Monaco Fürst Rainier ist tot


Fürst Rainier III. von Monaco starb nach langer Krankheit in der Herz-Lungen-Klinik Monacos. Der 81-jährige Monarch war der dienstälteste Staatschef Europas.

Fürst Rainier III. von Monaco ist tot. Der 81- jährige Monarch erlag um 6.35 Uhr nach langem Leiden einer schweren Lungen-, Herz- und Nierenerkrankung. "Fürst Rainier III. ist nicht mehr. Er wurde der Zuwendung der Seinen und seines Volkes entrissen", erklärte Staatsminister Patrick Leclercq. "Er hat dem Fürstentum so seinen Stempel aufgedrückt, dass sich jeder hier als Waise empfindet." Nun wende man sich in Treue dem neuen Fürsten Albert II. zu.

Als dienstältester Staatschef Europas hatte Rainier mehr als 55 Jahre an der Spitze der kleinsten Monarchie der Welt gestanden. Obwohl er in den vergangenen zehn Jahren an Herz- und Lungenerkrankungen litt, hielt Rainier das Zepter fest in der Hand, bis er am 7. März mit einer Lungenentzündung in die Klinik kam. Die vergangenen zwei Wochen wurde er auf der Intensivstation künstlich beatmet, auch Herz und Nieren mussten technisch unterstützt werden.

Albert übernimmt die Regentschaft

Am vergangenen Donnerstag hatte Albert (47) die Regentschaft übernommen. Im Wechsel mit seinen Schwestern Caroline von Hannover (48) und Stephanie (40) besuchte er den sterbenden Fürsten am Krankenbett. Auch Ernst August von Hannover ist in Monaco. Das Welfenhaus plant keine eigene Trauerfeier.

Rainier wird in der Krypta der Kathedrale von Monaco an der Seite von Fürstin Gracia Patricia zur letzten Ruhe gebettet werden. Nach dem Unfalltod der einstigen Filmdiva im Jahr 1982 hatte er nicht mehr geheiratet. Das Begräbnis soll dem Vernehmen nach in sieben bis neun Tagen stattfinden. Am Donnerstag will Albert entscheiden, ob er zur Beisetzung des Papstes am Freitag nach Rom fährt. Der Katholizismus ist Staatsreligion in Monaco und wegen des Todes von Johannes Paul II. herrscht Staatstrauer. Eine Teilnahme an der Hochzeit des britischen Kronprinzen Charles mit Camilla Parker Bowles an diesem Samstag kommt für Albert in dieser Lage nicht in Frage.

Familie mit schweren Schicksalsschlägen

Glück und Trauer der Fürstenfamilie waren eine ewig sprudelnde Quelle für die Boulevard-Presse gewesen. "In diesem Dallas Europas ist immer etwas los", sagten Fotografen und Nachrichtenjäger. Rainiers "Traumhochzeit" mit der Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly am 18. April 1956 war ein Ereignis, das 30 Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt verfolgten - ein Rekord für die damalige Zeit.

Der tragische Unfalltod von Gracia Patricia 1982 beendete das Märchen vom Prinzen und dem schönen Leinwandstar. Schlagzeilen machten die Liebesgeschichten der Kinder Albert und Caroline, ebenso der Unfalltod von Carolines Mann Stefano Casiraghi. Die jüngste Tochter Stephanie, wegen ihrer zahlreichen Liebesabenteuer ein besonderes Opfer der Paparazzi, nannte die Bilder-Jäger "eine Meute blutrünstiger Jagdhunde". Ausgeschlachtet wurde der Skandal um ihren Ehemann Daniel Ducruet, der mit einer Stripperin "in flagranti" abgelichtet wurde. Doch die Klatschgeschichten brachten Monaco Glamour - und Geld in die Kassen.

Mit Unternehmergeist zum Jetset-Paradies

Als Rainier mit knapp 26 Jahren nach dem Tod seines Großvaters Fürst Louis II. am 9. Mai 1949 die Herrschaft antrat, war Monaco finanziell schwer angeschlagen. Heute leben hier 20.000 Millionäre und im Yachthafen ist kein Platz mehr für die kleinste Jolle. Persönlich überwachte Rainier den Ausbau des seit 1297 von den Grimaldis regierten "Felsens". Durch Aufschüttungen ins Meer hinein wuchs die Staatsfläche von 166 auf 200 Hektar. Weniger als 7700 der 32 000 Einwohner sind echte Monegassen. Die übrigen kommen aus 122 Staaten.

"Der souveräne Staat Monaco ist heute fester auf der Landkarte und im Bewusstsein verankert als je zuvor", sagte Leclercq. Rainier schuf ein Jetset-Paradies, das weder Einkommens- noch Erbschaftssteuer kennt. Monaco bietet den Reichen und Schönen der Welt Amüsement im Kasino, bei Formel-1-Rennen oder Tennis-Turnieren. Die 45 Banken verwalten 360 000 Bankkonten und gelten als Magnet für afrikanische Potentaten und russische Mafiosi. Am Ende kritisierte selbst die französische Nationalversammlung, in Monaco werde "Geldwäsche geduldet, und das auf einem Territorium unter französischem Schutz".

Bundespräsident Horst Köhler würdigte in einem Beileidsschreiben Rainiers Unternehmungsgeist, mit dem der Fürst "maßgeblichen Anteil an der Wandlung des Fürstentums in den letzten Jahrzehnten" gehabt habe. Frankreichs Präsident Jacques Chirac erklärte, Rainier habe "mit Kraft die Schicksalsgemeinschaft" des Fürstentums mit Frankreich verkörpert. "Sein Mut und seine Standhaftigkeit angesichts der Krankheit sind beispielhaft." Der Europarat ehrte Rainier als Freund und großen Staatsmann.

AP/DPA AP DPA

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