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Mitbegründer der Zero-Gruppe: Avantgardist Otto Piene gestorben

Otto Pienes Kunst war endlich. Er nutzte Feuer, Luft und den Himmel anstelle von Leinwand und Pinsel. Jetzt starb der Zero-Künstler im Alter von 86 Jahren. Dabei war Piene noch mitten im Schaffen.

Der Himmel war die Leinwand für Otto Piene, sein Pinsel waren Flammen. Er malte Bilder aus Rauch und ließ Blumen aus Feuer entstehen.

Den Himmel schmückte er mit aufblasbaren Skulpturen. Inmitten der Vorbereitungen und Feiern für eine große Ausstellung seiner Werke in Berlin, die gleich an zwei Standorten gezeigt wird, ist der 86 Jahre alte weltberühmte ZERO-Künstler ganz plötzlich gestorben. Gerade hatte er auf dem Dach der Neuen Nationalgalerie noch die Vorbereitungen für eines seiner berühmten "Sky Events" überwacht, da machte auf einer Taxifahrt das Herz nicht mehr mit.

Trotz seines hohen Alters hatte Piene immer noch neue künstlerische Ideen. Zuhause auf seiner Farm in Groton (US-Bundesstaat Massachusetts) arbeitete er mit Keramik und werkelte an Lichtrobotern. Er sei "so glücklich und zufrieden" über die Hommage in Berlin gewesen, sagten die, die ihn in den letzten Tagen begleitet hatten. Piene hatte auch noch viel vor. Er wollte am Samstag seine Himmelsskulpturen in Berlin aufsteigen lassen, und im August ein ähnliches "Sky Event" in Düsseldorf zeigen. Alles war vorbereitet. Die Kunstaktion in Berlin wird nun eine posthume Ehrung eines großen Künstlers und Pioniers der Nachkriegskunst.

Nicht nur ein Künstler, der mit dem Feuer spielte

In den großen Museen weltweit hängen heute Pienes Feuerblumen, doch eigentlich passt seine Kunst nicht in geschlossene Räume. Denn sie ist flüchtig, für den Augenblick gemacht. Sein Vorbild, so sagte er einmal, sei der Himmel - "der verändert sich auch ständig".

Piene, der im Alter einen markanten grau-weißen Rauschebart trug, war nicht nur ein Künstler, der mit dem Feuer spielte, sondern auch ein Philosoph. Geboren wurde er am 28. April 1928 in Bad Laasphe, und er wuchs in der ostwestfälischen Kleinstadt Lübbecke auf. Piene wurde geprägt von der Dunkelheit des Zweiten Weltkriegs, den er als jugendlicher Flakhelfer erlebte. "Daraus wurde dieser enorme Impuls, etwas daraus zu machen", sagte er.

Zusammen mit Heinz Mack (83) und Günther Uecker (84) bildete Piene das weltbekannte ZERO-Dreigestirn. Seine Freunde reagierten erschüttert auf seinen Tod und zogen sich in ihre Ateliers zurück. Die Gruppe ZERO hatte nach dem Krieg einen radikalen künstlerischen Neuanfang gefordert. Statt mit Farbe und Pinsel experimentierten die ZERO-Künstler mit den elementaren Kräften der Natur: Licht, Bewegung, Wind, Feuer, Luft, Energie.

Pienes Kunst bis heute richtungsweisend

Bis 1964 arbeitete Piene als Dozent an der Modeschule Düsseldorf, dann zog es ihn nach Amerika. "Der amerikanische Traum war wie Magie", sagte er in einem Interview. An der Hochschule für technologische Forschung und Lehre, dem Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) in Boston, übernahm Piene 1974 das Center for Advanced Visual Studies (CAVS). 20 Jahre leitete er das Medienlabor für künstlerisch-optische Experimente. In seiner amerikanischen Wahlheimat wird Piene auch beigesetzt.

Pienes Verbindung von Kunst, Natur, Wissenschaft und Technik ist bis heute richtungsweisend. Junge Künstler wie der Däne Olafur Eliasson oder Tomás Saraceno stehen mit ihren Grenzgängen zwischen Kunst und physikalischen Experimenten in der Tradition des Lichtkünstlers.

"Piene hat immer versucht, Grenzen aufzulösen - sowohl in der Kunst als auch geografisch", sagte Mattijs Visser, Leiter der ZERO Foundation in Düsseldorf. Piene war beteiligt an der Entwicklung neuer Kunstformen wie Medienkunst und Performances. Er malte nicht das Licht, er ließ es malen. So entstanden "Lichträume", "Lichtgeister" und "Lichtballette" aus sich bewegenden Raumprojektionen. Bunte Feuergouachen und Feuerblumen entstanden, wenn er mit brennbarer Farbe auf die Leinwand malte und sie anzündete.

"Es schließt sich ein Kreis."

Piene konnte Massen mit seiner "Sky Art" begeistern. Berühmt ist der riesige Plastikregenbogen, den er bei den Olympischen Spielen in München 1972 in den Himmel steigen ließ. "Inflatables", aufblasbare Skulpturen, nannte er seine Luftprojekte - stachelige weiße Sterne oder Blumen. Es dauerte Stunden, um die Helium-gefüllten Objekte in die Luft zu schießen, die nach kurzer Zeit schon wieder in sich zusammenfielen.

"Es geht mir um die Übertragung von Energie", sagte er einmal. In einer Zeit, in der alles kaputt war, habe er etwas schaffen wollen, "was als Ausdruck der Seele oder der geistigen Verständigung unter Menschen taugt". Bis zu seinem Tod lebte der mit renommierten Kunstpreisen geehrte Piene mit seiner Frau Elizabeth Goldring-Piene auf seiner Farm bei Boston. Unermüdlich pendelte er zwischen den USA und Düsseldorf, wo seine künstlerische Karriere begonnen hatte.

Noch kurz vor seinem Tod hatte Piene gesagt, er genieße es besonders, seine Kunst wieder in Berlin zu zeigen. "Es schließt sich ein Kreis."

awö/DPA / DPA