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Prozess gegen Ernst August: De Prinz kütt!

Dieser Prozess ist ihm wichtig: Lange Jahre hat Prinz Ernst August von Hannover um die Wiederaufnahme des Verfahrens wegen Körperverletzung gekämpft. Kein Wunder, dass er zum Auftakt persönlich vor dem Landgericht Hildesheim erscheint. Schließlich geht es um das Wertvollste, was er besitzt: seine Reputation.

Prinz Ernst August lächelt. Höflich wirkt er, gelassen, sein Anwalt wispert mit ihm auf Englisch. Zehn Minuten zu früh ist der Chef des ältesten europäischen Adelshauses am Montagmorgen durch einen Nebeneingang im Gerichtssaal in Hildesheim erschienen. Ein Absperrband trennt die Bank des Angeklagten vom Medientross, vor ihm rangeln die Fotografen um den besten Platz, zwei Leibwächter des Prinzen gucken grimmig. Ernst August steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht - und zwar aus freien Stücken: Der Prozess wegen seiner neun Jahre alten Attacke auf einen Discobesitzer in Kenia wird auf Betreiben des Adligen hin erneut aufgerollt. Zum ersten Mal ist der Prinz selber bei einem Gerichtsprozess gegen ihn anwesend. Bisher hatten Verfahren stets in seiner Abwesenheit stattgefunden.

Entlastung durch neue Zeugenaussagen?

Der 55 Jahre alte Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco hofft, dass neue Zeugenaussagen ihn entlasten. "Erstrebt wird eine mildere Strafe", sagte sein Anwalt Hans Wolfgang Euler zu Prozessbeginn. 2004 war der Adlige vom Landgericht Hannover wegen des Vorfalls zu 445 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte sich nur deswegen darauf eingelassen, das Verfahren wieder aufzurollen, weil neue Zeugenaussagen aufgetaucht sind, die die Version des Prinzen stützen. So soll das Opfer seine schweren Verletzungen teilweise nur simuliert werden.

Der Prinz äußerte sich am Montag nicht selber zu den Vorwürfen, sein Anwalt verlas aber eine 17-seitige Erklärung in seinem Namen. Darin erklärte Ernst August erneut, er habe dem Discobesitzer mit den Worten "One for the music and one for the light" lediglich zwei Ohrfeigen verpasst. Grund dafür sei sein Ärger über den Lärm von Brunlehners Disco gewesen. Der Anwalt des Prinzen betonte, eine Attacke mit einem Schlagring habe es nie gegeben.

Das Opfer, der Discobesitzer Josef Brunlehner, hielt dagegen an seiner Darstellung fest, schwer verletzt worden zu sein. Brunlehner zeigte sich vor Prozessbeginn überzeugt, dass die Verurteilung gegen Ernst August Bestand haben wird. "Ich habe meine Aussage nicht zu ändern", erklärte er und verteilte im Gerichtssaal Visitenkarten seines Hotels in Kenia.

Der Vorsitzende Richter machte zu Beginn klar: "Diesen Vorfall nach über neun Jahren aufzuklären, ist eine sehr, sehr schwierige Aufgabe." Die Darstellungen beider Parteien lägen weit auseinander. Dann warb der Richter dennoch um eine Verfahrensbeschleunigung und bot eine Einstellung des Verfahrens gegen eine erhebliche Geldbuße an. "Muss es zu einer so monströsen Beweisaufnahme kommen?", fragte er. Der Anwalt des Prinzen zeigte sich diesem Angebot allerdings nicht zugeneigt.

Schwere Vorwürfe gegen ehemaligen Anwalt

In der Erklärung des Welfen machte dieser seinem früheren Anwalt schwere Vorwürfe. Mit ihm liegt der Adlige inzwischen in einem heftigen Rechtsstreit. Unter anderem wirft er ihm vor, im ursprünglichen Verfahren ein nicht autorisiertes Geständnis in seinem Namen abgelegt zu haben.

In seiner Erklärung räumte der Prinz ein, es seien damals Fehler gemacht worden. "Es gab eine ganze Reihe von Personen in meiner Umgebung, die mir nicht glaubten." Für den Prozess sind nun zehn Verhandlungstage angesetzt, auch Prinzessin Caroline könnte nach bisherigen Planungen am 23. Juli als Zeugin vernommen werden. Am Montag war Ernst Augusts Auftritt vor Gericht nach zwei Stunden beendet. Um kurz nach 12 Uhr wurde das Verfahren auf Dienstag vertagt. Dann soll das Opfer aussagen. Der Prinz muss nicht mehr erscheinen.

DPA / DPA