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Taufe von Prinz George: Zum Nachtisch gibt's alte Hochzeitstorte

Bodenständiger wurde schon lange kein Windsor mehr getauft: Prinz George bleibt viel Brimborium erspart. Nur 23 Gäste sind geladen, er bekommt bürgerliche Paten - und ein Stück alte Hochzeitstorte.

Von Catrin Bartenbach

Es ist die einzige Extrawurst für den kleinen Prinzen: Während Prinz William und viele andere Hoheiten des britischen Königshauses in den vergangenen Jahrzehnten im Musikzimmer des Buckingham Palastes getauft wurden, bekommt Prinz George eine Taufe im Becken der Chapel Royal auf dem Gelände des St. James Palastes. Dort geht es nicht nur intimer und feierlicher zu als im Prunkraum des ungemütlichen Buckingham Palace. Der Ort ist vor allem ein Tribut an die verstorbene Oma - Prinzessin Diana.

Am Mittwoch wird Prince George Alexander Louis of Cambridge getauft. Der Sohn von Prinz William und Herzogin Catherine bekommt eine Feier ohne viel Brimborium, dafür aber mit einer ganz besonderen Note seiner Eltern. Die haben weniger Wert auf das Protokoll und mehr auf das Persönliche gelegt. Heraus gekommen ist die perfekte Mischung aus Tradition und Privatem.

Freunde von William und Kate statt Hoheiten geladen

Das fängt bei der Chapel Royal an. In der Nacht vor ihrer Beerdigung wurde die 1997 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Diana hier im Sarg aufgebahrt. Hier hat William zum letzten Mal von seiner sehr geliebten Mutter Abschied genommen. Und hier wird es sein, wo er seinen Sohn nach der Taufe in den Armen hält. Ein wunderbares Symbol und eine schöne Geste zu Ehren Dianas.

Ebenso besonders lässt sich die Zusammenstellung der Taufpaten und der nur 23 geladenen Taufgäste an: Glücklicherweise hat sich das Gerücht nicht bestätigt, der Nachtclubbesitzer Guy Pelly würde einer der Paten werden. Dennoch steht diese Tauffeier ganz im Zeichen des Privaten: Nur der engste Familien- und Freundeskreis ist willkommen, mit Zustimmung der Queen wurde niemand nur aufgrund seiner hohen Position in der königlichen Familie dazu gebeten - also keine Einladungen für die Großonkel und -tanten Anne, Andrew, Edward und Sophie.

Die Taufpaten: Freunde und der Privatsekretär

Anders als bei William, dessen sechs Taufpaten einen ehemaligen Griechenkönig, diverse britische Hochadelige und einen alternden Philosophen aus Prinz Charles’ Umfeld beinhalteten (und keinen einzigen Freund von Mutter Diana), sind es dieses Mal vor allem gute Freunde von William und Kate. Am Morgen wurden die sieben Taufpaten nun endlich bekanntgegeben, darunter einige, die vorher schon als Kandidaten gehandelt wurden: Williams Cousine Zara Philipps Tindall, Jamie-Lowther Pinkerton, der William, Kate und Harry bis vor kurzem als Privatsekretär und Presseberater das Leben sehr erleichtert hat, und William, ein Spross aus der Familie Hugh van Cutsems, mit der schon Prinz Charles seit Jugendtagen eng befreundet ist. Daher hat William Wales schon als kleiner Junge mit den van Cutsem-Kindern im Sandkasten gespielt, am liebsten mit dem anderen William. Gleiches gilt für Hugh Grosvenor, Sohn des schwerreichen Herzogs von Westmister. Oliver Baker hingegen kennen Georges Eltern beide seit ihrer Studienzeit in St. Andrews, als sie sich zu Dritt eine Wohnung teilten. Von Kates Seite ist ihre Schulfreundin Emilia Jardine-Paterson, auch bekannt als Star-Inneneinrichterin Emilia d'Erlanger bekannt, mit dabei.

Die einzige Überraschung ist eigentlich die Benennung von Julia Samuel, einer guten Freundin der verstorbenen Diana, die wohl ein bißchen an deren Stelle das Aufwachsen des Täuflings liebevoll begleiten soll, wie es die Prinzessin von Wales auch noch einige Jahre bei Julias Sohn Benjamin tun konnte. Harry und Pippa wurden nicht als Paten benannt, weil sie als Geschwister und enge Vertraute der Eltern im Leben ihres Neffen sowie sehr präsent sein werden.

Harry kommt vermutlich allein

Die Familie Middleton wird geschlossen antreten, Pippa und Bruder James dürfen ihre jeweiligen Partner nicht mitbringen, weil sie mit ihnen nicht offiziell verlobt sind. Und auch die angebliche Einladung zur Taufe für Prinz Harrys Flamme Cressida Bonas ist eher dem Reich der Fantasie eines Hofkorrespondenten entsprungen.

Hochzeitstorte von 2011 wird aufgetaut

So modern die Gästeliste ist, so altmodisch wird das Outfit des kleinen George sein. Für ihn liegt ein Taufkleid aus Honiton-Spitze bereit, zwar nur die Replik des Gewandes von 1841, das damals für die Taufe der ältesten Tochter von Queen Victoria angefertigt wurde. Aber die Kopie hat immerhin den Vorteil, dass man nicht jeden Moment während der Zeremonie fürchten muss, das durch Alter und Abnutzung fragil gewordene Teil könnte dem Kleinen auf dem Leib zerfallen und so das Geheimnis lüften, ob bei ihm die alte Tradition der Beschneidung befolgt wurde wie noch bei Großvater Charles.

Der Erzbischof von Canterbury kann ihm unbesorgt geweihtes Wasser aufs noch nicht gekrönte Haupt träufeln und die Paten dürfen ihn nach Belieben einmal Reih um auf den Arm nehmen. Danach gibt's zur Erfrischung Champagner für alle und frisch aufgetaute Hochzeitstorte. Keine Sparmaßnahme der jüngst vom Parlament mal wieder wegen zu hoher Ausgaben gemaßregelten Königin, sondern eine weitere alte Windsor-Tradition: Die obersten drei Stockwerte der wunderschönen Kreation von Konditorin Fiona Cairns vom Juni 2011 wurden damals extra für diesen Zweck auf Eis gelegt.

Zum Abschluss des Festtages wird schließlich noch vom britischen Star-Fotografen Jason Bell in Clarence House das traditionelle Bild von der Monarchin mit ihren drei Nachfolgern geschossen. Abends kann sich Baby George nach all der Aufregung erst einmal wieder in seiner Wiege ausruhen und bis zu seinem nächsten großen öffentlichen Auftritt Kraft tanken: seine Einschulung in zirka sechs Jahren. Bis dahin heißt es abwarten und Milch trinken.

Wer zumindest das Kommen und Gehen der Gäste im Blick haben will: hier gibt es einen Livestream, der das Geschehen vor dem Palast zeigt.