Pamela Anderson ...und schreiben kann sie auch noch


Na, ja, es geht so. Aber zumindest liest sich Pamela Andersons erster Roman amüsanter, als wir gedacht hatten. Die Sex-Ikone erzählt eine Geschichte über eine Sex-Ikone.

Wir versuchen jedes Geheimnis zu lösen, und gleichzeitig langweilt uns alles Geheimnislose. Wir lauschen wie Sherlock Holmes, wenn uns jemand nicht alles erzählt, und wir gähnen, wenn jemand mehr sagt, als wir wissen wollten. So fasst man ein Buch von Pamela Anderson ein wenig ratlos an, denn was soll einem jemand noch erzählen, der die Jahre selbst wie ein offenes Buch gelebt hat? Sogar ein Pornostar hat mehr Geheimnisse als Pamela Anderson, 36, die sich wie keine andere seit über zehn Jahren als Starlet, Pin-up, Silikon-Karton, Privatporno-Star, gelegentliche Schauspielerin, geschlagene Ehefrau oder Mutter zweier Kinder hergegeben hat. Die Botschaft hieß: "Denkt nicht, ich bin schlimm. In Wahrheit bin ich schlimmer." Nacktheit als Imperativ sozusagen. Es wäre falsch zu sagen, dass Pamela der größte Spielplatz aller Männerfantasien ist, denn so viel Fantasie, wie Pamela Geschichten hat, haben Männer nicht.

Und sie weiß,

dass sie immer wieder eine draufsetzen muss. So wie vor ein paar Wochen, als sie einem Interviewer ihr gutes "Penis-Karma" schilderte: Sie habe bisher noch keinen kleinen Penis in der Hand gehabt, nur neulich, da sei einer gewesen, den sie wirklich klein fand.

So ist Pamela, und nichts anderes erwartet man, wenn man "Star", ihren ersten Roman, beginnt. Gleich am Anfang steht ein Satz, der einem später immer wieder einfällt, wenn man sich fragt, warum man dieses Buch weiterliest. Pamela beschreibt darin das Lebensgefühl ihrer Buchheldin, das sie mit der Emotion vergleicht, die "man hat, wenn man andauernd in den Kühlschrank schaut, ohne wirklich hungrig zu sein, obwohl man gar keinen Hunger hat".

Pamela Anderson erzählt die Geschichte des Mädchens, das in Florida aufwächst, am Tag bei einer Kosmetikerin und abends in einer Austern-Bar arbeitet und hysterisch von der großen Welt träumt. Eines Tages wird auf der großen Leinwand eines Stadions gezeigt, wie sie hüpft und unter ihrem kleinen T-Shirt der große Busen versucht ans Licht zu kommen. Ein Männermagazin ruft an, sie lässt sich ohne T-Shirt fotografieren, geht nach Los Angeles, lässt sich oft fotografieren, dreht eine TV-Serie und wird eben ein Star.

Mit kokettem Lächeln hat Pamela Anderson immer wieder verneint, dass die "Star"-Geschichte, die sie zusammen mit dem Autor Eric Shaw Quinn aufgeschrieben hat, ihre Biografie sei, nur eben von ihrer Heimatstadt Vancouver nach Florida verlegt. Es ist ihre Geschichte, es ist ein Schlüsselroman, und auch wer sich wenig auskennt, murmelt: "Ah, das ist Hugh Hefner, und das soll David Hasselhoff sein und das Tommy Lee..." "Star" gibt sich so wenig Mühe, etwas zu verstecken, wie Pamela Anderson, sich anzuziehen.

Und man muss immer wieder an den Satz mit dem Kühlschrank denken, man ist nicht wirklich hungrig, aber man kann auch nicht aufhören, dieses Buch zu lesen, weil es uns hinter die Fassaden Hollywoods gucken lässt, es eröffnet einen Schlüsselloch-Blick in die Villen und Studios einer Welt, die sich an Körpern selbstbedient und in der Sex der Beweis ist zu exististieren.

Da pflückt sich der wortkarge Herausgeber eines Männermagazins einfach die Mädchen in sein Bett, weil er nicht weiß, wozu er sonst auf der Welt wäre. Und da muss ein Liebhaber das Mädchen Star unbedingt unter dem "H" des Hollywood-Schriftzuges verführen, weil er seiner Stadt seine Potenz beweisen muss. Über einen Mann schreibt Anderson: "Der Sex war nicht unvergesslich, aber es war Sex, und Star brauchte allmählich mal was unkompliziertes. Dafür war Ant der perfekte Partner,É er dachte an niemanden anderen als an sich selbst. Das war perfekt. Sie brauchte sich keine Sorgen zu machen, dass sich ihr Leben auf seines auswirkte, weil er gar nicht bemerkte, dass sie ein eigenes hatte."

Star läuft mit großen Augen und großem Busen durch dieses Neverland der Egomanie und notiert es detailversessen und manchmal plapprig. Man spürt erst nach einer Weile, dass einem "Star" Spaß macht, weil es sich so ernst nimmt. Weil es mit großer Leidenschaft vom Tresenleben, Biersorten, Manikür-Schulen, Haarblondierungen und Silikonimplantaten erzählt.

Pamela Anderson war clever genug, sich nicht in Literatur zu versuchen, sie beschreibt wenig, sondern lässt die Figuren reden. Eine Flut von Dialogen, ein "hat er gesagt" und "hat sie gesagt", teilweise so amüsant, wie blondierte Unterhaltungen in den vollen Wartezimmern von Nagelstudios eben sein können. Sie geben mehr Wirklichkeit her als Bücher von Frauen, die glauben, Schreiben sei gut für die schlanke Linie. Ums Dicksein geht es hier in keiner Zeile.

Sie sei nun sehr stolz auf ihr Buch, sagt Pamela, sie sei damit sogar auf Tour gegangen, habe Autogrammstunden gegeben und könne vielleicht Menschen zum Lesen bringen, die sonst kein Buch anfassen. In London hat sie das dem TV-Interviewer Steve Jones erzählt, und der fragte animiert, ob Pamela ihm zeigen könne, wie man richtig küsst. Sie lächelte: "Vielleicht, wenn du nach diesem Interview in mein Hotelzimmer kommst."

Jochen Siemens print

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