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Playboy Rolf Eden: Gershwin und Sekt, dann ins Bett

Auch mit 76 Jahren noch gibt sich Rolf Eden gern als Playboy: Seine Affären hat er durchnummeriert, feiert jede Nacht heiße Partys und verspricht der Frau, in deren Armen er stirbt, 250.000 Euro. Kein Wunder - er gilt als Erfinder des "Abschleppens".

Seine aktuellen Frauen hat er von 1 bis 7 durchnummeriert. Über horizontale Eroberungen führt er Buch, für den Überblick. Und damit ihm keine ein Kind anhängen kann. Dazu vergibt Rolf Eden je nach Pläsier Sterne, fünf sind die Höchstnote. Neben Gunter Sachs ist Eden Deutschlands bekanntester Playboy - und als solcher auch mit 76 Jahren noch nicht im Ruhestand, darauf legt er Wert. Das Image will gepflegt werden; bloß nicht wie ein tatteriger Lustgreis wirken. Hausbesuche führen bis ins Eden'sche Schlafzimmer, wo er bereitwillig den riesigen Spiegel über dem Bett zeigt.

Kreislaufkollaps nach Party in Südfrankreich

Beim Interview in seiner Villa in Berlin-Dahlem sitzt der Hausherr - immer noch blond, gebräunt und mit weißem Versace-Anzug, Einstecktuch und Lederslippern - eingerahmt von Janina und Katherina (27, 24) auf dem wild gemusterten, mit Troddeln verzierten Sofa. Abwechselnd spielt er mit dem Kaminbesteck oder den Knien seiner "Assistentinnen", wie er die beiden Blondinen nennt. Im Sommer hatte Eden nach einer Party in Südfrankreich einen Kreislaufkollaps. Davon hat er sich erholt, erzählt er.

Nachtaktiv ist der 76-Jährige noch immer, vor 10 Uhr steht er nicht auf. "Ich gehe jede Nacht aus, ich bin ja überall eingeladen." Diesmal war die Dame laut Eden 22. Und hat offensichtlich geschnarcht, so dass das Gästebett benutzt aussieht.

Rolf Eden gilt als Erfinder des Begriffs "Abschleppen" und hält sich offensichtlich für Gottes Geschenk ans andere Geschlecht. Wenn ihm eine Frau gefällt, macht er einen Scherz oder drückt ihr einfach heimlich seine Visitenkarte in die Hand. Bei Bedarf klimpert er Gershwin auf dem Klavier oder versorgt seine Eroberungen an der Hausbar mit halbtrockenem Sekt der Marke "Rolf Eden".

"Damen dürfen bestimmen, so lange sie machen, was ich will

Die Regale sind mit Nippes, die Wände mit Fotos und Kunstwerken unterschiedlicher Qualität gepflastert. Darauf sind zu sehen: Eden, Eden und Eden. Außerdem viele Frauen und Kinder. Eden kokettiert mit seinen Damen: "Die dürfen alles bei mir bestimmen, so lange sie das machen, was ich will."

Auf der Fensterbank im Wohnzimmer steht ein Dutzend Aktenordner mit PR und Zeitungsausschnitten. Darauf ist Eden fast so stolz wie auf seine Affären, die er je nach Tageslaune auf 1000 bis 3000 beziffert. "Ich habe sie nie mitgezählt, ich habe auch nie gesagt, dass es immer neue waren." Sieben Kinder und fünf Enkel hat er von sieben Frauen. "Ich belästige nie eine zwei Mal." Eden lächelt wie ein Raubtier und verschränkt die Arme vor dem kleinen Bäuchlein. Drei Mal hat er sich liften lassen. Um fit zu bleiben, duscht er morgens kalt und macht anschließend Liegestütze. Seinen Damen spendiert er manchmal eine neue Nase oder einen neuen Busen.

Inbegriff des Verruchten und Spießerschreck

Der Liebling der Boulevardpresse geht mit der Zeit. Mittwochs ist er zum Beispiel oft im Club "Felix" im Hotel Adlon, dem Treffpunkt der Reichen, Schönen und deutlich Jüngeren. Während sich heute die Szenegänger eher im Osten der Stadt vergnügen, gehört Eden zu Westberlin wie Harald Juhnke und die Gedächtniskirche. In den 50er Jahren öffnete er seinen ersten Club, weitere folgten. Damals - als die Zeitungen noch nicht einmal das Wort "Striptease" schreiben wollten - war der Discobesitzer mit seinen Läden der Inbegriff des Verruchten und ein Spießerschreck. Einmal ließ sich eine Tänzerin in einem Eden-Lokal von einem Pferd die Textilien vom Leib ziehen.

Heute sind die Clubs längst geschlossen, auch das "Big Eden" am Kurfürstendamm ist verkauft. Der Playboy lebt von seinen Immobilien, in Berlin besitzt er nach Eigenauskunft 20 Häuser. Nach Jetset sieht sein Lebensstil aber nicht aus, sein Pool hat eher Plantschbecken- Format. Morgens schaut er im Internet nach den Börsenkursen, im Kaffeehaus beim Frühstück freut er sich, wenn er es mal wieder in die Zeitung geschafft hat. "Wir haben 80 Millionen Menschen in Deutschland - und über wen redet man? Über Bohlen, Frau Merkel und Monsieur Eden."

Wenn es einmal ruhiger wird um ihn, setzt er noch einen drauf: 250.000 Euro gibt es für die Frau, "auf der ich sterbe". Umbringen gilt nicht, steht im Testament. Seitdem sein Letzter Wille bekannt ist, sei das Interesse deutlich gestiegen, erzählt Eden. "Nur mein Herz ist so gut, ich glaube, die Damen haben null Chancen."

Caroline Brock/DPA / DPA