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TECHNO-RAVE: Pinke Haare und Plüschklamotten

Wie schon die »Mutter der Technoparaden«, die Berliner Love-Parade, erlebte auch der Hannoveraner Ableger einen Besuchereinbruch. Ist die Hochzeit der Raves vorbei?

Von den Trucks tönen Techno-Rhythmen mit wummernden Bässen, der Asphalt bebt: Zehntausende bunt gekleidete Raver sind am Samstag bei der 8. »Reincarnation Parade« durch Hannover getanzt. Bekannte DJs fütterten die Ohren der begeisterten Raver mit rasenden Beats von mehr als 40.000 Watt. Trillerpfeifen und Wasserpistolen, Plüschklamotten jeder Coleur - Beim Outfit hieß es: je schriller desto besser. Nach der Love-Parade in Berlin verzeichnete aber auch das norddeutsche Musikspektakel einen deutlichen Besuchereinbruch. Rund 100.000 Raver zogen nach Schätzungen der Polizei durch die niedersächsische Landeshauptstadt, deutlich weniger als im Vorjahr.

»Hammergeil hier«

Nackte Oberkörper und blanke Busen waren bei dem schwül-warmen Wetter keine Seltenheit. Dazu waren pink und knallgrün gefärbte Haare zu sehen. »Das ist hammergeil hier«, brüllte der 17-jährige Christian, der mit seinen Freunden aus Suhl angereist war.

Nach der Parade ins Stadion

Nach der Parade durch die Innenstadt ging der Rave erstmals im Niedersachsenstadion weiter. Mehr als 15.000 Fans wippten, zappelten und jubelten zu Sets von Szenegrößen wie Sven Väth, DJ Sammy oder Kai Tracid. »Die Stimmung ist trotz Regen sensationell«, sagte Techno-Guru Chris Liebing nach seinem Auftritt. Vom Stadion zogen die Raver weiter in sechs andere Locations. Völlig erschöpft gingen die letzten gegen 9.00 Uhr morgens nach Hause. »Ich bin zwar todmüde, aber dafür waren die letzten 20 Stunden großartig«, meinte die 18- jährige Silvana aus Hannover.

Interesse ließ nach

Die Veranstalter zählten entgegen den Schätzungen der Behörden mehr Teilnehmer als im Vorjahr - sie kamen auf rund 400.000. »Wir haben die Zahlen vom letzten Jahr um rund 15 Prozent gesteigert«, sagte Macher Klaus Ritgen. DJ Hooligan teilte diese Einschätzung nicht: »Ich bin vom diesjährigen Umzug enttäuscht. Genau wie in Berlin hat auch in Hannover das Interesse extrem nachgelassen, das Publikum hat sich nicht weiter entwickelt«, sagte er auf einem der Festwagen. »Außerdem ist Plüsch schon seit mindestens sechs Jahren out.« Zur Grundausstattung der Raver gehörten auch in diesem Jahr Trillerpfeifen und Wasserpistolen. Ob mit Netzstrümpfen, Plüsch-BH oder Tarnfarben-Trikot - beim Outfit hieß es je schriller desto besser.

Keine Zwischenfälle

Hannovers Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg sagte zum Start: »Ich hoffe, dass die Techno-Musik die einzige Droge ist, die hier heute Abend genommen wird.« Zwar kassierte die Polizei von einigen Teilnehmern auch Aufputschmittel ein, insgesamt verlief der Umzug aber ohne größere Zwischenfälle. Während die Polizisten kaum zu tun hatten, war die Stadtreinigung hingegen rund um die Uhr im Einsatz. Trotz der Besucherflaute wird es nach Angaben der Veranstalter auch im kommenden Jahr eine »Reincarnation Parade« in Hannover geben.

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