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Moshammer-Prozess: Angeklagter wollte ins Ausland fliehen

Der wegen Mordes an Modemacher Rudolph Moshammer angeklagte Herisch A. wollte nach Angaben seiner Ex-Freundin nach der Tat fliehen. Offenbar plante er, sich in den Irak abzusetzen.

Nach dem gewaltsamen Tod des Münchner Modehändlers Rudolph Moshammer wollte sich der Täter offenbar absetzen. "Ich wusste, dass er weg wollte, nach Hause oder so", sagte die Freundin des angeklagten Irakers Herisch A. vor dem Schwurgericht München I aus. "Er hat gesagt, dass ein Problem auf ihn zukommen könnte." Doch die Polizei kam den Fluchtplänen des Irakers zuvor: Nicht einmal 48 Stunden nach der Tat nahm ein Sondereinsatzkommando den 25-Jährigen fest. Die Beamten waren ihm durch einen genetischen Fingerabdruck auf die Spur gekommen.

Trotz der Andeutung über eigene Probleme hat Herisch A. der gleichaltrigen Freundin aus Rumänien aber nichts von Moshammers gewaltsamen Tod erzählt. Als die Tänzerin am frühen Morgen des 14. Januar von ihrer Arbeit in einer Bar im Münchner Bahnhofsviertel heimkam, habe der Iraker ihr gesagt, er habe in der Nacht "eine Schaufensterscheibe eingeschlagen".

Angeklagter hat bereits gestanden

Der wegen Mordes und Raubes angeklagte Iraker hatte nach seiner Festnahme bei der Polizei das Gewaltverbrechen gestanden und sein Geständnis vor Gericht nach anfänglichem Zögern wiederholt. Er hat demnach den 64 Jahre alten homosexuellen Modehändler mit einem Elektrokabel erdrosselt, auf dem dann der genetische Fingerabdruck gesichert wurde.

Laut Anklage hat der Iraker Moshammer in dessen Haus in Grünwald bei München begleitet und ihn im Streit um den Lohn für seine eigenen sexuellen Leistungen umgebracht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Iraker seinem Opfer mehrere hundert Euro geraubt hat. Vor diesem Hintergrund galt die Äußerung der Zeugin als wichtig, wonach Herisch A. ihr zunächst erzählte, er habe am Tatabend in einem Spielsalon das in einem roten Umschlag aufbewahrte Geld des Paares - 400 Euro von ihm und 800 Euro von der Freundin - komplett verspielt. Das habe er ihr in der Bar weinend gestanden und von Selbstmord gesprochen. Bei ihrer Heimkehr von der Arbeit habe er dann aber erklärt, beim Spiel seien 400 Euro übrig geblieben.

In dem roten Umschlag fand die Zeugin unter anderem einen 200- Euro-Schein, der sich vorher nicht dort befand. "Unser Geld war in 50-Euro-Noten gestückelt", sagte die Rumänin. Sie kannte den Angeklagten seit Februar 2004 und lebte während der letzten sechs Wochen vor seiner Verhaftung mit ihm zusammen. "Wir haben uns geliebt", sagte sie. "Er war sehr nett und gut." Nach seiner Verhaftung sprach er bei einem Besuch von ihr in der Haftanstalt von einer Verlobung, aber darauf wollte sich die Zeugin nicht einlassen.

"Er wollte zwei Wochen Urlaub"

Sie habe an ihrem Arbeitsplatz gehört, ihr Freund habe homosexuelle Kontakte. Er habe dies jedoch immer abgestritten, sagte sie. Andere Zeugen haben ihn nach ihrer Schilderung zu Männern ins Auto steigen sehen. Ein 60-Jähriger berichtete von mehreren Treffen mit dem Angeklagten, der für seine sexuellen Dienste Geld von ihm verlangt habe.

Herisch A. war in einem Fast-Food-Lokal beschäftigt. Nach Angaben seines Chefs fehlte er am Tag nach der Tat unentschuldigt bei der Arbeit. Er kam aber nachmittags ins Büro und bat um zwei Wochen Urlaub: "Er sagte, seine Tante sei gestorben, er müsse in den Irak fliegen", berichtete der Zeuge. "Ich sagte ihm, das sei zu kurzfristig, er solle morgen noch einmal kommen, vielleicht könne ich es bis dahin ermöglichen." Am folgenden Tag wurde der Angeklagte verhaftet. Der Prozess wird an diesem Dienstag fortgesetzt.

DPA, AP / AP / DPA