzig, als eine Boulevardzeitung ohne Rücksprache über das Scheitern ihrer Ehe berichtete. "Dabei hat es noch nicht mal gestimmt, was die geschrieben haben" ärgert sie sich. Auch an die mitunter neidischen Blicke der Nachbarn muss sie sich noch gewöhnen. "Viele glauben, ich sei jetzt Großverdienerin, doch das ist keineswegs der Fall", sagt sie. Manche Auftritte würden gut bezahlt, aber das sei nicht die Regel.

Zwei Ziele hat Susanne Knoll. Sie möchte eine eigene politische Karriere machen. Dafür ist sie in die SPD eingetreten. Und sie möchte Angela Merkel persönlich treffen. "Ich halte sie für durchaus humorvoll, aber zurzeit hat sie wohl andere Sorgen", sagt ihr Double.

Eva-Maria Mester, DPA DPA

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