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Letizia Ortiz: Künftige Königin mit Vergangenheit

Die selbstbewusste Journalistin Letizia Ortiz muss sich verändern: Seit der Verlobung mit dem Kronprinzen darf sie nicht mehr arbeiten, sie möge femininere Kleidung tragen und zurückhaltender sein.

Die selbstbewusste Letizia Ortiz hat für den spanischen Thronfolger Felipe ihr bisheriges Leben aufgegeben. Die 31-jährige Journalistin kündigte als Fernsehmoderatorin beim Sender TVE, darf keine politische Meinung mehr äußern und wird der ständigen Kontrolle der internationalen Klatschpresse ausgeliefert sein. Kurz nach der Verlobung mit Felipe genoss sie noch eine Schonfrist, doch schon wenig später wurde erste Kritik laut. Die künftige Braut sei vorlaut und müsse eleganter und zurückhaltender auftreten, hieß es.

Dabei ist Letizia ein gewisses Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit durchaus gewohnt. Sie moderierte schließlich die Abendnachrichten von TVE und wurde von der spanischen Journalistenvereinigung als beste Journalistin unter 30 Jahren ausgezeichnet. Für TVE berichtete sie auch aus dem Nahen Osten und anderen Krisenregionen und reiste nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als Sonderkorrespondentin nach New York.

Journalismus liegt ihr im Blut

Das Interesse an Nachrichten und die Hingabe zum Journalismus wurde Letizia in die Wiege gelegt. Sie wurde am 15. September 1972 als Tochter eines Radiomoderators und einer Krankenschwester in Oviedo im Norden Spaniens geboren, auch ihre Großmutter war schon beim Hörfunk tätig. Sie hat zwei jüngere Schwestern, die wie sie zur Universität gingen. Letizia studierte Informationswissenschaften und audiovisuellen Journalismus in Madrid. Für die Vorbereitung einer Doktorarbeit verbrachte sie einige Monate in Mexiko, stellte die Arbeit jedoch nicht fertig.

Ihre erste feste Arbeitsstelle bekam Letizia bei der Madrider Tageszeitung "ABC". Ihre Artikel wurden als sorgfältig recherchiert und spannend geschrieben gelobt, wie der Hofberichterstatter Norbert Loh in seinem Buch "Felipe und Letizia. Die Krönung einer Liebe" beschreibt. Schon damals habe Letizia viel Wert auf ihr Äußeres gelegt und immer auf ein sorgfältiges Make-up und eine schicke Garderobe geachtet. Nach einigen Monaten wechselte sie zur Nachrichtenagentur EFE. Danach gab sie ihr Fernsehdebüt bei CNN, es folgte eine Zeit beim Wirtschaftssender Bloomberg-Spain. Schließlich nahm sie TVE unter Vertrag, der Sender mit den höchsten Einschaltquoten des Landes.

Die erste Ehe dauerte nur ein Jahr

Kurz nach der Scheidung ihrer Eltern heiratete Letizia im August 1998 den Schriftsteller Alonso Guerrero, ihren ehemaligen Lehrer, der zehn Jahre älter war als sie. Schon ein Jahr später kam es zur Scheidung. Dokumente der Ehe gelangten nicht an die spanische Presse: Die Hochzeitsfotos halten Guerreros Eltern streng unter Verschluss, die Scheidungspapiere lagern in einem Safe der Justizverwaltung von Madrid. Ihr Exmann äußerte sich nicht zur der bevorstehenden Hochzeit Letizias, sondern erklärte nur, er wünsche dem Paar alles Gute.

Die Strenge des höfischen Zeremoniells lernte Letizia bei der offiziellen Bekanntgabe der Verlobung kennen. Sie unterbrach Felipe vor der versammelten Presse mit den Worten "Lass mich ausreden". In den Medienkommentaren hieß es daraufhin am folgenden Tag, sie haben den Prinzen herumkommandiert, andere lobten ihre Charakterstärke. Eine Woche nach der Verlobung folgte die zweite Lektion, wie Hofbiograf Loh erzählt. Letizia habe der "ABC" gesagt, es bedrücke sie zu wissen, dass all ihre Worte auf die Goldwaage gelegt würden. Sie hatte damit gegen die Konvention verstoßen, nach der Mitglieder der Königsfamilie nie mit einer persönlichen Meinung an die Öffentlichkeit gehen.

Mehr Zurückhaltung und femininere Kleidung

Letizia wird sich daran gewöhnen müssen, dass sie künftig keine persönlichen oder gar politischen Ansichten mehr äußern darf. Dafür wird genau kontrolliert, ob sie ihre Pflichten als Frau des Thronfolgers mit der notwendigen Zurückhaltung erfüllt und sich ihrem Stand gemäß kleidet. Das Promi-Magazin "Hola" verzeichnete bereits wohlwollend, dass Letizia seit der Verlobung immer häufiger auf ihre geliebten Hosenanzüge verzichte und dafür zum feminineren Rock greife.

Nina Becker/AP / AP / DPA