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Monica Lewinsky: "Ich wurde zum Sündenbock gemacht, um Clinton zu schützen"

"Ich war der erste Mensch, der im Internet gedemütigt wurde." Das sagt Monica Lewinsky, berühmte Ex-Praktikantin von Bill Clinton. Nach 20 Jahren spricht sie über ihre Affäre mit dem US-Präsidenten.

Ihretwegen trägt das Büro des US-Präsidenten den Spottnamen "Oral Office". Genauer gesagt: Wegen ihrer Affäre mit Bill Clinton in den 90er-Jahren. Jetzt, fast 20 Jahre später, spricht Monica Lewinsky über die Zeit mit dem mächtigsten Mann der Welt - und sieht sich als Opfer der Macht. "Klar, mein Boss hat mich ausgenutzt", schreibt sie in der Zeitschrift "Vanity Fair". Allerdings räumt die einstige Praktikantin im Weißen Haus zugleich ein, es habe sich seinerzeit um eine "einvernehmliche Beziehung" gehandelt. Der eigentliche Missbrauch habe erst später begonnen, "als ich zum Sündenbock gemacht wurde, um seine Stellung der Macht zu schützen".

Zehn-Millionen-Dollar-Angebote ausgeschlagen

Zudem glaubt sie, sie sei vermutlich "die erste Person, die weltweit über das Internet gedemütigt worden sei. Wegen des Spotts, dem sie sich weltweit ausgesetzt sah, habe sie zeitweise Selbstmordgedanken gehegt. Mit 40 Jahren wolle sie dieses Kapitel ihres Lebens nun endlich hinter sich lassen. "Es ist an der Zeit, das Barett zu verbrennen und das blaue Kleid zu beerdigen", erklärt Lewinsky in Anspielung auf zwei Kleidungsstücke, die während des Skandals zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten. Das Barett trug die damalige Praktikantin auf einem Foto, das sie bei einer Umarmung mit Clinton zeigte. Ihr blaues Kleid, auf dem sich Samenspuren von Clinton befunden haben sollen, wurde zu einem der wichtigsten Beweismittel im Amtsenthebungsverfahren gegen den Demokraten.

Wörtlich schreibt die heute 40-Jährige in der Zeitschrift: "Ich selbst bedauere zutiefst, was zwischen mir und Präsident Clinton geschah." Ihren Beitrag in dem Magazin nutzt sie, um mit einigen Gerüchten aufzuräumen: Lewinsky beteuert, sie habe nicht zwölf Millionen Dollar (jetzt rund 8,6 Millionen Euro) für ein obszönes Enthüllungsbuch angeboten bekommen. Jedoch habe sie Angebote ausgeschlagen, die ihr mehr als zehn Millionen Dollar eingebracht hätten.

Rücksicht auf Hillary Clinton?

Lewinsky arbeitete Mitte der 90er-Jahre im Weißen Haus - das Bekanntwerden der Affäre löste 1998 weltweite Schlagzeilen aus und kostete Clinton beinahe das Amt. Erst durch einen öffentlichen Kniefall konnte Clinton eine Amtsenthebung abwenden, bestritt aber zunächst, eine "sexuelle Beziehung" mit der jungen Frau gehabt zu haben. Doch Jahre später räumte er ein, er hätte früher mit der Wahrheit herausrücken sollen und sprach von "persönlichen Fehlern".

Lewinsky deutet an, dass sie die Affäre auch mit Blick auf die Ambitionen von Clintons Ehefrau Hillary auf das Präsidentenamt endlich aus der Welt schaffen wolle. Es sei an der Zeit, damit aufzuhören, "auf Zehenspitzen um meine Vergangenheit und um die Zukunft von anderen Leuten zu schleichen". Hillary Clinton gilt als Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahr 2016. Noch erklärte sich die frühere Außenministerin und First Lady aber nicht offiziell, ob sie nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf 2008 noch einmal antreten wolle.

nik/DPA / DPA
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