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Schweden "Ich denke, wir sind gescheitert" – König Carl Gustav rechnet hart mit Coronapolitik seines Landes ab

Carl Gustav von Schweden im Interview mit dem Sender SVT
Carl Gustav von Schweden im Interview mit dem Sender SVT
© SVT
Harte Kritik des Königs: "Wir sind gescheitert", sagte Carl Gustav von Schweden in einer Fernsehsendung und rechnet mit dem Corona-Sonderweg seines Landes ab.

Vom schwedischen Weg war in den vergangenen Monaten viel die Rede. Lockdown-Gegner führten immer wieder die schwedische Variante zur Pandemie-Bekämpfung als Beispiel an. Doch in der zweiten Coronawelle scheint der Sonderweg versagt zu haben. Verglichen mit Deutschland steht Schweden - was die Anzahl der Covid-19-Fälle und Todeszahlen anbelangt - deutlich schlechter da. Das gestand jetzt auch der schwedische König ein.

"Ich denke, wir sind gescheitert", sagte Carl XVI. Gustav in einem Interview, das der schwedische Sender SVT am Donnerstag ausschnittsweise veröffentlichte. "Wir haben eine große Anzahl, die gestorben ist, und das ist schrecklich. Soviel Leid." Das Gespräch entstand im Rahmen der TV-Sendung "Das Jahr mit der Königsfamilie", die in der kommenden Woche ausgestrahlt wird und in der sich der 74-Jährige zu mehreren Themen äußerte.

Carl Gustav äußerte sich zur Coronapandemie ungewöhnlich persönlich und kritisch. Er selbst habe auch Angst, sich infizieren zu können. "Das Virus ist in der vergangenen Zeit immer näher gekommen", sagte er. Leid täten ihm vor allem Menschen, die nicht mehr von ihren Liebsten hätten Abschied nehmen können. Das sei eine "schwere und traumatische Erfahrung", sagte der Monarch in dem aufgezeichneten Interview.

König kritisiert ungewöhnlich deutlich

In Schweden sind mehr als 7.000 Menschen mit dem Coronavirus gestorben. Im Vergleich dazu beträgt die Zahl der Todesopfer in Norwegen 402. Gemessen an der Bevölkerungszahl – Schweden hat rund zehn Millionen Einwohner – hat das Land damit mehr Infektionen und Tote als Deutschland zu beklagen.

Anders als in Großbritannien darf sich der schwedische König auch in Tagespolitik einmischen und muss nicht neutral bleiben. Palastbeobachter stuften die deutliche Kritik Carl Gustavs an der schwedischen Regierung dennoch als sehr ungewöhnlich ein. Johan T. Lindwall, Chefredakteur der schwedischen Königsmagazins "Svensk Damtidning" sagte, die Kritik des Königs sei "eine riesiger Schlag gegen die derzeitige Regierung".

Quellen: Aftonbladet, SVT, DPA

mai

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