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Miss Teen USA: Ganz schön blond

Manchmal scheint das Klischee des dummen Blondchens doch zu stimmen: Bei einem Beauty-Contest machte sich eine Teilnehmerin mit ihrer tragischen Unwissenheit lächerlich - und avanciert deswegen über Nacht zum Star der US-Popkultur.

Von Frank Siering, L.A.

Für die einen war das Zuschauen einfach nur schmerzhaft. Andere fanden es witzig, und US-Talkmaster Jay Leno gab bekannt, dass er nicht länger daran glaubt, dass den Teenagern die Zukunft in Amerika gehört. Lauren Caitlin Upton ist ein 18-jähriges hübsches, junges Mädchen aus Lexington im US-Bundesstaat Kentucky. Ihre Schönheit hatte sie als Miss South Carolina Teen USA zur großen nationalen Endausscheidung ins kalifornische Pasadena geführt. Und da stand sie nun auf der Bühne. Alles hatte sie prima gemeistert. Den Auftritt im Bikini, das Flanieren im Abendkleid. Und dann diese verdammte letzte Frage von Zeremonienmeister Mario Lopez. Eine "gedankenprovozierende Frage" sollte es sein. "Warum glaubst du, können viele US-Teenager heute die USA auf einer Weltkarte nicht mehr ausfindig machen?"

Miss Teen USA und ihre wundersame Antwort

Bush-Beraterin oder nur nervös?

Caitlin holte tief Luft und legte los: "Ich persönlich glaube, dass Amerikaner das nicht können, weil, äh einige Leute da draußen in unserer Nation keine Landkarten haben, und, äh, ich glaube, dass unsere Schulausbildung wie die in Südafrika und, äh, Irak, also überall, also ich glaube, dass unsere Ausbildung Südafrika und Irak helfen sollte, und all den asiatischen Ländern, damit wir eine Zukunft für unsere Kinder schaffen können." Autsch. Es dauerte keine 20 Minuten, bis die "legendäre Blondinen-Rede" von Bloggern, Nachrichtenagenturen bis zu YouTube aufgegriffen und millionenfach heruntergeladen wurde. "Caitlin sollte einen Job als außenpolitische Beraterin in der Bush-Regierung bekommen", schrieben die einen, "die war einfach nur nervös", verteidigten die anderen. Wie ein Trommelfeuer lud sich die konfuse Antwort der Vorzeige-Amerikanerin, die sich kurioserweise nur bei der Miss-Wahl angemeldet hatte, um ihre "Kommunikations-Fähigkeiten zu verbessern" von Website zu Website. Nationale Fernsehsender rochen eine "große Story". Und die Today-Show auf NBC lud die Verbalgeschädigte direkt zum exklusiven Interview ins Studio ein.

"Ich habe den roten Faden verloren"

"Ich bin mir wirklich keiner Schuld bewusst", verteidigte sie sich dann auch gleich ob der Dummheits-Vorwürfe von Moderator Matt Lauer. Und weiter: "Ich hatte eine solche Frage einfach nicht erwartet. Ich habe einfach meinen roten Faden verloren", sagte die sympathische Amerikanerin weiter. Und dann musste sie doch noch erzählen, dass sie ja eigentlich gar nicht dumm sei. Sie sei mit einem guten Notendurchschnitt von der High School abgegangen, war Sportlerin und ein "Student Leader". Wasser auf die Mühlen für diejenigen, die schon seit längerem vermuten, dass Amerikas Jugend längst hinter den Teens aus Asien und zum Teil auch Europa hinterher hechelt, was akademische Fähigkeiten angeht. Gerade in den Fächern Erdkunde und Geschichte fallen die Amis immer wieder durch blendende Unkenntnis auf. Dann aber doch noch Versöhnliches zum Schluss. "Ich möchte nur, dass die Leute wissen, dass ich ein durchschnittliches Mädchen bin, das sein Leben voll genießt und von seinen Fehlern lernt." - So macht man das in Amerika, wenn man bis zur nackten Peinlichkeit vorgeführt wird. Schuld bekennen und einen Schritt nach vorne tun.

Hauptsache, es gibt Pommes

Alles wieder gut, fast alles. Denn auf die Frage, was sie denn nun machen werde, fiel der lieben Caitlin leider nichts Besseres ein als: "Ich will mal wieder viele Hamburger essen. Und Pommes. Und Hot Dogs. Die habe ich nämlich schon seit drei Jahren nicht mehr zu mir genommen. Ich möchte mal wissen, ob die mir noch schmecken." Böse Internet-Zungen behaupteten am Tage nach dem Auftritt von Upton in der Today-Show, dass Talkmaster Lauer ihr auf dem Weg zur Limo eine Weltkarte zugesteckt bekommen haben soll. Wenigstens einer hatte etwas Einsicht mit dem Teenager und wollte helfen.

  • Frank Siering