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Reese Witherspoon in "Wild": Scheiße aussehen muss man wollen

Mit dem Film "Wild" versucht Reese Witherspoon, ihr Image als Hollywoods Leinwand-Liebchen loszuwerden. Warum es ihr trotz harter Szenen nicht gelingt, erklärt stern-Autor Jochen Siemens.

Von Jochen Siemens

Ich saß einmal neben ihr. Viele Jahre her in Santa Monica am Strand. Es wurde irgendein alternativer Filmpreis vergeben. Brad Pitt war da, Michael Moore gab wütende Interviews über seine wütenden Filme und ich setzte mich mit einem Kaffee neben ein blondes Mädchen in einem teuren schwarzen Kleid auf einer Bank und schaute zu. Es kam immer mal wieder jemand vorbei - Reporter, Fernsehteams - und sprachen mit ihr, aber es dauerte ein wenig, bis ich kapierte, dass sie Reese Witherspoon war. In den Kinos lief zu der Zeit "Natürlich blond 2" - eine eben sehr blonde Teenagerkomödie - und sie sah genauso aus wie auf der Leinwand. Wie ein blondes Popcake, immer lachend, immer die Augen aufreißend, immer "so great" sagend, wenn jemand mit ihr sprach.

Wenn niemand mit ihr sprach, konnte sie das alles abstellen, das Lachen und das Jubeln und schaute denen zu, die weniger berühmt waren als sie, aber ernster genommen wurden. Brad Pitt, Michael Moore oder Diane Keaton. Dann war ihr Mund schmal, der Unterkiefer schob sich vor und sie sprach mit einer gar nicht blonden Stimme.

Später erfuhr ich, dass sie schon in der Schule mehr Bücher gelesen hatte, als alle ihr Mitschüler und dass sie bis heute vier pro Woche schafft. Aber irgendwie sah man das ihren Filmen nicht an, sie spielte eigentlich immer das natürlich blonde Mädchen. Oder musste es spielen. Ich habe mir das nie angesehen. Reese Witherspoon, ehrlich gesagt, interessierte mich nicht.

Jetzt habe ich sie wiedergesehen. Vor ein paar Tagen im Kino, ich hatte wieder einen Kaffee in der Hand und sie war auf der Leinwand. "Wild" heißt der Film und sie sieht darin meistens so aus wie damals am Strand in den Momenten, wenn niemand mit ihr sprach. Nicht lachend, den Unterkiefer nach vorne gedrückt, die Lippen schmal.

Der Versuch zu zeigen, dass sie mehr kann

Sie ist zwar immer noch blond, aber der Film alles andere als das. Man kann kaum lachen, höchstens ein paar Mal schmunzeln, wenn Reese Witherspoon allein in der steinigen Wüste, durch die sie wandert, ein wenig schief geht und sie drei Tage kalten Brei aus Trockennahrung löffelt, weil ihr Kocher nicht funktioniert. Und die Kamera kurz zeigt, was man hinterlässt, wenn der Darm nur kalten Brei kennt.

Irgendwann tun einem beim Zusehen dann auch die Schultern weh, weil Witherspoon einen absurd zu großen und schweren Rucksack wie einen Zementklotz schleppt und rote Wunden an den Schultern hat. Oder man streckt kurz die eigenen Zehen in seinen bequemen Schuhen, wenn man mit ansieht, wie ihre Zehen wund und geschwollen sind und sie sich einen blutigen Nagel herausreißt. In Großaufnahme "Uhhh" stöhnen die Frauen im Kino. Es sind viele Frauen.

Aber das ist nur die Handlung, die Geschichte einer 1000 Meilen Wanderung von Mexiko bis nach Kanada über den Pacifik Crest Trail, eine Art horizontaler Mount Everest für Wanderer. Wüste, Berge, Schnee, Schlangen, Hitze, alles dabei. Und fast immer allein. Viele machen das, weil sie ein Abenteuer suchen. Andere um - und jetzt kommt's - sich selbst zu suchen und in der Extreme das Chaos in sich selbst aufzuräumen.

Und hier kommt der Sinn von "Wild", aber auch der einer älter gewordenen Reese Witherspoon. Denn es ist nicht nur die Verfilmung der Lebensgeschichte der Autorin Cheryl Strayed, deren Buch wochenlang auf den US-Bestsellerlisten war und während eines Fluges von Reese Witherspoon verschlungen wurde - "am Ende schwamm ich in Tränen", wie sie sagt.

Es ist mehr. Es ist der Stoff, aus dem sie mit ihrer eigenen Produktionsfirma einen Film mit sich selbst in der Hauptrolle machen wollte. Es ist der Stoff, der Welt zu zeigen, dass sie mehr kann, als nur die blonde, lustige Witherspoon zu sein.

Sie wollte die Sex-Szenen

Denn Cheryl Strayeds Lebensgeschichte ist nicht nur die einer Wanderung, sondern die einer Flucht zu sich selbst. Aufgewachsen in den typischen Kleine-Leute-Verhältnissen Amerikas, mit einem Vater, der säuft und seine Frau verprügelt, verliert Strayed ihre Mutter, als diese an Krebs stirbt. Die Tochter taumelt, schläft wahllos mit Männern, wird drogensüchtig, heiratet, geht weiter fremd, treibt ein Kind ab und lässt sich wieder scheiden – eine dieser typischen Mülleimer-Biografien mit denen die Trailerparks der USA voll sind. Doch dann sieht sie einen Ausweg: Die Wanderung.

Der Film erzählt das in schnellen Rückblicken. Oft kurz, dreckig und ohne Schuld zu verschieben. Es war halt so in ihrem Leben und man muss Extremes tun. Nicht, um sich zu reinigen, sondern um damit umgehen zu können. So, wie man einsam in den Bergen mit Wenigem umgehen muss.

Und so es war auch Witherspoons Entdeckung, "Wild" zu drehen. Es war für das frühere Leinwand-Liebchen ihre 1000-Meilen-Wanderung fort von ihrem Image. So ist bei anderen Schauspielerinnen keine große Nachricht, wenn sie vor der Kamera mal nackt herumlaufen, Drogen nehmen oder in Hinterhöfen herumvögeln. Bei Witherspoon ist es eine Nachricht. Und was für eine. Aber sie wollte das, genau das.

Sie hat sich für den Film selbst in die Hauptrolle gecastet. Sie war erschrocken, als ihr die Autorin vorführte, wie man Heroin spritzt und ja, sie wollte die Sex-Szenen - auch wenn sie sekundenkurz sind. Dennoch war ihre Angst davor so groß, dass sich Witherspoon vorher hypnotisieren ließ. "Ich wollte einfach, dass alles echt aussieht" sagte sie später, was einige Boulevard-Blätter zu der Nachricht hochfeuerten, Witherspoon habe es wirklich vor der Kamera gemacht.

Nein, hat sie nicht, sie hat alles gespielt, sie kann das. Sie kann sich einen Burger belegen, dazwischen einmal sintflutartig für die Kamera weinen und sofort danach über den Senf zum Burger diskutieren, sagt "Wild"-Regisseur Jean-Marc Vallée.

Auch andere Schauspielerinnen scheiterten daran

Und hier sieht man ihr im Kino etwas zwiegespalten zu, weil man Witherspoons Anstrengung, ein dreckiges Mädchen zu spielen, spürt.

Und noch mehr spürt man, wie sie von der früheren Witherspoon davonlaufen will. Oder besser: So tut, als ob sie davonlaufen wolle. Das ist nicht neu, auch Schauspielerinnen wie Meg Ryan oder Sandra Bullock haben versucht, mit Sex-and-Crime-Auftritten den Zuckerstaub ihres Ruhmes zu vertreiben. Doch es blieb bei der Imitation. Und ein Publikum, das vielleicht besser weiß, wie es ist, mit saufenden Männern und Dosensuppen zu leben, spürt das.

Man merkt einfach bei jeder Szene von "Wild", dass Reese Witherspoon die 1000 Meilen nicht wirklich gelaufen und gelitten hat. Und dass die schattigen Augenringe, die zeigen sollen, dass sie am Heroin hängt, ein gutes Makeup sind, mehr nicht. Denn wirklich, sagen wir "scheiße" sieht sie nie aus. Scheiße aussehen muss man aber wollen, wenn das Leben, das man vorspielt, eben so ist.

Teuerste Hollywood-Besetzung - das war einmal

Man kann sich von seiner Biografie nicht völlig lösen, sie formt einen bis ins Gesicht hinein, auch das Gesicht einer Schauspielerinn. Witherspoons Leben war bisher wolkenlos - geboren in New Orleans, vier Jahre in Deutschland als Tochter eines US-Offziers und dann in Nashville aufgewachsen - ist sie ein Südstaaten-Kind. Sauber, happy, lustig, keine Kratzer am biografischen Lack. Mit bis zu 20 Millionen Dollar pro Film war sie einmal die teuerste Besetzung in Hollywood, aber das war eben einmal.

Sie erzählt selbst, wie sie in einer Zeitschrift eine Liste der Hollywood-Stars fand, deren Gipfel wohl vorüber sei und die bald keine großen Rollen mehr finden würden. Ihr Name war auch dabei. Das, sagt sie, hat sie wütend gemacht.

Aber "Wild" ist kein wütender Film. Irgendwann sitzt Reese Witherspoon auf ihrer Wanderung in einer Lodge mit einer anderen Wanderin. Beide schauen in den Sonnenuntergang und wärmen sich die Hände an ihren Teebechern. Kuschelig irgendwie.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.