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William und seine Kate: Tücken des Protokolls

In wenigen Tagen werden Millionen zuschauen, wenn sich Prinz William und Kate Middleton das Ja-Wort geben. Doch die Hochzeit macht die junge Braut jedoch noch lange nicht zu einer Prinzessin - dafür sorgen die Tücken des höfischen Protokolls.

Von Cornelia Fuchs, London

Egal was am Freitag in der Westminster Abbey passieren wird: Am Ende der Veranstaltung wird keine Princess Catherine durch das Tor der Westminster Abbey in die bereitstehende Kutsche schreiten. Denn obwohl Catherine Middleton einen Prinzen heiratet, wird aus ihr keine Prinzessin. Stattdessen wird die Neuvermählte traditionell den Titel "Her Royal Highness, Princess William of Wales" tragen – übersetzt: königliche Hoheit, Fürstin William zu Wales. Der Grund: Sie hat kein königliches Blut in den Adern.

Britische "Princesses" existieren nur innerhalb der königlichen Familie. So ist Anne, die Tochter der Queen, eine Princess ebenso wie Williams Cousinen Beatrice und Eugenie, die Töchter von Prinz Andrew. Auch Diana war streng genommen nie Prinzessin Diana, sondern stets Diana, Princess of Wales. Sarah Ferguson durfte sich als Frau von Prinz Andrew allein Duchess of York nennen – und auch das nur, weil die Queen ihre Nachkommen bei Heiraten gerne mit neuen Titeln versorgt. Lieblings-Sohn Andrew machte sie anlässlich seiner Eheschließung im Jahr 1986 zum Herzog zu York. Seine inzwischen geschiedene Frau Fergie hat diesen per Ehe erworbenen Titel auch als Geschiedene nicht abgelegt.

Es sind noch Titel frei

William könnte von Königin Elizabeth II. nach seinem Ja-Wort daher zum Herzog gekürt werden. Frei sind noch die Titel derer zu Albany, Connaught, Cambridge und Clarence. Wobei das Herzogtum Clarence wahrscheinlich nicht in die nähere Wahl gezogen wird – der letzte Herzog zu Clarence wurde im 15. Jahrhundert von seinem eigenen Bruder und König Edward IV. in einem Fass süßen Wein ertränkt. Clarence soll seines Bruders Ehefrau der Hexerei beschuldigt haben – anders sei es nicht zu erklären, wie sie sich als Bürgerliche in das Herz des Herrschers geschlichen habe.

Doch auch wenn die restlichen zur Auswahl stehenden Herzogtümer weniger unangenehme Erinnerungen wachrufen – Prinz William scheint sehr zufrieden damit zu sein, auf seiner Militärbasis einfach "William Wales" genannt zu werden. Zusätzlichen Auszeichnungen steht er eher ablehnend gegenüber. Was wiederum seine Zukünftige mit dem seltsamen Titel Princess William of Wales zurücklässt. Nur ein Edikt der Königin selber könnte aus Kate eine Princess Catherine machen. Doch sogar bei ihrem eigenen Ehemann Philip wartete Elizabeth bis ins Jahr 1957, fünf Jahre nach ihrer Thronbesteigung, bevor sie ihn vom Herzog von Edinburgh in den Stand des "Prince of the United Kingdom" erhob.

Wer knickst vor wem?

Wenn schon die Namensgebung kompliziert werden dürfte – schwieriger wird es bei der Frage, wer hinter Palastmauern wem den Hofknicks schuldig bleiben wird. Keine Probleme dürfte es geben, wenn die Ehemänner anwesend sind. Dann übernehmen die Damen Stellung und Rang ihres Angetrauten: Kate muss vor Camilla als Ehefrau des Thronfolgers in die Knie gehen – und Töchter und Enkelinnen der Queen wiederum vor den beiden bürgerlichen Angetrauten der Nummer Zwei und Drei im königlichen Rang-Reigen. Und allesamt natürlich stets vor der Queen.

Doch seit 2005 bleibt Princess Anne und anderen Fürstinnen königlichen Geblüts die Knickserei vor Nicht-Blaublütigen erspart. Damals erließ Königin Elizabeth ein Edikt "Über den Vorrang der königlichen Familie, der am Hofe einzuhalten ist". Das Papier sollte ihrer Tochter Anne die Schmach ersparen, sich hinter Camilla einreihen zu müssen, nur, weil diese den älteren Bruder Charles geehelicht hatte. Befinden sich also Charles und William gemeinsam auf der Jagd, müssen sich Camilla und Kate beim Frühstück ganz hinten anstellen – sogar vor Williams Cousinen Princess Beatrice und Eugenie müssten sie in die Knie gehen.

Experte erwartet Rangeleien

Nun könnte man annehmen, dass gerade die jüngere Generation solche Protokoll-Sperenzchen nicht mehr ernst nimmt. Doch Palast-Insider versichern, dass es in königlichen Kreisen immer noch einen harten Wettbewerb um den Rang in der Rangfolge gibt. Und gerade Prinz William soll dies immer wieder gerne ins Bewusstsein rufen: Schon zu Kindergartenzeiten pfiff er seinen eigenen Bruder Harry zurück, wenn der sich im Überschwang vordrängelte.

Brian Hoey, Experte für Hofprotokoll und königliche Absonderlichkeiten, vermutet, dass es zu einigen Rangeleien kommen wird am Hofe Windsor mit Neuzugang Kate immer im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Und findet dennoch tröstliche Worte: "Kate sollte sich nicht fürchten, vor allem nicht vor Princess Anne. Sie wird sich sehr formell verhalten, so ist sie eben. Aber alle werden Sorge tragen, dass Kate mit Umsicht und Respekt behandelt wird."