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Peter Maffay: Seelen-Striptease eines Vollblut-Rockers

80 Zigaretten und zwei Flaschen Whiskey pro Tag - sein Image als harter Kerl hat sich Rockstar Peter Maffay hart erarbeitet. Mittlerweile hat der bald 60-Jährige seinen Rock'n'Roll-Lifestyle abgelegt und kümmert sich auch um soziale Projekte. Seine Lebensbilanz gibt es jetzt als Buch.

Er hat sich beschimpfen lassen müssen für sein Schlagersänger-Image, er hat gekämpft, um als Rocker wahrgenommen zu werden und ganz nach oben zu kommen - und dabei ist es Peter Maffay alles andere als immer bestens gegangen. Auf der Bühne kommt er als der gute Kumpel rüber, der Ehrliche, der noch "echte Rockmusik" macht. Wie es dahinter aussieht, und wie es sich anfühlt, als Vorgruppe der Rolling Stones mit Tomaten beworfen zu werden, das erzählt die neue Maffay-Biografie "Auf dem Weg zu mir". "Ich denke, so ein Buch ist schon ein bisschen Striptease", sagt Maffay am Donnerstag bei der Präsentation in München.

Am 30. August wird Maffay 60 Jahre alt. Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne. Ein guter Zeitpunkt, zurückzuschauen, erklärt er im Gespräch mit TV-Moderator Reinhold Beckmann. Warum hat er seine Karriere Anfang der 70er Jahre überhaupt als Schlagersänger begonnen, mit dem Hit "Du", fragt Beckmann. "Schallplattenverträge lagen nicht wie Sand am Meer", gesteht er."Ich habe mich sehr gesehnt nach dem Einstieg in dieses Geschäft."

80 Zigaretten und zwei Flaschen Whiskey pro Tag

Spätestens, als er und seine Musiker 1982 als Vorgruppe der Rolling Stones für Lieder, die Worte wie "Schaukelpferd" enthielten, mit Obst und Gemüse von der Bühne gejagt wurden, war ihm klar, dass er etwas ändern wollte. "Ich bin heute sehr dankbar für diese Tomaten, die dort geflogen sind." Mit 80 Zigaretten und zwei Flaschen Whisky am Tag hatte er das echte Rockerleben bald intus. Erst die Diagnose Lungenkrebs brachte ihn dazu, auf seine Gesundheit zu achten, berichtet er. Heute spielt er immer noch Rock, seine Texte sind deutsch geblieben.

Den Ehrgeiz hat er zu einem guten Teil von seinen Eltern geerbt, die 1963 aus dem rumänischen Siebenbürgen nach Waldkraiburg in Bayern kamen, sagt Maffay. Beinahe wäre er allerdings gar nicht in Deutschland gelandet, seine Karriere ganz anders verlaufen: Seine Eltern wollten ursprünglich in die USA ausreisen, wo die Großeltern bereits lebten. Doch die Einwanderungsbehörden entschieden anders - Deutschlands bekam einen seiner später einmal erfolgreichsten Musiker.

Biografie im Illustrierten-Stil

Vieles in der Biografie mit dem Titel "Auf dem Weg zu mir" dürfte eingefleischten Fans bekannt sein, die Stationen seiner Arbeit zum Beispiel und die Kollegen, die ihn zum Teil über Jahre begleiteten. Anderes ist völlig neu. Geschrieben hat das Buch Maffays langjähriger Freund, der Journalist Edmund Hartsch. "Wir ticken sehr ähnlich", sagt Maffay. Mit oft sehr persönlichen Texten von Maffay selbst, die immer wieder eingestreut sind, ist das Buch nicht wie eine klassische Biografie gestaltet, sondern sieht eher aus wie eine Illustrierte mit kurzen Texten und vielen Bildern. Hartsch schreibt aber durchaus kritisch und spart unangenehme Karrieremomente nicht aus. Und Maffay wiederum gesteht private Fehltritte ein.

Mit seinen "Tabaluga"-Platten und -Musicals, seinen Hits "So bist Du", seiner Version des Karat-Songs "Über sieben Brücken musst du gehen" und seinen neuesten Platten ist Maffay bis heute bekannt. Jüngeres Publikum kennt ihn vor allem wegen seines sozialen Engagements. Dennoch fühlt er sich manchmal gehetzt von der Pflicht zum Erfolg.

"Das Publikum will Sieger sehen", schreibt er in einem seiner Texte für die Biografie. Und selbstkritisch gesteht er, was ihn auch in den kommenden Jahren vermutlich immer wieder zu Höchstleistungen antreiben wird: "Ich will nie wieder zurück in die Enge, aus der ich gekommen bin, und treibe mich und andere an, damit das hoffentlich nicht passiert. Vermutlich bin ich auch deshalb für mein Umfeld manchmal unausstehlich, ungerecht und wahrscheinlich noch einiges mehr."

Britta Gürke/DPA / DPA