Muriel Baumeister über ihre Alkoholsucht
Jeder Tag ist ein gefährlicher Moment

Seit zehn Jahren trocken: Schauspielerin Muriel Baumeister.
Seit zehn Jahren trocken: Schauspielerin Muriel Baumeister.
© imago/STAR-MEDIA
Muriel Baumeister spricht offen über ihre Alkoholsucht - und warum erst der dritte Klinikaufenthalt sie zur Abstinenz führte.

Im Talkformat "Wendepunkte" des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ e.V. hat Muriel Baumeister (54) offen über ihre Alkoholabhängigkeit gesprochen - und über den langen, beschwerlichen Weg zurück ins Leben. Seit fast zehn Jahren ist sie nach eigenen Angaben trocken.

Der Beginn war kein abrupter Absturz, sondern ein schleichendes Gleiten. "Wir haben ja alle getrunken", beschreibt Baumeister den leichtfertigen gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Was als gelegentliches Trinken begann, entwickelte sich über Jahre zu einer manifesten Abhängigkeit. Eine pränatale Depression im Jahr 2014 habe die Sucht noch einmal deutlich verstärkt, schildert sie in dem Gespräch.

Einen entscheidenden Impuls für die Bewusstwerdung ihres Problems setzte ihre beste Freundin. Die Ärztin machte Baumeister gegenüber unmissverständlich klar, dass sie die Situation nicht länger hinnehmen werde: "Ich gucke mir das nicht mehr an." Auch der Körper hatte längst Alarm geschlagen. Eine chronische Magenschleimhautentzündung begleitete sie dauerhaft - und dennoch gelang es ihr nicht, den Konsum einzuschränken.

Normalzustand 1,4 Promille

Was die Sucht schließlich in die Öffentlichkeit brachte, war ein Vorfall im Oktober 2016. Baumeister wurde mit einem Blutalkoholwert von 1,4 Promille am Steuer kontrolliert, nachdem sie beim Einparken eine Leitplanke gestreift hatte. Eine ihrer Töchter saß im Fahrzeug. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

Besonders erschreckend empfand Baumeister den Fakt, dass ihr ihr Zustand gar nicht weiter aufgefallen war: "Ich habe mich normal gefühlt und das war eigentlich das Schlimme an der Sache. Die Kommissarin hat gesagt, wenn sie es nicht gerochen hätte, hätte sie es gar nicht gemerkt."

Erst der dritte Versuch hielt

Was folgte, waren zwei stationäre Aufenthalte in verschiedenen Einrichtungen - ohne dauerhaften Erfolg. Als zentrales Hindernis benennt Baumeister die damals noch bestehende Hoffnung auf kontrollierten Konsum: "Das ist der Traum eines jeden Alkoholikers. Und erst wenn du begriffen hast, dass das nicht geht, dann bist du auf dem Weg der Besserung."

Im Oktober 2017 ließ sie sich schließlich in die geschlossene psychiatrische Abteilung der Berliner Charité einweisen: "Das war mein dritter Versuch und das war der, der geklappt hat, weil das so schrecklich war, da wollte ich nie wieder hin."

Wachsamkeit als Dauerzustand

Seitdem strukturiert Baumeister ihr Leben bewusst um die Abstinenz herum. Im ersten Jahr bat sie ihr soziales Umfeld, in ihrer Gegenwart keinen Alkohol zu trinken. Bis heute wird in ihrem Haushalt kein Alkohol gelagert. Und die Gefährdung? Die ist nie ganz weg: "Es gibt jeden Tag einen Moment, wo es kippen könnte", erklärt Baumeister anhand von Situationen wie einem Restaurantbesuch oder ähnliches. "Es ist nur eine Bestellung, das würde kein Mensch merken. [...] Aber es ist einfach keine Option."

Besonders deutliche Worte findet Baumeister für den Doppelstandard, mit dem Suchterkrankungen in der Unterhaltungsbranche je nach Geschlecht bewertet werden. Männer könnten sich "zu Tode saufen", danach einen Korb flechten und seien wieder rehabilitiert. Für sie als Frau in der Branche sei der Vorfall hingegen ein klares "No-Go" gewesen.

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