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Auftritt in Hamburg: Die Karriere im Keller: Thomas Gottschalk liest aus seinem Buch "Herbstbunt"

Thomas Gottschalk stellt in Hamburg sein neues Buch "Herbstbunt" vor und macht das, was er am besten kann: Er unterhält das Publikum mit Witzen und Anekdoten, singt, scherzt - und ja, ein wenig vorgelesen hat er auch.

Thomas Gottschalk bei seiner Lesung in Hamburg

Thomas Gottschalk bei seiner Lesung in Hamburg

Es genügt ein Satz und er hat das Publikum auf seiner Seite: Seine Karriere, sagt Thomas Gottschalk, ende nun also im Keller. Das ist nur wörtlich zu verstehen, denn der 69-Jährige liest im Untergeschoss einer Hamburger Buchhandlung aus seiner zweiten Autobiografie "Herbstbunt".

In Wahrheit geht es für den Entertainer seit etwa einem Jahr wieder steil bergauf. Das Buch steht auf Platz eins der "Spiegel"-Bestsellerliste, die Lesungen sind ausverkauft, Gottschalk ist ein begehrter Gast - von Markus Lanz bis zur NDR-Talkshow wollen sie ihn alle haben. Dazu läuft "Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show" bei RTL mit guten Quoten, im kommenden Jahr, zu seinem 70. Geburtstag, gibt's seine Sondersendung "Wetten, dass ..?". Der tragische Verlust seines Anwesens in Malibu, das Scheitern seiner Ehe nach 46 Jahren und der Umzug nach Baden-Baden aus Liebe für seine neuen Freundin Karina Mroß - auch diese Schlagzeilen sorgen dafür, dass Gottschalk wieder auf den Titelblättern der Zeitschriften ist.

Mit Social Media kann Gottschalk nichts anfangen

An diesem Abend in Hamburg beweist er, dass er von seinen Entertainer-Qualitäten nichts verloren hat. Er ist ein Unterhalter und Geschichtenerzähler, aber auch einer, der ausspricht, was er denkt, der sich nicht anbiedert und versucht, allen zu gefallen. Die jüngere Generation, das sagt er selbst, kennt ihn vermutlich nur als den lustigen Onkel, der mal für Gummibärchen geworben hat. Gottschalk wiederum macht keinen Hehl daraus, dass er mit dem Hype um Youtube-Instagram-Twitter nichts anfangen kann. "Dieser Durchlauferhitzer Social-Media, da weißt du nie was daraus wird. Ich rede lieber direkt mit den Menschen. Wenn mir ein Taxifahrer sagt: 'Ich habe Eheprobleme' dann sage ich 'Ich auch". Es ist diese Direktheit und Authentizität, für die Gottschalk noch immer von vielen Menschen geliebt wird.

Auch sein Buch, das ist ihm wichtig, hat er selbst geschrieben. Zu Beginn seien es nur 70 Seiten gewesen, daraufhin habe der Verlag ihn aufgefordert, noch etwas mehr herauszuholen. 272 Seiten und 20 Kapitel sind es am Ende geworden. Die ganz klassisch vorzulesen ist nicht Gottschalks Ding. "Diese Leserei ist für mich nicht ganz einfach. Ich weiß ja schon, was ich geschrieben habe. Ich rede gern und viel und bin auch gern im Fernsehen unterwegs. Aber es gibt bessere Autoren als mich. Auf ein Buch von mir hat kein Mensch gewartet. Aber ich habe Spaß daran gehabt, es zu schreiben", sagt er. 

Thomas Gottschalk imitiert Marcel Reich-Ranicki

Thomas Gottschalk  "Herbstbunt. Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd"  Heyne Verlag  272 Seiten  15,99 Euro

Thomas Gottschalk

"Herbstbunt. Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd"

Heyne Verlag

272 Seiten

15,99 Euro

Das Vorwort trägt er komplett vor, andere Passagen reißt er nur kurz an. Ein Abschnitt, in dem er sich fiktiv mit seinem Tod auseinandersetzt, intoniert er mit verstellter Stimme. Gunter Sachs kommt darin vor, Udo Jürgens ebenfalls und Marcel Reich-Ranicki imitiert er so perfekt, dass man meint, den 2013 verstorbenen Literaturkritiker vor sich sitzen zu haben.

Zwischendurch streut er Anekdoten aus der Vergangenheit ein, stimmt seine Lieblingssongs an und scherzt mit dem Publikum - ganz so, wie er es jahrelang von der "Wetten, dass ..?"-Couch aus gemacht hat. Damals unterhielt Gottschalk Millionen Zuschauer, an diesem Abend in Hamburg sind es etwa 140 Menschen.

Eine Karriere wie seine, das weiß er, wäre inzwischen nicht mehr möglich. Das liegt an den veränderten Sehgewohnheiten, aber auch an ihm selbst. So frei Schnauze und trotzdem mit Witz und Verve moderiert heute keiner mehr - und dafür muss man Gottschalk einfach mögen.

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