Moshammer-Mord Mord oder Totschlag


Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Modemachers Rudolph Moshammer sind sämtliche intime Details über Opfer und Täter ans Licht gekommen. Am Monat muss das Gericht nun zu einem Urteil kommen.

Die tiefschwarze Haarpracht war angeklebt, anstatt milde-wohltätig war Rudolph Moshammer oft herrisch und aufbrausend. Unerbittlich hat das Gericht im Prozess um den Mord an dem homosexuellen Münchner Modemacher auch wenig schmeichelhafte Seiten aus dessen Leben zu Tage gefördert. Der Schickeria-Liebling, der sich stets perfekt gestylt und lächelnd mit seiner Yorkshire-Hündin Daisy präsentierte, war in Wirklichkeit einsam. Der 64-Jährige starb durch die Hand eines Mannes, den er sich für bezahlten Sex von der Straße in sein Haus im Villenvorort Grünwald geholt hatte. Der Iraker Herisch A. hat zugegeben, Moshammer mit einem Elektrokabel erdrosselt zu haben. Gut zehn Monate nach der Tat wird an diesem Montag (21. November) das Urteil über den 26-jährigen Angeklagten gesprochen.

Vor allem muss das Gericht klären: War es Totschlag oder Mord? Staatsanwalt Martin Kronester hat lebenslange Haft wegen Mordes gefordert. Herisch A. habe Moshammer heimtückisch und aus Habgier erdrosselt, um ihn zu berauben. Der Edelschneider habe ihn erwischt, wie er nach Wertsachen suchte, und mit der Polizei gedroht. Da habe der Angeklagte ihm hinterrücks das Kabel vier Mal um den Hals geschlungen und "mit brachialer Gewalt" zugezogen, so dass das Kabel riss. Kronester sieht auch eine "besondere Schwere der Schuld", da der Iraker keine Reue zeigte. Damit wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahren nicht möglich.

Verteidiger plädieren auf Totschlag

Die Anwälte gehen hingegen nur von Totschlag aus und verlangen eine Haftstrafe im "unteren zweistelligen Bereich". Habgier könne nicht im Spiel gewesen sein, weil Herisch A. die zahlreichen Kunst- und Wertgegenstände in Moshammers Haus nicht anrührte. Er flüchtete nur mit rund 400 Euro in bar. Er sei wütend geworden, weil Moshammer ihn beschimpft habe, als er Analverkehr ablehnte.

In allen Details haben die Ermittlungen ausgerechnet auch Moshammers Homosexualität ans Licht gebracht, die er zu Lebzeiten selbst vor Freunden geheim zu halten suchte. Nicht nur gelegentlich, sondern mehrmals pro Woche fuhr Moshammer demnach mit seinem Rolls-Royce mit dem Kennzeichen M - RM 111 auf der Suche nach jungen Männern durch die Stadt. Dabei sei er meist nach demselben Schema vorgegangen, sagt Kronester. Gefiel ihm ein Mann, stoppte er, fragte er nach einer Videothek und zeigte eine Porno-Videokassette. "Junge Männer, die interessiert waren, nahm er dann mit in sein Haus", fasste der Staatsanwalt die Ermittlungsergebnisse zusammen.

Moshammer sei "sehr nett" gewesen

Auch am späten Abend des 13. Januar war Moshammer in der Hauptbahnhofgegend unterwegs. Er sprach Herisch A. an, der gerade mehrere hundert Euro seiner Freundin verspielt und sich bei dieser tränenreich entschuldigt hatte. Der Iraker stieg in den Wagen. Offenbar habe er eine überraschende Einnahmequelle gesehen, meint der Staatsanwalt. Herisch A. hingegen behauptet, er sei eingestiegen, weil Moshammer "sehr nett" gewesen sei, er habe den älteren Herrn nur als seinen Vater betrachtet.

Mehrfach hat der Angeklagte, der zu Prozessbeginn einen Schwächeanfall erlitt, das Gericht mit seinen Aussagen verwirrt. Letztlich lege Gott fest, wann das Leben eines Menschen ende, nicht jeder könne im Bett sterben. Er sei geschickt worden, um Moshammers Lebenslicht auszulöschen, erklärte er dem Schwurgericht unter Vorsitz von Manfred Götzl.

Die einzige "echte" Zeugin fehlte im Prozess

Rund 50 Zeugen waren an acht Verhandlungstagen geladen, manche nutzten den Auftritt zur Selbstdarstellung. Moshammers "Doppelgänger" wurde wegen Verdachts auf Falschaussage im Gerichtssaal festgenommen. Und die Ex-Freundin des Angeklagten nahm verkleidet und unerlaubt schon vor ihrem Zeugenauftritt am Prozess teil. Ein Privat-Sender hatte ihr 1000 Euro Honorar für ihre Schilderung der Verhandlung geboten.

Nicht dabei war nur die Hundedame Daisy, die ansonsten stets und sogar bei der Trauerfeier für Moshammer mitgetragen wurde. Von der einzigen "echten" Zeugin der Tat wurde im Prozess nur bekannt, dass sie die ganze Zeit während der Sex-Spiele ihres Herrchens mit seinem späteren mutmaßlichen Mörder gebellt hat.

Sabine Dobel/DPA DPA

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