HOME

Nach Skandalfotos: Miss France darf die Krone behalten

Die Proteste gegen die Absetzung von Miss France waren erfolgreich: Die 22-jährige Valérie Bègue darf ihren Titel trotz aufgetauchter Skandalfotos behalten. Widersacherin Geneviève de Fontenay, Präsidentin des Miss-France-Komitees, hat sich jedoch mit einem Trick an der unliebsamen Bègue gerächt.

Von Astrid Mayer, Paris

Es wird ein hartes Jahr werden für Geneviève Mulmann, selbst ernannte de Fontenay. "Ich werde doch nicht mit so einem Mädchen an meiner Seite auf den Dörfern und in der Provinz spazieren gehen", hatte sie vor ein paar Tagen noch getönt, als alte Fotos von der frisch gewählten Miss France, Valérie Bègue, in einem Magazin veröffentlich worden waren. Nun hat die Organisatorin der französischen Miss-Wahlen Veranstaltungen Seite an Seite mit der Kritisierten dem angedrohten Rücktritt vorgezogen. Miss France behält ihren Titel.

Die Konzession an die sittenstrenge Madame de Fontenay: Valérie Bègue darf nicht in internationalen Wettbewerben (um Miss World oder Miss Universum) antreten. Womit die 75-jährige Gründerin des Wettbewerbs wohl ihren moralischen Anspruch an das Ganze gewahrt sieht: Die Mädchen, die antreten, müssen unterschreiben, dass sie sich nie nackt oder in anstößigen Posen haben fotografieren lassen.

Die Miss France hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, weil die Fotos vor drei Jahren entstanden und nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren. Bei der Frage, wie anstößig sie tatsächlich sind, scheiden sich die Geister. Nicht einmal der Bischof von Valérie Bègues Heimatinsel Réunion wollte sich hinter die Causa der prüden Geneviève de Fontenay stellen - die hatte von Gotteslästerung gesprochen, weil es ein Foto gibt, auf dem die künftige Miss France in einem Swimmingpool auf einem Holzkreuz liegt. Junge Mädchen mit Engelsflügeln auf eine Bühne treten zu lassen, so der Bischof, sei auch nicht besser.

Dabei hält sich die Madame so viel auf ihre Moralvorstellungen zugute. Sie, die in den 50er Jahren zur Miss Elégance gewählt wurde, hat als großes Vorbild die sehr katholische Grace Kelly. Sie unterstützt außerdem eine kleine trotzkistische Partei, was angesichts ihres (angemaßten) Adelstitels und ihres Vermögens nicht gerade nahe liegt. Und noch mehr verwundert angesichts ihrer Reaktion auf eine Prüfung ihrer Buchhaltung, bei der sich herausstellte, dass sie keine Sozialabgaben auf die Honorare für ihre Schützlinge zahlte. Sie war empört (über die Prüfung).

Stets höflich, freundlich und gut angezogen müssen Frauen und Mädchen nach Meinung von Geneviève de Fontenay sein, und erst recht also eine Miss. Dass diese Vorstellungen nicht unbedingt sehr zeitgemäß sind, meint nicht nur ein großer Teil der französischen Öffentlichkeit. Das wird ihr auch die Produktionsfirma Endemol vermittelt haben, die vor ein paar Jahren für zehn Millionen Euro die Fernseh-Rechte an den Miss-Wahlen gekauft hat.

Und dann war die Sache auch noch ein Politikum geworden, weil Bègue aus einem der weit entfernten und wenig beachteten Départements Frankreichs stammt: Von der Réunion. Einer Insel, die von hoher Arbeitslosigkeit und einer mysteriösen Krankheit geplagt wird, die Touristen in den vergangenen Jahren abgeschreckt hatte. Da kam die Wahl eines Landeskindes zur Miss gerade gelegen. Als der Titel gefährdet war, gab es in der Hauptstadt der Réunion Demonstrationen für Bègue.

Sogar der Staatssekretär, der für die Überseegebiete zuständig ist, hatte Madame de Fontenay um Gnade für die junge Frau gebeten. Und eigentlich weiß die Unbeugsame, was es heißt, um einen Titel zu kämpfen. Schließlich hat sie vergeblich versucht, ihren Namen, der ein Pseudonym ihres Mannes war, standesamtlich legitimieren zu lassen. Sie führt ihn trotzdem weiter.

Themen in diesem Artikel