Miriam Pielhau Ein Stück Interviewkultur


(tsch) Sie habe "halt immer so Phasen im Leben", verrät Miriam Pielhau über sich: Mal läuft alles in ruhigen Bahnen, dann sei irgendwann wieder richtig Action angesagt. So wie jetzt. Die 30-jährige ehemalige "taff"-Moderatorin (ProSieben) lebt zurzeit mehr oder weniger aus dem Koffer. Im September hat sie beim Münchner Sender Tele 5 das Kinomagazin "CINEMA TV" (mittwochs, ca. 22 Uhr, und sonntags, 19.20 Uhr) übernommen, für das sie an wechselnden Orten ihre Interviews und Reportagen dreht. Außerdem steht sie in Mainz für die SAT.1-Morgen-Show "Weck Up" (sonntags, 8 Uhr) vor der Kamera, mischt beim Kölner Radio-Sender EinsLive als Moderatorin mit und plant bei kabel eins in München ein neues, regelmäßiges Mittwochsformat, über das sie derzeit noch nichts verraten darf. "Stressig", stöhnt sie. Spaß macht's trotzdem. Vor allem, weil sie es nach eigener Aussage irgendwie schafft, das alles mit einem erfüllten Privatleben unter einem Hut zu bekommen. Ein Lebensstil, zu dem ihr neuer Wohnort perfekt passt: Miriam joggt heute nicht mehr im Englischen Garten, sondern an der Spree: Mit ihrem Mann, dem Musiker Thomas Hanreich (Thom.), ist sie von München nach Berlin gezogen.

teleschau: Frau Pielhau, wie geht es Ihnen mit dem Titel "Sendergesicht von Tele 5"?

Miriam Pielhau: Ich fühle mich geschmeichelt. Und ich gestatte es dem Sender sehr gerne, weil man da wahnsinnig toll mit mir und meinem "CINEMA TV" umgeht. Es ist zwar recht stressig, aber hier finde ich eine absolute Traum-Konstellation vor.

teleschau: Mussten Sie lange überlegen, als Tele 5 mit dem Angebot auf Sie zukam, eine Kino-Sendung zu moderieren?

Pielhau: Nein, gar nicht. Das Thema Kino ist für mich privat wie beruflich so extrem wichtig, dass es da nicht viel zu überlegen gab.

teleschau: Wie oft gehen Sie denn ins Kino?

Pielhau: Oh, wir, mein Mann und ich, waren in letzter Zeit aus zeitlichen Gründen gar nicht oft. Dafür wächst unsere DVD-Sammlung zu Hause umso schneller. Da gibt es einiges abzuarbeiten zurzeit.

teleschau: Wie sieht Ihr Home-Cinema-Equipment aus?

Pielhau: Ich würde sagen, die Bequemlichkeit auf der Couch steht bei unserem kleinen Heimkino im Vordergrund. Wir haben eine Dolby-Surround-Anlage und dazu "nur" einen Flachbildschirm. Bis zum Beamer haben wir es leider noch nicht geschafft - dafür muss ich noch etwas sparen.

teleschau: Das Besondere an Ihrer Sendung "CINEMA TV" ist, dass Sie nicht von einem festen Studio aus moderieren.

Pielhau: Ja, wir reisen quer durch die Republik, um Stars privat zu besuchen und von Premieren oder Dreharbeiten zu berichten. Ausgefallen ist auch die Optik. Wir drehen mit zwei Kameras, und zeigen Interviews gerne im Split-Screen, bieten dem Zuschauer zwei Perspektiven. Wir wollen eben insgesamt einen sehr modernen, jungen Look. Und inhaltlich soll sich das mit meiner Person ergänzen. Ich bin doch eigentlich auch ganz modern, oder? ... Auf jeden Fall versuche ich ein bisschen frecher mit den Leuten oder dem Thema Film allgemein umzugehen, als man das vielleicht gewohnt ist. Die Interviews entwickeln sich dann im Optimalfall zu Gesprächen, weniger reine Frage- und Antwort-Spiele.

teleschau: Das sollten gute, unterhaltsame Interviews eigentlich immer sein.

Pielhau: Richtig. Aber das kann man nicht immer steuern. Es gibt Fälle, da funktioniert es einfach nicht. Aber wenn sich beide Parteien wenigstens ein bisschen sympathisch sind, dann klappt es in der Regel. Ich kenne ja nun auch beide Seiten: Oft genug bin ich die, die auf Fragen antworten muss.

teleschau: So wie jetzt.

Pielhau: So wie jetzt!

teleschau: Und worauf kommt es nun an?

Pielhau: Schon auf Sympathie. Aber wenn sich mein Gegenüber Gedanken gemacht hat und er gut vorbereitet ist, dann rennt er bei mir grundsätzlich offene Türen ein. Wenn ich aber merke, einer spult einfach sein Nullachtfuffzehn-Programm ab, geb' ich ihm eben nur den trockenen Profi (lacht).

teleschau: Also, wie Sie neulich beim Interview mit Matthias Schweighöfer Ihr Haar hatten, so mit der Strähne im Gesicht, das hatte was ...

Pielhau: Vielen Dank!

teleschau: Ach, kommt man mit solchen Fragen wohl wirklich weiter?

Pielhau: Ich bin ein typisches Weib. Bei mir: JA! Außerdem hat sie ja eine Grundlage. Ich hatte schon ein ziemlich gewagtes Outfit in dieser Sendung. Aber die Cleo, meine Maskenbildnerin, hat das gut hingezaubert. Sie überlegt sich jedes Mal was Neues, und ich begebe mich, was die Optik angeht, gerne mit blindem Vertrauen in ihre Hände.

teleschau: Sie berichten in "CINEMA TV" auch von Aftershow-Partys oder vom roten Teppich bei Filmpremieren - das ist so außergewöhnlich auch wieder nicht ...

Pielhau: Stimmt. Aber da gibt es noch genügend andere Sachen. Wir haben zum Beispiel gerade erst am Set der Verfilmung des Jugendromans "Die Wolke" von Gudrun Pausewang gedreht. Auf einmal stand ich mitten in einem nachgebauten Sanatorium für krebskranke Kinder. Das war so erschreckend real, alle Schauspieler und Statisten mit rasierten Köpfen - das hatte schon etwas Beklemmendes.

teleschau: Also geht es Ihnen vor allem um den viel zitierten Blick hinter die Kulissen?

Pielhau: Und zwar möglichst mit originellen Ideen, und noch nicht so oft gezeigten Situationen. Neulich schauten wir zu, wie "Brothers Grimm" bei der Film- und Fernsehsynchron hier in Berlin seine deutschen Stimmen gekriegt hat. Natürlich habe ich mich da auch mal dem Selbstversuch ausgesetzt - und bin kläglichst gescheitert. Wenn ich mich mitten reinstürzen kann ins Getümmel, macht es mir am meisten Spaß. So was erfüllt mich mit sehr viel Glücksgefühl, und ist eindeutig interessanter, als die meisten Gespräche mit den Promis.

teleschau: Ich behaupte mal, heute gibt es zwar so viele Interviews und vermeintliche Informationen über Schauspieler und Prominente wie nie zuvor, aber im Grunde erfährt man viel weniger über die wirklichen Stars, über die Personen, als noch vor 15, 20 Jahren. Stimmen Sie zu?

Pielhau: Absolut. Da ist was dran. Andererseits: Vor Jahren noch wurde seitens unserer deutschen Stars beklagt, dass es bei uns anders als in Amerika keine positive Starkultur gibt. Dort werden Stars noch hochgejubelt, geliebt und mit einem anderen Respekt behandelt, während hier der Faktor Neid oder Missgunst doch eine viel größere Rolle spielte. Ich glaube aber, dass das so langsam kippt. Die Stars werden wieder etwas offener, was vielleicht auch mit dem Erfolg einiger deutscher Schauspieler in den USA zu tun hat. Aber das wiederum hat zur Folge, dass auch eine andere Begleiterscheinung aus Hollywood übernommen wird und manche Stars hier zu Lande zum Teil schon so abgeschirmt und professionell betreut sind, dass sie einfach nicht mehr nahbar sind. Aber da müssen auch wir Journalisten die Ursache in uns suchen.

teleschau: Inwiefern?

Pielhau: Indem wir wieder mehr darauf achten, Vertrauen zu schaffen und nicht immer nur an der einen privaten News interessiert sind. Grundsätzlich sollte es doch irgendwann wieder so sein, dass jeder Star dem Interviewer eine faire Chance gibt, zu zeigen, dass er ein echtes Interesse an ihm als öffentliche Person und Mensch hat.

teleschau: Früher gab es im Fernsehen Promi-Formate, wie etwa die "V.I.P. Schaukel", in denen Stars ausführlich in ihrem privaten Umfeld vorgestellt wurden. In den USA ist so etwas längst wieder im Programm zu finden, man denke nur an "MTV Cribs". Wollen Sie sich mit "CINEMA TV" ein Stück in diese Richtung bewegen?

Pielhau: Mir würde es gefallen, diese Lücke zu schließen. Wir haben leider nur eine halbe Stunde Sendezeit - immerhin schon besser, als die üblichen Dreiminutenjunkets. Wir müssen uns wohl auch erst ein bisschen mit dem Format vortasten, bis uns die Schauspielerriege richtig wahrnimmt, vertraut und sieht, dass wir ein ganz anständiges Programm machen. Nur ein Beispiel: Wenn ich im Moment anfragen würde, ob wir mit Jan-Josef Liefers einen Spaziergang zu seinen Lieblingsplätzen in Berlin unternehmen dürfen, würde seine Agentur vielleicht Nein sagen. Aber genau diese Art von Interview wollen wir in unserem Konzept. Doch da müssen sich erst noch die Türen öffen. So lange heißt es für uns, ackern, ackern, ackern.

teleschau: Was ist Ihr eigener Anspruch?

Pielhau: Ich will versuchen, die Fassade zu knacken, sodass ein bisschen was von dem Mensch darunter zum Vorschein kommt. Je größer der Name, desto größer natürlich die Hürde oder auch die Herausforderung für mich. Gerade bei Hollywood-Stars bin ich ja irgendwo auch als Fan dabei. Wenn ich jetzt etwa Cameron Diaz gegenüber stehe ... Mein Gott, die Frau kennt man auf der ganzen Welt. Bleiben wir bescheiden: In Deutschland sind gut gemachte Kinomagazine Mangelware, und wenn es uns mit unserem, wie ich finde, gut gemachten Kinomagazin gelingt, dem einen oder anderen Zuschauer das Thema Film - und vor allem den deutschen Film - wieder ein bisschen schmackhafter zu machen, dann ist schon viel erreicht.

Frank Rauscher/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker