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Stanley Kubrick: Genie, Perfektionist und Fanatiker

Werden die Begriffe Pedant, Genie, Visionär und Fanatiker vermengt, so ergeben sie Stanley Kubrick. Vor genau 20 Jahren ist er verstorben.

Seinem strengen Blick entging nichts: Stanley Kubrick am Set von "Uhrwerk Orange"

Seinem strengen Blick entging nichts: Stanley Kubrick am Set von "Uhrwerk Orange"

Was wird als erstes mit dem Namen Stanley Kubrick (1928-1999) assoziiert? Sein bedeutungsschwangeres, zuweilen unerträglich langsam erzähltes Weltraum-Epos "2001: Odyssee im Weltraum"? Seine bitterböse, urkomische Kriegssatire "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben"? Oder der Monumentalschinken "Spartacus", mit dem er Kirk Douglas (102) zum berühmtesten Kinn der Welt machte? Doch wo Genie, da auch Wahnsinn. Davon kann Schauspielerin Shelley Duvall (69) noch heute ein Lied singen, die am Set von "The Shining" mehr Angst vor dem Regisseur hatte, als der Zuschauer vor dem Axt-schwingenden Jack Nicholson (81).

Keine Zeit zu verlieren

Im Leben und in der Kunst hatte es Kubrick zunächst eiliger als andere. Mit 19 war er das erste Mal, mit 30 bereits das dritte Mal verheiratet. Was wohl ganz gut zeigt, welche Faszination der Filmemacher ausstrahlte, wie schnell diese aber auch verglühte und es die Menschen nicht mehr mit ihm aushielten - und umgekehrt. Mit 25 dann der erste Film "Fear and Desire", sieben Jahre später der Durchbruch mit "Spartacus".

Ein Film, den er als "notwendiges Übel" bezeichnet haben soll, da er ihm Ruhm und somit die finanziellen Mittel für weitere Projekte einbrachte. Ihm aber angesichts seiner Ersatz-Rolle dennoch missfiel - Kubrick wurde als Nachfolger des entlassenen Anthony Mann (1906-1967) von Kirk Douglas höchstpersönlich auserkoren, hatte beim Drehbuch aber kaum etwas zu sagen. Dabei wollte er doch immer auf allen filmischen Hochzeiten tanzen.

Ein steter Begleiter

Dass Kubrick keine Skandale scheute, bewies er mit seinem nächsten Streifen, der Verfilmung von "Lolita". Dort sollte er eine bedeutsame Bekanntschaft machen: Peter Sellers (1925-1980). Von dem Schauspieler war Kubrick so begeistert, dass er ihm prompt vier Rollen für sein nächstes Projekt anbot, "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben". Am Ende waren es zwar nur drei Parts, jeder einzelne davon ging aber in die Filmgeschichte ein: "Mein Führer, ich kann wieder gehen!"

Mit seinem anschließenden Ausflug in den Weltraum räumte Kubrick dann die letzten Zweifel daran aus, sich in allen Genres austoben zu wollen. Minutiös ergründete er bei jedem Projekt die Hintergründe, zerlegte ein ums andere Mal das Medium "Film" in seine Einzelteile. Stets fungierte er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion und forderte zuweilen unzählige Takes ein- und derselben Szene. Weltberühmt die Geschichte, er habe Shelley Duvall am Set von "The Shining" wortwörtlich um den Verstand gebracht. Passend, schien Wahnsinn ohnehin sein steter Begleiter zu sein - vor und hinter der Kamera.

13 Filme, 13 Oscar-Nominierungen - ein Oscar...

Trotz seines anfänglichen Tatendrangs ist das Gesamtwerk von Kubrick recht überschaubar. Was daran liegt, dass er von 1971 ("Uhrwerk Orange") bis kurz vor seinem Tod 1999 ("Eyes Wide Shut") insgesamt nur noch fünf Filme drehte. 13 Spielfilme hatte er am Ende vorzuweisen, jeder von ihnen wirkte so, als sei er weit vor seiner Zeit entstanden. Und so sammelte Kubrick zwar fleißig Oscar-Nominierungen, am Ende hat er aber nur einmal triumphieren können. Einen Regie-Oscar gab es aber nicht für ihn, "nur" für die visuellen Effekte in "2001" wurde er von der Academy geehrt. Wie es da in ihm gebrodelt haben muss.

Der letzte seiner Filme, dessen Kinostart er miterlebte, war das Kriegsdrama "Full Metal Jacket" (1987). Kurze Zeit, bevor "Eyes Wide Shut" mit Tom Cruise (56) und Nicole Kidman (51) satte zwölf Jahre später auf die Leinwand kam, verstarb er mit 70 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

SpotOnNews