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Porträt: Die ewige Monarchin

Bereits in frühen Jahren wurde die damalige Prinzessin Elizabeth in die Pflicht genommen. Im Alter von 25 Jahren bestieg sie den britischen Thron. Königin Elizabeth II. kann an ihrem 80.Geburtstag ein ereignisreiches Leben Revue passieren lassen.

Schon als sie durch den frühen Tod ihres Vaters, George VI., im Alter von 25 Jahren über Nacht von einer Prinzessin zur Königin wurde, war für Elizabeth II. klar, dass sie eine Aufgabe fürs Leben angetreten hatte. "Sie saß aufrecht an ihrem Schreibtisch und akzeptierte ihr Schicksal sofort. Ihre Gefühle blieben tief verborgen", berichtete ein Höfling, der die Prinzessin im Februar 1952 auf einer Safari in der damaligen Kolonie Kenia begleitet hatte. Wenn die Queen am 21. April ihren 80. Geburtstag feiert, ist sie 54 Jahre auf dem Thron - das sind zwei Drittel ihres Lebens. Und der Ruhestand ist noch lange nicht in Sicht.

Lastwagenfahrerin im Krieg

Die Wende im Leben von Elizabeth Alexandra Mary Windsor hatte sich schon Jahre zuvor angekündigt. Die Abdankung ihres Onkels Edward VIII. wegen seiner Liebe zur geschiedenen US-Bürgerin Wallis Simpson 1936 hatte zur Folge, dass ihre Eltern, König George VI. und Elizabeth, die 2002 gestorbene "Queen Mum", schon 1937 und viel früher als geplant gekrönt wurden. "Wenn unser Vater König wird, wirst Du dann einmal Queen?", fragte damals Prinzessin Margaret ihre um vier Jahre ältere Schwester. "Ja, ich glaube schon", gab Elizabeth zurück. "Du armes Ding", soll Margaret kommentiert haben. "Elizabeth war ernst und verantwortungsvoll, Margaret extrovertiert und frech", heißt es in einer Biografie über die Königstöchter.

Maßgeblich geformt wurde Elizabeth aber nicht nur durch den frühen Tod ihres geliebten Vaters, sondern auch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Erinnerungen an deutsche Bombenangriffe, vor denen die Königsfamilie häufig in die Kellergewölbe von Schloss Windsor floh, blieben haften. Weil sie "ihren Beitrag zur Landesverteidigung" leisten wollte, trat Elizabeth noch im April 1945 als Lastwagenfahrerin in die freiwilligen militärischen Hilfsdienste ein. Danach brachen glücklichere Zeiten an. Elizabeth und der schneidige Marineleutnant Prinz Philip, in den die Prinzessin sich schon im zarten Alter von 13 Jahren verliebt haben soll, heirateten im November 1947 im Westminster Abbey.

Churchill war eine Vaterfigur für die Queen

Während ihrer Zeit als britisches Staatsoberhaupt hat die Queen zehn Premierminister - von Churchill bis Blair - in ihr Amt eingeführt. Obwohl sie sich während der wöchentlichen Audienzen mit den Regierungschefs gemäß ihrer als "politisch neutral" definierten Rolle meist aufs Zuhören beschränkt, hatte die Queen sehr wohl ihre persönlichen Vorlieben und Abneigungen. Churchill war und blieb für sie eine Vaterfigur, mit Margaret Thatcher gab es "Persönlichkeitskonflikte", und mit Blair, ihrem "jüngsten Premier", soll das Verhältnis außerordentlich harmonisch sein.

In der 1000-jährigen Geschichte der britischen Monarchie hält Königin Elizabeth bei der Anzahl der "Dienstjahre" den vierten Rang. Nur Königin Victoria, die 64 Jahre herrschte, George III. und Henry III. saßen länger auf dem Thron. Die Queen als Herrscherin ist daher zugleich auch Zeitzeugin von so umwälzenden historischen Ereignissen wie dem Untergang des britischen Empire, der Gründung der Europäischen Union, dem Fall der Berliner Mauer und des Kommunismus in ganz Osteuropa.

Alle Krisen überstanden

Diese Rolle, gepaart mit einem unerschütterlichen Verständnis von Tradition, Disziplin und Pflichtgefühl, sowie ein fester Glaube, Moral, eine unerschütterliche Haltung und Humor haben der Queen nach Ansicht von Kennern dabei geholfen, auch die tiefen Krisen in ihrem persönlichen Leben zu meistern. Angefangen von dem absichtlichen Treppensturz der damals schwangeren Prinzessin Diana auf Schloss Sandringham zu Weihnachten 1981, bis hin zur Scheidung der Ehen von drei ihrer vier Kinder Mitte der 90er Jahre, hatten die Krisen und Skandale nicht aufgehört. Das Jahr 1992, den Höhepunkt der Krisenserie, erklärte die Queen zu ihrem Schreckensjahr.

Nur einmal, beim Tod von Diana im August 1997, geriet die Queen selbst in die Schusslinie der Kritik. Damals waren 72 Prozent der Bevölkerung der Meinung, sie habe angesichts der großen Volkstrauer nicht genügend Gefühl gezeigt. Schnell - und mit Hilfe von Blair - griff sie zur Schadensbegrenzung, hisste die Trauerflagge auf dem Buckingham-Palast und ordnete ein Staatsbegräbnis für die schwierige Schwiegertochter an. Tränen in der Öffentlichkeit wurden bei der Queen allerdings erstmals fünf Jahre später, nach dem Tod ihrer Mutter im März 2002, gesehen. Nur einen Monat zuvor war Prinzessin Margaret gestorben. In demselben Jahr, dem "Goldenen Thronjubiläum", feierten Millionen von Briten auf den Straßen wieder ihre Queen.

"Lang lebe die Königin."

"Das Beruhigende an der Queen ist, dass sie sich scheinbar überhaupt nicht verändert", sagte Hofkenner Alexander Chancellor in diesen Tagen. Die "unnahbare Würde", mit der die Königin ihrer Rolle nachgehe, vermittele einerseits den Eindruck der Beständigkeit, bedeutete aber zugleich auch, "dass niemand weiß, was sie wirklich denkt". Und das sei wahrscheinlich auch das Geheimnis ihres Erfolgs.

Dass es mit dieser Art von Stabilität eines Tages ein Ende haben wird, wissen nicht nur die 30 Prozent der Briten, die sich eine Republik wünschen. Charles hat schon deutlich durchblicken lassen, dass er sich als König auch politisch einmischen will. Wenn die Queen einmal abtritt - mit höchster Wahrscheinlichkeit erst durch Krankheit oder Tod - wird sich Großbritannien der "schon lange überfälligen Verfassungskrise stellen müssen", sagte Chancellor, und fügte hinzu: "Lang lebe die Königin."

Anna Tomforde/DPA / DPA