Palast und Protokoll Das neue Leben der künftigen Prinzessin Letizia


Vor der "Märchenhochzeit" mit dem spanischen Thronfolger Felipe musste Letizia Ortiz an ihrem Englisch feilen, Skifahren lernen und die Stammbäume der Königshäuser pauken.

Vor der "Märchenhochzeit" mit dem spanischen Thronfolger Felipe musste Letizia Ortiz an ihrem Englisch feilen, Skifahren lernen und die Stammbäume der Königshäuser pauken. Sie musste mit ihrem Verlobten einen Stierkampf besuchen, obwohl sie für dieses Schauspiel bisher wenig übrig hatte. Aber die Stierkampf-Fans sind treue Anhänger der Monarchie und wollen gehegt werden.

Prinzessin-Sein ist harte Arbeit

Der Aufstieg der einstigen TV-Moderatorin zur Königlichen Hoheit verläuft nicht so idyllisch wie im Märchen. Auch das neue Leben in einem Palast ist nicht unbedingt paradiesisch. König Juan Carlos, Königin Sofía und Kronprinz Felipe sind zwar ständig von einer Dienerschaft umgeben, leben aber auf dem Gelände des Zarzuela-Palastes am Nordrand von Madrid relativ abgeschieden.

"Besucher kommen selten, denn die Königlichen haben keine Freunde, sondern nur Untertanen", schreibt das Nachrichtenmagazin "Tiempo". Außerhalb des abgeschirmten Palastgeländes tun die Mitglieder der königlichen Familie keinen Schritt ohne Eskorte. Das heißt: Für jede Exkursion - und sei es nur zum Zeitungskiosk - müssen die Sicherheitsdienste vorher Bescheid bekommen.

Spontan ist da nix

Protokollarisch steigt Letizia mit ihrer Heirat am kommenden Samstag in den Rang einer Königlichen Hoheit auf, nimmt aber keinen Platz in der Thronfolge ein. Sie erhält den Titel "Prinzessin von Asturien" und sollte mit "Señora" oder "Alteza" (Hoheit) angeredet werden. Verbeugungen oder Knicks, die früher bei der Begrüßung von Hoheiten angebracht waren, sind weitgehend aus der Mode gekommen.

Die Umgangsformen am Hofe kennt die künftige Prinzessin bereits, denn sie lebt seit der Bekanntgabe ihrer Verlobung vor einem halben Jahr im Gästeflügel des Zarzuela-Palastes. Im privaten Kreis der Familie ist das Protokoll nicht besonders streng, aber auch dort gelten gewisse Normen. Der König und die Königin werden zum Beispiel von ihren Schwiegersöhnen nicht geduzt, sondern mit "Señor" oder "Señora" angeredet. Diesem Brauch wird wohl auch Letizia folgen.

Höfische Etikette

Außerdem ist es üblich, dass die Mitglieder der königlichen Familie sich untereinander mit ihren Titeln bezeichnen. Wenn Felipe von seinen Eltern spricht, sagt er nicht "mein Vater" oder "meine Mutter", sondern "el Rey" (der König) oder "la Reina" (die Königin). Letizia wird den Thronfolger gegenüber Dritten nicht als ihren "Mann" bezeichnen, sondern als "el Príncipe" (der Prinz).

Weniger klar ist dagegen, welche Aufgaben die neue Prinzessin überhaupt zu verrichten hat. Sie muss den Kronprinzen bei offiziellen Anlässen begleiten. Aber sonst? Darf sie bei bestimmten Anlässen die königliche Familie vertreten? Soll sie sich um soziale Dinge kümmern oder eine Stiftung leiten? Auf solche Fragen gibt die Verfassung keine Antwort. Eine Prinzessin von Asturien ist - wohl durch ein Versehen der Verfassungsväter - im Grundgesetz nicht vorgesehen.

Rechtliches Vakuum

Letizia begibt sich mit der Heirat gewissermaßen in ein rechtliches Vakuum. Sie wird, wie der Verfassungsrechtler Antonio Torres del Moral bemerkt, im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des Königshauses von den Gesetzen nicht ausdrücklich geschützt. Wenn der König zum Beispiel in einer Radarfalle mit 200 Stundenkilometern geblitzt würde, könnte er nicht belangt werden - wohl aber die künftige Prinzessin von Asturien.

Hubert Kahl, dpa DPA

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