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Supersingles: Auf der Suche nach Mr. Big

Sie sind tolle Frauen: schön, klug und erfolgreich in ihrem Job. Und doch haben sie noch immer nicht den Richtigen fürs Leben gefunden - viele Männer sind ihnen nicht gewachsen. Das Fazit der Karrierefrauen: Auf dem Heiratsmarkt fehlen männliche Spitzenkräfte. Wenn Frauen zu Jägerinnen werden.

Von Markus Götting und Anette Lache

Gleich in der Mitte des Ladens sitzt sie, hinter sich die Bar, die aus Naturstein gemauert ist. Sitzen ist vielleicht das falsche Wort: Hier thront sie. Die Königin. Nicht zuletzt ihr Dekolleté macht sie zum Mittelpunkt. Das H'ugo's am Promenadenplatz ist zurzeit Münchens angesagtestes Restaurant, für Loren eine Art zweites Wohnzimmer. Münchens Fußballhelden vom FC Bayern sind fast jeden Abend hier. Aber der Star, das ist Loren. Alle sind da an diesem Abend: die Mädels, die sich mächtig aufgestylt haben, die Geldmänner in wirklich guten Anzügen. Ab und zu blinzelt mal einer rüber. Netter Versuch, Junge. Aber in Lorens Leben gibt es derzeit nur einen Mann: Benji, den Rauhaardackel.

Das H'ugo's ist einer dieser Läden, in denen man ständig aufsteht. Zum Klo, zum Rauchen, warum auch immer. Hauptsache, gesehen werden. Loren hat lange als Model gearbeitet, inzwischen entwickelt sie Fitnesskonzepte, und für 100 Euro die Stunde hetzt sie als Personal Trainerin Geschäftsleute durch den Wald. Sie ist 1,80 Meter groß und steht im Prinzip für alles, was man sich als Kerl wünscht, aber nicht bekommen wird. Jedenfalls nicht so einfach.

In München kommen höchsten fünf Männer infrage

Dabei wäre Loren froh über einen Mann fürs Leben. "Einen, der charismatisch ist, gern mit grau meliertem Haar und älter als ich", sagt sie. Auch sonst hat sie ziemlich klare Vorstellungen: "Größer als 1,90 Meter und Fettwert bitte nicht deutlich über zehn Prozent. Aber in den letzten Jahren ist mir keiner begegnet, der wenigstens 70 Prozent davon erfüllt." München ist ja sehr überschaubar, wie viele kommen da überhaupt infrage hier in der Stadt? Vielleicht 50? Loren lächelt amüsiert. "50? Vielleicht fünf!"

In den Kinos läuft jetzt der lange erwartete Film "Sex and the City", es ist die Fortsetzung einer Fernsehserie, die Millionen Single-Frauen getröstet hat. Oder ihnen zumindest das Gefühl gab, dass Einsamkeit gleich sehr viel glamouröser ist, wenn man Manolo-Blahnik-Schuhe dazu trägt. Loren sieht ein bisschen aus wie Samantha, der blonde Vamp unter den vier Film- Freundinnen; sie ist eine Männerfantasie auf zwei Beinen. In der letzten Staffel hatte sich Samantha so ein junges Schauspielerbürschchen geangelt, Loren kennt das. Sie sagt: "Ich hatte auch mal einen Typen, der zehn Jahre jünger war als ich. Da stehst du nur jeden Tag vor dem Spiegel und fragst dich: Reicht das noch?" Nee, sagt sie, "ich brauche einen, zu dem ich aufschauen kann".

Das wollen viele. Aufschauen. Früher war das rein körperlich zu verstehen, es ist dieses archaische Bild vom starken Mann, der die Höhle bewacht und die Frau vorm Säbelzahntiger beschützt. Gleichzeitig war eine starke Physis gleichbedeutend mit materieller Absicherung. Diese Form männlicher Stärke wird heute durch gesellschaftlichen Status vermittelt.

Frauen waren noch nie so erfolgreich wie heute

Dabei ist dies die erste Generation von Frauen zwischen 30 und 40, die Aufschauen gar nicht nötig hat. Frauen, die anscheinend alles haben: eine gute Ausbildung, coole Jobs, genug eigenes Geld - nur eben keinen Partner fürs Leben. Mr. Right reicht da nicht mehr, sie wollen gleich Mr. Big. Und halten das für einen legitimen Anspruch.

Frauen waren noch nie so erfolgreich wie heute. Sie sind all das, was sie früher von den Männern gefordert haben. Früher hat man halt seinen Doktor geheiratet, heute macht man ihn selbst. Die Zahl berufstätiger Akademikerinnen stieg in Deutschland zwischen 1991 und 2004 um 70 Prozent, bei den Männern gerade mal um 23 Prozent. Im selben Zeitraum drängten etwa 1,1 Millionen Frauen zusätzlich auf den Arbeitsmarkt, die Zahl berufstätiger Männer sank derweil um 1,4 Millionen. Inzwischen sind 54 Prozent aller Erstsemester an Universitäten weiblich, Frauen haben die Männer im Bildungsniveau längst überholt. Und jetzt wollen sie auch noch einen Typen, der mindestens auf Augenhöhe ist! Das Unglück für Akademikerinnen ist also programmiert: Auf dem Heiratsmarkt fehlen männliche Spitzenkräfte.

Der Soziologe Hans-Peter Blossfeld ist Direktor des Staatsinstituts für Familienforschung in Bamberg, und sein Lehrstuhl untersucht gerade am Beispiel einer Online- Partnerbörse das Verhalten von Singles bei ihrer Suche. In einem anonymisierten Verfahren können die Forscher genau sehen, wie das Rosinenpicken im Internet läuft: Frauen gehen gezielter und strategischer vor. Blossfeld sagt: "Je mehr sozialen Status und materielle Sicherheit ein Mann verspricht, umso attraktiver wird er. Frauen suchen immer noch den Ernährertypen." Als hätte es den Feminismus nie gegeben.

Gesicherte Zahlen über Singles gibt es kaum. Von Amts wegen werden nur Ein-Personen-Haushalte erfasst. Fragt man indes nach Menschen ohne festen Partner, wie das die Partneragentur "Parship" in einer Studie von 2005 gemacht hat, kommt man auf mehr als elf Millionen Alleinstehende in Deutschland. Vor allem Akademikerinnen sind - neben männlichen Hartz-IV-Empfängern - die großen Verlierer auf dem Heiratsmarkt.

"Sie sind vielleicht zu wählerisch", sagt Soziologe Blossfeld. "Hoch qualifizierte Frauen stehen vor der unangenehmen Frage: Bleiben sie allein, oder suchen sie sich einen Partner, der unter ihrem Niveau liegt? Dagegen gibt es natürlich große Widerstände. Rein statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Frauen Single bleiben. Oder mindestens kinderlos." Vor etwas mehr als 20 Jahren sorgte das US-Magazin "Newsweek" mit einer Coverstory für Aufsehen, die sich auf eine Harvard-Studie bezog. Demnach war für eine 40-jährige Singlefrau die Chance größer, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen, als den richtigen Mann zu finden.

"Wenn ich ausgehe, bin ich die Jägerin"

Loren ist jetzt 40, was man ihr nicht unbedingt ansieht. Sie sagt: "Wenn ich ausgehe, bin ich die Jägerin. Ich lass einem Typen mal einen Drink hinstellen oder gebe ihm meine Nummer, wenn ich heimgehe." Mehr als ein paar Abenteuer sind dabei zuletzt nicht herausgekommen. Und dann erzählt sie von gescheiterten Beziehungen, von Sportlern, Musikern, Gastronomen. Sie sagt: "Irgendwann kommt immer eine Jüngere, die mir den Rang abläuft. Oder eine, die einfacher zu handeln ist."

Einfach ist sie nicht. "Ich will mein Leben so leben, wie ich will", sagt sie, "ich bin wahrscheinlich ein großer Egoist." Neulich hat ihr ein Ex-Freund gesagt, sie sei beziehungsunfähig. Zumindest sucht sie sich Typen aus, die nicht dauerhaft zu haben sind. Mal hatte sie was mit einem Mann, den sie durch drei Ehen begleitet hat, 13 Jahre lang. Am Ende blieb sie die Affäre. Sie sagt: "Ich bin wahrscheinlich die perfekte Geliebte." Erst lacht sie, als sie das erzählt, dann sagt sie: "Natürlich macht einen das auch nachdenklich. Das ist sicher nicht meine Vision von der Zukunft."

Auf jeden Fall entspricht es dem Zeitgeist, einer Welt der Unverbindlichkeit. Seit es Handys gibt, sagt doch jeder dauernd: "Lass uns noch mal telefonieren." Sich bloß nicht festlegen. Gilla kann einige Geschichten davon erzählen. Sie ist 30, Volljuristin in Berlin und hat gerade den Fachanwaltskurs für Arbeitsrecht absolviert. Nebenbei hat sie als Model gearbeitet. Eine Frau von makelloser Schönheit. Neulich, erzählt sie, habe ihr ein Mann ein Date abgesagt, eine Stunde vorher. Er hatte vergessen, dass Eintracht Frankfurt spielt. Gilla sagt: "Er hätte ja auch fragen können, ob ich mitgucken will."

An den Sonntagen kommt die Melancholie

In solchen Momenten, sagt Gilla, "fragst du dich dann: Was stimmt nicht mit mir? Oder besser: Was stimmt nicht mit ihm?" Sie sitzt im Straßencafé gegenüber der Berliner Museumsinsel, ein Ausflugsdampfer schippert vorbei, und Gilla erzählt von dieser Sonntagsmelancholie, wie sie es nennt. "Das sind die Tage, an denen man durchhängt. Draußen scheint die Sonne. Du wachst auf und fragst dich: Warum lache ich eigentlich nicht." Unter der Woche gibt es genügend Termine, Action, Ablenkung. Samstag ist der klassische Tag für Besorgungen und Ausgehen. Aber an den Sonntagen spürt sie die Einsamkeit. "Da wünscht man sich jemanden, mit dem man gemeinsam aufwacht und frühstückt, neben dem man abends wieder einschläft." Natürlich hat sie gelernt, mit sich selbst klarzukommen, sagt Gilla, aber sie hat auch keine Lust mehr, sich etwas vorzumachen. "Ich bin einfach ein Beziehungsmensch." Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Geborgenheit hat jeder. Es ist eine Ursehnsucht.

Die Popkultur der Jahrtausendwende hat erfolgreiche Singlefrauen zu Vorbildern gemacht. Filme und Serien wie "Sex and the City", "Ally McBeal" oder "Bridget Jones" spielen mit dem Konflikt aus Autonomiestreben und der Suche nach dem perfekten Partner. Der Begriff "Single" ist längst kein Stigma mehr, auch Trennungen werden gesellschaftlich akzeptiert. Menschen kämpfen weniger um ihre Beziehungen. "Frauen neigen auch zur Konsumhaltung", sagt die Münchner Psychotherapeutin Anna Schoch. "Wenn der eine nicht funktioniert oder zu langweilig ist, nehmen sie den nächsten. Ex und hopp." Professor Schoch sagt, dies sei ein Phänomen der zu Ende gegangenen Postmoderne, alte Ideale sind entwertet, nichts ist mehr heilig oder wird gar hinterfragt. "Unser Gesellschaftssystem und damit auch die Paarbeziehungen sind in einer Übergangsphase. Es ist eine Zeitgeisterscheinung, dass Top-Frauen keine Partner finden. Sie sind sozusagen die Vorreiter dieser Übergangsphase."

Viele haben sich angewöhnt, permanent abzuwägen zwischen dem Risiko, allein zu bleiben, und der Angst vor Verletzung. Das Tempo ihres Lebens und die Vielzahl an Optionen treibt anspruchsvolle Frauen tiefer in die Singlefalle. Und je größer ihr soziales Netzwerk, desto geringer ist der Leidensdruck. Anna Schoch sagt: "Frauen, die etwas leisten, was darstellen, die hübsch sind, die wollen natürlich nicht den Langweiler, den Bierdimpfel. Der ist keine Herausforderung für sie."

Männer wollen von netten Mäuschen bewundert werden

Das Problem ist nur: Die Männer haben sich noch nicht entsprechend weiterentwickelt. Und diejenigen, die Karriere machen, wollen von einer Frau auch dafür bewundert werden. So was kriegen sie von den netten Mäuschen eher. Die Psychologin sagt: "Top-Frauen zwischen 30 und 40 mit großem Freundeskreis haben es objektiv sehr schwer. Ich habe öfter solche Frauen in meiner Praxis." Wenn Frau Schoch ehrlich ist, kann sie denen eigentlich nicht viel Hoffnung machen.

Christiane hat dieses gigantische Netzwerk auch - bedingt durch ihren Job. Sie ist 37, Leiterin "Marken- und Unternehmens- PR" in einer Münchner Agentur und natürlich ziemlich viel unterwegs. Stammtische, Events, Konferenzen - sie hat selbst gemerkt, dass das einen Mann verschrecken kann. Ihr letzter Partner plante schon das Leben im Reihenhaus in der Vorstadt. Christiane sagt: "Nicht ganz meine Vorstellung." Dabei wünscht sie sich doch Kinder - und einen Mann. "Einen, der brennt, der begeisterungsfähig ist."

Doch Männer, sagt sie, hätten oft Angst vor Unterlegenheit. Finanziell, intellektuell, na ja, auch was die Körpergröße angeht. Christiane ist 1,80 Meter. Und ähnlich groß ist ihr Selbstbewusstsein. Wahrscheinlich, glaubt Christiane, haben Männer generell ein Problem mit Alpha- Frauen. Während des Studiums hatte sie bei der Lufthansa gearbeitet, "und wenn ich einem Mann erzählt hab, ich sei Stewardess, war die Reaktion komplett anders". Deshalb hat sie sich neulich mit ihren Freundinnen überlegt, einen Weblog zu schreiben - unter der Adresse: www.ichwaerelieberblondundbloed.de.

Zwei Drittel aller Singles sind zwischen ihren Beziehungen etwa zwei Jahre lang solo. Christiane ist jetzt seit drei Jahren allein. Sie sagt: "So lange war ich noch nie auf dem Markt." Ein Grund zu Besorgnis sei das noch lange nicht. "Noch sehe ich das entspannt, selbst wenn das fünf Jahre so weitergeht."

Zeit ist wahrscheinlich der entscheidende Faktor auf dem Heiratsmarkt. Gerade die erfolgreichen Frauen verpassen es, sich zu binden, wenn ihr Marktwert am höchsten ist, sagt ein Experte, der mit so einem Satz aber nicht zitiert werden will. Männer binden sich, wenn sie sich materiell abgesichert und beruflich etabliert fühlen. Dann geht alles ganz schnell. Das durchschnittliche Heiratsalter deutscher Männer liegt bei 32 Jahren. Dann sind sie weg vom Markt. Jedenfalls erst einmal. Aber so wie es einen zweiten Bildungsweg gibt, existiert ein zweiter Heiratsmarkt. Das sind die Scheidungsopfer. Die Unfallwagen. PR-Frau Christiane sagt: "So ist es nun mal, und wenn einer Kinder mitbringt, muss man das akzeptieren. Jeder hat sein Vorleben, seine Historie."

Das Internet soll Abhilfe schaffen

Sie hat vor einer ganzen Weile mit dem Online-Dating angefangen. Es ist die unverfänglichste Art der Partnersuche, sie ist nicht räumlich oder sozial auf Freundeskreis und Arbeitsumfeld begrenzt. Vor allem ist es die einzige, die man daheim vom Sofa aus betreiben kann. Zwischendurch, wenn halt grad mal Zeit ist. Christiane sagt: "Da sind ganz tolle und spannende Menschen dabei." Ein paar hat sie schon getroffen. Nur: So richtig klick gemacht hat es bisher bei noch keinem.

Agenturen wie Parship und Elite-Partner haben jeweils mehr als eine Million Mitglieder. Die Prozedur beginnt mit einem halbstündigen Psychotest, um ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Das ist Hürde und Signal zugleich, es soll sicherstellen, dass sich nur Leute anmelden, die es ernst meinen. Sven Hasselmann, einer der beiden Geschäftsführer von Elite-Partner, sagt: "Viele merken erst durch den Test, dass sie womöglich jahrelang dem falschen Beuteschema gefolgt sind." Es gehe auch um Abrüstung, um ein Ende der Coolness: "Partnersuche im Netz ist das beiderseitige Eingeständnis: Ich bin Single, will es aber nicht bleiben."

Im Prinzip ist Online-Dating eine Rasterfahndung in Hochgeschwindigkeit. Christiane sagt: "Für mich ist es vor allem Strategie. Ich mache alles in meinem Leben strategisch - und Liebe soll so einfach vom Himmel fallen?" Online-Dating passt perfekt in unsere Zeit. Kein Wunder, dass die Branche boomt: Allein die Agentur Parship hat vergangenes Jahr ihren Umsatz um mehr als 100 Prozent auf 46 Millionen Euro gesteigert. Die Effizienzmaßstäbe, wie sie im Beruf gelten, werden nun in ähnlicher Form auch auf die Partnersuche angewendet.

Die Frauen überprüfen die Typen gegenseitig

Die Online-Suche ist perfekt zugeschnitten auf beruflich erfolgreiche Singlefrauen. Christiane sagt: "Ich maximiere meine Chancen, außerdem hat es auch eine spielerische Komponente." Sie tauscht mit ihrer Freundin die Zugangsdaten aus, so können sie beide gegenseitig die Typen überprüfen, die sich da melden. Sie steht mit vier, fünf Männern parallel in Mail- Kontakt. Das ist nicht unmoralisch, alle machen das so - zumindest, bis sie das Gefühl haben, sich auf einen fokussieren zu wollen. Es ist ein bisschen wie beim Fondue: Am Anfang, wenn man noch richtig Hunger hat, hält man immer mehrere Gabeln in den Topf.

Liebe auf Knopfdruck? Für die Berlinerin Johanna ist das ein undenkbares Konzept. Als religiöser Mensch glaubt sie an die Kraft metaphysischer Vorbestimmung. "Wenn ich glaube", sagt sie, "dann muss ich lernen zu akzeptieren." Enttäuschungen und Rückschläge. Sie ist 36 und schwärmerisch und verträumt und gleichzeitig radikal. Das verleiht ihr eine gewisse Engelhaftigkeit.

Wir sitzen im "A-Trane", einem legendären Berliner Jazz-Laden in Charlottenburg; es ist dunkel, die Luft stickig, und man möchte gar nicht wissen, wie das wohl war, bevor es das Rauchverbot gab. Johanna sagt, dies sei ein klassischer Ort für ihre Vergangenheit und eine große Liebe, das war vor 15 Jahren. Sie hat ihn gleich geheiratet, einen kanadischen Musiker, zehn Jahre älter, keine Kohle, sie ging trotzdem nach Montreal, na klar. Sie sagt: "Als ich merkte, dass ich kein Kind von ihm wollte, war die Ehe vorbei." Acht Jahre brauchte sie bis zu dieser Erkenntnis. Am nächsten Tag hatte er eine Neue. Johanna erzählt auch, dass sie ziemlich fertig war nach ihrer Trennung, sie hatte ganz schrecklich abgenommen zum Schluss.

"Die zwei Säulen einer Beziehung sind Gespräch und Sex

In den letzten Jahren dann hat sie eine Menge ausprobiert: Anwälte, weil sie deren geregelten Rhythmus so gern mochte. Adlige. "Aber bei denen bin ich nicht wirklich gelandet. Warum nicht? Weil ich nicht dazugehörte. Die wollten mich nur kurz, aber nie ernsthaft. Nicht das ganze Programm." Und von dem "ganzen Programm" hat die Schauspielerin inzwischen eine klare Idee. Johanna sagt: "Ich glaube, dass es zwei Säulen gibt, die für eine gute Beziehung wichtig sind, nämlich das Gespräch und der Sex. Wenn beides stimmt, kann es funktionieren, dann ginge auch Liebe als Entscheidung."

Sie sagt viele solcher Sätze. Aber vor allem muss ein Mann weltgewandt sein, Akademiker und intelligent, wenn er für sie infrage kommen soll. Und er sollte ihr eine gewisse materielle Geborgenheit geben. Denn Johanna will Kinder. Und zwar bald. Sie schreibt gerade ein Buch darüber, das im September erscheinen soll: "Suche Mann zum Kinderkriegen".

Es gab mal diese Momente, da konnte sie sich vorstellen, ein Kind zu bekommen, ohne mit dem Vater zusammen zu sein. Sie sagt: "Ich bin dann an diesen Tagen wie eine Zeitbombe losgegangen, heiß und berechnend." Wenn sie jetzt ein Date mit einem Mann hat, erzählt sie ihm gleich bei der ersten Gelegenheit von ihrem Kinderwunsch. Man kann das für strategisch unklug halten - man kann es aber auch ehrlich nennen. Johanna sagt: "Ich kann das nicht akzeptieren, dass mich einer besetzt hält, ohne sich zu entscheiden."

Tickt die biologische Uhr werden sie zu Panik-Singles

In der Literatur gibt es einen Begriff für alleinstehende Frauen, der nicht gerade schmeichelhaft ist: die Panik-Singles. Frauen, bei denen das Ticken der biologischen Uhr lauter ist als ein Presslufthammer. Ob sie Panik hat? Noch nicht, sagt Johanna. "Im Moment ist das ein Suchen mit heiterer Gelassenheit." Aber von einigen Ansprüchen hat sie sich inzwischen doch verabschiedet. Er hat Kinder? Kein Ausschlusskriterium mehr. Auch sportlich muss er nicht unbedingt sein. Geht auch so.

Johanna sagt: "Mit jedem Jahr als Single streichst du eben ein paar Punkte von deiner Liste." Und zwar von oben weg.

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Von:

Markus Götting und Anette Lache