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PORTRÄT: Ein Leben zwischen Verzicht und Rebellion

Prinzessin Margaret, die am Samstag im Alter von 71 Jahren gestorben ist, galt lange als der heimliche Star des britischen Königshauses.

Prinzessin Margaret, die am Samstag im Alter von 71 Jahren gestorben ist, galt lange als der heimliche Star des britischen Königshauses. Schon bevor das Haus Windsor in den 90er Jahren von Eheskandalen der nachfolgenden Generation erschüttert wurde, hatte Margaret mit Affären und Scheidung für Sprengstoff gesorgt. Ihr Leben war von Rebellion, Enttäuschung und Verzicht gekennzeichnet.

Die jüngere Schwester der Queen war dennoch für viele eine Bilderbuch-Prinzessin, deren tief unglückliche Liebschaften die Herzen von Millionen rührten. Andere sahen in ihr eine Schauspielerin, die zeitlebens die Unglückliche mimte, weil sie die große Liebe ihres Lebens nicht bekam.

Durch ihre Romanze mit dem Fliegeroffizier Peter Townsend geriet die am 21. August 1930 geborene Prinzessin Anfang der 50er Jahre in die Schlagzeilen. Sie hatte sich unsterblich in den Adjutanten ihres Vaters, des Königs Georg VI., verliebt und wollte den geschiedenen Familienvater heiraten. Doch auf Drängen von Königsfamilie, anglikanischer Kirche und Establishment entschied sich Margaret im Oktober 1955 zum Verzicht. Sie begründete ihre Entscheidung mit dem kirchlichen Gebot von der Unauflösbarkeit der Ehe. »Margaret wusste, dass sie alle königlichen Privilegien verlieren würde und möglicherweise im Ausland leben müsste - das wollte sie nicht aufgeben«, sagte Giles Townsend, Sohn des einstigen Geliebten, Jahre später.

Ein Leben voller Partys

Als die Prinzessin im Mai 1960 in der Westminster-Abtei den bürgerlichen Fotografen Antony Armstrong-Jones (später Lord Snowdon) heiratete, wurde dies von vielen als eine Trotzreaktion interpretiert. Aus der Ehe gingen zwei Kinder, David und Sarah, hervor. Aber schon acht Jahre später kriselte es, im Mai 1978 wurde die Verbindung offiziell geschieden, nachdem beide Partner schon lange ihre eigenen Wege gegangen waren.

Margaret stürzte sich in ein Leben voller Partys. Ihr mehrjähriges Verhältnis zu einem 17 Jahre jüngeren Playboy brachte ihr viel öffentliche Kritik ein. Auch der Schauspieler Peter Sellers zählte zu den Männern in ihrem Leben. Ein Labour-Abgeordneter titulierte Margaret einmal als »königliches Flittchen«. Für die »Times« war sie eine »verfehlte Schauspielerin«.

In ihrem Ferienhaus auf der Karibik-Insel Mustique feierte Margaret, deren Whisky- und Zigarettenkonsum legendär war, wilde Partys. Die hübsche Königsschwester, so schrieb die »Times«, verlangte dabei von ihren Freunden »immer Respekt und manchmal sogar Unterwürfigkeit, die sie als Schwester der Queen für sich in Anspruch nahm«. Wegen ihres »mitunter herrischen Wesens« war sie nicht immer wohlgelitten, berichteten Freunde. Ein anonym gebliebener Kenner bezeichnete sie gar als »ausgesprochen giftig und absichtlich böse«.

Die Enttäuschungen der Liebe, das Jet-Set-Leben, Alkohol und Nikotin hinterließen ihre Spuren. Berichte über Gesundheitsprobleme traten an die Stelle von Skandalnachrichten. Im Januar 1985 wurde Margaret nach Krebsverdacht der linke Lungenflügel entfernt. Sieben Jahre später erkrankte sie an einer Lungenentzündung. Im Februar 1998 folgte der erste von mehreren Schlaganfällen - im Alter von 67 Jahren. Ein Jahr später verbrühte sich die Prinzessin in der Badewanne beide Füße. Die Verletzungen - und ihre nur langsame Genesung - sollen der Prinzessin seelisch und körperlich sehr zugesetzt haben. Zuletzt war sie blind und erschien in der Öffentlichkeit nur noch im Rollstuhl und mit einer schwarzen Brille.

»Die Zeit und das Leben haben Prinzessin Margaret nicht gut behandelt«, konstatierte die »Times«. »Hätte man ihr vor 40 Jahren erlaubt, die Liebe ihres Lebens zu heiraten, wäre sie eine glücklichere und vielleicht eine gesündere Frau gewesen.«

Anna Tomforde, dpa

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