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Popstar wird Vater: Elton John und die "Gebärmaschinen"

Die Welt diskutiert über Elton John, sein Kind - und die Leihmutterschaft an sich. Ist sie moralisch vertretbar? Sollten Homosexuelle Eltern werden? Wäre eine Adoption nicht besser?

Von Sophie Albers

Vielleicht war es ja eine Trotzreaktion. Elton John, einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Popmusiker unserer Zeit, wollte 2009 in einem ukrainischen Kinderheim für HIV-positive Waisen einen kleinen Jungen adoptieren. Der ukrainische Familienminister ließ ihn aber nicht. Elton John sei erstens zu alt, und zweitens werde eine homosexuelle Partnerschaft nicht für die Elternrolle akzeptiert.

Am 25. Dezember 2010 haben der 62-jährige Elton John und sein 48-jähriger Mann David Furnish nun ein eigenes Kind bekommen. Eine Leihmutter in Kalifornien brachte am Weihnachtsmorgen den 3,6 Kilo schweren und knapp 56 Zentimeter großen Zachary Jackson Levon Furnish-John zur Welt. Welcher der Väter der biologische Erzeuger ist, ist noch geheim.

Diese Geschichte enthält alles, was Otto Normalverbraucher aufregt: gleichgeschlechtliche Liebe, Tabus des Alters, Leihmütter und Geld. Viel Geld, schließlich gehört Elton John mit gut 215 Millionen Euro Vermögen zu den Schwergewichten unter den reichen Musikern. Ob und wieviel Geld die Leihmutter für ihren Neun-Monats-Job bekommen hat, ist nicht bekannt und soll auch unbekannt bleiben, so die glücklichen Eltern. Unwahrscheinlich ist es natürlich nicht.

Frau als Gebärmaschine?

Auch wenn Homosexualität und Leihmutterschaft mittlerweile zum alltäglichen Klatsch-und-Tratsch-Rauschen gehören - auch Sarah Jessica Parker, Dennis Quaid und Ricky Martin haben austragen lassen -, sorgt Elton Johns spätes Vaterglück für mitunter heftige Reaktionen: Neben der Wiederholung der Bedenken des ukrainischen Familienministers (zu alt und schwul) erregt die Leihmutterschaft die Gemüter: die Interpretation, dass Frauen gegen Geld ein Kind austragen. Das sei "pervers", Frauen würden zu "Gebärmaschinen", das Kind zur "Ware", schreiben Leser auf der Facebook-Seite von stern.de. Kaum ein Thema wurde dort so stark diskutiert wie die Causa Elton-John-Nachwuchs.

Zumindest die sexuelle Orientierung betreffend kann man dem ukrainischen Familienminister gleich den Wind aus den Segeln nehmen: Laut einer Studie der Universität Bamberg erleiden Kinder mit homosexuellen Eltern keine Nachteile im Vergleich zu Heranwachsenden aus klassischen Familien. Die Untersuchung wurde im vergangenen Jahr vorgestellt und stellte unter anderem fest, dass es in Deutschland laut Schätzungen mittlerweile mehr als 12.000 Heranwachsende in sogenannten Regenbogenfamilien gebe. Davon wüchsen etwa 2200 Kinder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft auf, wie sie seit 2001 möglich ist.

"Säuferpappa und Druffimama"

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Hierzulande gilt die härteste Regelung überhaupt. Begründung: Das Kind würde durch Leihmutterschaft zur Ware - ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Neben dem Embryonenschutzgesetz gilt Paragraph 1591 des BGB: "Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat." Allerdings führt das dazu, dass Menschen, die ihr Glück im Uterus einer fremden Frau sehen, auf das Ausland ausweichen. Unter anderem in den USA, in Griechenland, den Niederlanden und Israel sind Leihmutterschaften erlaubt. Da ist es nur noch eine Frage des Willens und der Organisation.

Bleibt das Alter. Die Frage "Was bringt eine späte Vaterschaft, wenn der Erzeuger zu schwach ist, seine Frucht zu halten?", ist in der Argumentation über künstliche Befruchtung oder auch Leihmutterschaft beliebt. Ein stern.de-Leser stellt dem eine andere Frage gegenüber: "Und wie isses mit Säuferpapa, Druffimama, Schlägerpapa, Abhaumama?" In der "Huffington Post" bringt es ein Kommentator anders auf den Punkt: "Alles, worauf es ankommt, ist, ob sie ein Kind lieben und ihm ein gutes Zuhause geben können". Amen.