Nach Johnny-Depp-Prozess Amber Heard spricht über die Folgen

Amber Heard und Johnny Depp kämpften von 2016 bis 2022 vor Gericht.
Amber Heard und Johnny Depp kämpften von 2016 bis 2022 vor Gericht.
© imago/Pond5 Images/xMuttnikx
Jahre nach dem spektakulären Verleumdungsprozess gegen Ex-Mann Johnny Depp meldet sich Amber Heard in einer neuen Dokumentation zu Wort.

Amber Heard (39) meldet sich erstmals seit Jahren wieder zum Prozess gegen Johnny Depp (62) zu Wort. In der neuen Dokumentation "Silenced", die beim Sundance Film Festival Premiere feierte, beschreibt sie die Folgen des erbitterten Rechtsstreits mit ihrem Ex-Mann.

"Hier geht es nicht um mich. Ich habe die Fähigkeit verloren, zu sprechen. Ich bin nicht hier, um meine Geschichte zu erzählen. Ich will meine Geschichte nicht erzählen. Eigentlich will ich meine Stimme gar nicht mehr benutzen. Genau das ist das Problem", erklärt Heard laut "Variety" in dem Film von Regisseurin Selina Miles.

Dokumentation über das Schweigen von Frauen

"Silenced" beleuchtet, wie Verleumdungsklagen als Waffe gegen Frauen eingesetzt werden, die Missbrauchsvorwürfe erheben. Neben Heard kommen weitere Frauen zu Wort, darunter die australische Politikerin Brittany Higgins und die kolumbianische Journalistin Catalina Ruiz-Navarro. Menschenrechtsanwältin Jennifer Robinson, die Heard während des Prozesses gegen die britische Zeitung "The Sun" vertrat, hat den Film mitproduziert. "Silenced" sucht derzeit noch einen Verleih.

Robinson warnt darin vor dem "abschreckenden Effekt", den solche Klagen auf Frauen haben. In der Zeit nach #MeToo hätten Frauen begonnen, öffentlich über geschlechtsspezifische Gewalt zu sprechen - nur um dann mit millionenschweren Verleumdungsklagen konfrontiert zu werden. "Was bedeutet Redefreiheit, wenn man es sich nicht leisten kann, sie zu verteidigen?", fragt die Anwältin.

"Ich habe nicht verstanden, dass es noch so viel schlimmer werden könnte"

Amber Heard blickt in der Dokumentation auch auf Depps Prozess gegen "The Sun" zurück, bei dem sie als Zeugin auftrat. Robinson habe sie gefragt, ob sie sicher gegen ihren Ex aussagen wolle. "Ich dachte: 'Wenn sie mit Sachen nach mir werfen, macht das meinen Punkt nur offensichtlicher.' Ich habe nicht verstanden, dass es für mich als Frau noch so viel schlimmer werden könnte, wenn ich meine Stimme benutze."

Auch wenn sie selbst nicht mehr sprechen will, gibt es der dreifachen Mutter "Kraft zu sehen, wie andere Menschen den Kampf aufnehmen. Frauen, die mutig genug sind, das Machtungleichgewicht anzusprechen". In das Gesicht ihrer Tochter zu blicken zeige ihr, "dass es besser werden kann."

Jahrelanges Tauziehen vor Gericht

2016 hatte Amber Heard nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung von Johnny Depp eingereicht und eine einstweilige Verfügung wegen häuslicher Gewalt beantragte. Die beiden einigten sich auf einen Vergleich über sieben Millionen Dollar. Der eigentliche Rechtsstreit begann dann 2018, als Depp "The Sun" verklagte, weil ihn das Boulevardblatt als "Frauenschläger" bezeichnet hatte. Heard sagte als Zeugin gegen ihren Ex-Mann aus. 2020 verlor Depp den Prozess, das Gericht stufte die Behauptungen der Zeitung als "im Wesentlichen wahr" ein. Im März 2019 hatte Depp zudem seine Ex-Frau persönlich wegen eines Meinungsartikels in der "Washington Post" verklagt.

Im April 2022 begann der aufsehenerregende Verleumdungsprozess in Virginia, bei dem sich beide Seiten gegenseitig physischen, emotionalen und psychischen Missbrauch vorwarfen. Nach sechs Wochen wurde Heard in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und zur Zahlung von 10,35 Millionen Dollar verurteilt. Depp musste seinerseits zwei Millionen Dollar zahlen. Letztlich einigten sich beide auf einen Vergleich: Heard zahlte eine Million Dollar.

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