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THRONFOLGE: Endlich Nachwuchs im japanischen Kaiserhaus

Kronprinzessin Masako brachte eine Tochter zur Welt, die aber keinen Anspruch auf den Thron hat. Deshalb wird eine Debatte über eine Änderung der Thronfolge erwartet.

Acht Jahre nach der Hochzeit des japanischen Kronprinzenpaares ist der ersehnte Nachwuchs im Kaiserhaus da: Prinzessin Masako brachte am Samstag in Tokio ein Mädchen zur Welt. Mutter und Kind sind wohlauf, teilte der Palast mit. Es ist das erste Kind für die 37-jährige Masako und ihren vier Jahre älteren Mann, den Thronfolger Naruhito. Die beiden sind seit über acht Jahren verheiratet. Allerdings hat das neue Mitglied des Kaiserhauses nach geltendem Recht keinen Anspruch auf den Chrysanthementhron: Die Verfassung lässt keine Kaiserin zu.

Älteste existierende Monarchie

Das japanische Kaiserhaus gilt als die älteste noch existierende Erbmonarchie der Welt. Von den meisten Japanern war die Geburt des Kindes von Masako und Naruhito mit Spannung und Sehnsucht erwartet worden. Das Mädchen wog bei der Geburt rund drei Kilogramm. Einen Namen hat der kaiserliche Sprössling noch nicht: Dieser wird einem strengen Zeremoniell folgend erst in einer Woche, nach dem ersten Bad des Kindes, von Kaiser Akihito bekannt gegeben. Der Haushofmeister wird die Nachricht dann dem Elternpaar überbringen.

Ministerpräsident betet für Kind

Der Kaiserpalast zeigte sich über die Geburt des Kindes hocherfreut. »Wir sind überglücklich, dass die Kronprinzessin eine kaiserliche Prinzessin zur Welt gebracht hat und dass es Mutter und Tochter gut geht«, sagte ein Sprecher. »Die Freude des Kaisers und der Kaiserin, die auf diesen glücklichen Tag gewartet haben, ist riesig.« Ministerpräsident Junichiro Koizumi, der zusammen mit seinem Kabinett am Sonntag seine Aufwartung im Kaiserpalast machen wollte, gratulierte dem Kronprinzenpaar. Er betet dafür, dass das Kind gesund aufwachse, erklärte der Regierungschef.

Zeitungen bringen Sonderausgaben heraus

Die Nachricht von der kaiserlichen Geburt wurde von allen großen Fernsehsendern des Landes in Live-Übertragungen verkündet. Die Zeitungen erschienen mit Sonderausgaben. Hunderte Gratulanten versammelten sich vor den Toren des Palasts.

Mutter war Karrierediplomatin

Der 1960 geborene Naruhito ist der älteste Sohn von Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko. Seit seiner Hochzeit mit der früheren Diplomatin Masako, die in Harvard und Oxford studierte und fünf Sprachen fließend spricht, hofft Japan auf einen Erben für den Chrysanthemen-Thron. Masako gab für die Hochzeit mit Naruhito 1993 ihre Stelle im japanischen Außenministerium auf und lebt seitdem völlig zurückgezogen. Vor zwei Jahren hatte die Kronprinzessin eine Fehlgeburt. Einige Beobachter führten dies auf die ausufernde Medienberichterstattung zurück, die damals nach Bekanntwerden der Schwangerschaft über die Prinzessin hereinbrach. Diesmal hielten sich die Medien mehr zurück.

Änderung der Thronfolgeregelung möglich

Die Geburt von Masakos und Naruhitos Tochter dürfte die Debatte über eine Änderung der Thronfolgeregelung in Japan neu beleben. Nach einer jüngsten Meinungsumfrage würden 71 Prozent der Japaner eine Frau auf dem Thron begrüßen. Schließlich gab es in der 2600-jährigen Geschichte des Hofs bereits acht Kaiserinnen. Obwohl die Kaiserfamilie der Mythologie zufolge direkt von der Sonnengöttin Amaterasu abstammt, lässt das Gesetz nämlich keine Frau auf dem Thron zu. Die letzte regierende Kaiserin in Japan war Gosakuramachi, die 1762 den Thron bestieg. Der jüngste männliche Spross der Kaiserfamilie ist der 1965 geborene Prinz Akishino, Naruhitos jüngerer Bruder.

Komplizierte Lovestory

Als die Eltern des Prinzenbabys, Kronprinzessin Masako (37) und Thronfolger Naruhito (41), am 9. Juni 1993 heirateten, weckte dies bei ausländischen Medien wie auch Gesellschaftskritikern in Japan die Hoffnung auf den »Beginn eines neuen Zeitalters«. Westliche Ausbildung und eine für japanische Frauen noch heute ungewöhnlich steile Karriere machten die bürgerliche Diplomatin Masako Owada zu einer Botschafterin für mehr Offenheit und Gleichberechtigung. Doch dann verschwand die fröhliche junge Frau hinter dem »Chrysanthemenvorhang« des Hofes.

Ungewöhnlich moderne Japanerin

Aufgewachsen in Moskau und New York, besuchte die Tochter von Japans Ex-UN-Botschafter Hisashi Owada die Elite-Universitäten Harvard, Oxford und Tokio. Masako spricht mehrere Sprachen - auch Deutsch. Vor ihrer Hochzeit arbeitete sie in der wichtigsten Abteilung des Außenministeriums, der Nordamerika-Division.

Jahrelanges Werben

Ihren Bewunderern imponierte damals auch, dass sie dem Werben des Kronprinzen, der ihr schon 1987 durch das Hofamt einen Heiratsantrag gemacht hatte, jahrelang widerstanden hatte. Kronprinz Naruhito, Sohn des heutigen Kaisers Akihito und Kaiserin Michiko, gilt als zurückhaltender, aber hochgebildeter Mann mit einem Sinn für englischen Humor. Als erster Kronprinz wurde er nicht getrennt von den Eltern aufgezogen. Seine Mutter hatte die Vorschrift abgeschafft.

Beugte sich der Tradition

Naruhito studierte Geschichte an Tokios Gakushuin-Universität und in Oxford. Nach seiner Heirat mit Masako erwarteten vor allem westliche Medien von ihr drastische Reformen am antiquiert wirkenden Hof. Doch die einstige Musterschülerin fügte sich huldvoll in ihre traditionelle Rolle, ließ sich ihre Garderobe vom Hof verordnen, geht wie es sich gehört, meist drei Schritte hinter ihrem Mann, und selbst was Masako sagen darf, wird zuvor genau abgewogen.

Kommt Neubeginn nach der Geburt?

Bald war von »Entmündigung« durch das Hofamt die Rede und gar von »Depression«. Auch schien die einst fröhliche Masako entmutigt vom mutmaßlichen Versagen, ihrem Mann und dem Volk einen Thronfolger zu gebären. Als sie 1999 eine Fehlgeburt erlitt, machte der Hof die Presse mitverantwortlich. Seither schirmte der Hof Masako noch stärker ab. Viele sind gespannt, ob Masako nach der Geburt ihres Kindes nun mehr zu sich selbst finden kann.

Wenig Freiheit

Naruhito und seine Frau verkehren oft in internationalen Kreisen, empfangen in der Residenz des Kronprinzen Botschafter anderer Länder oder auch Jugendgruppen. Wenn sie nicht gerade mit ihren zahlreichen öffentlichen Verpflichtungen beschäftigt sind, unternimmt das Prinzenpaar gerne Ausflüge in die Berge oder spielt Tennis. Naruhito vertieft sich auch gerne in sein Forschungsgebiet der Geschichte englischer Wasserstraßen des 18. Jahrhunderts oder spielt Geige. Von Masako heißt es, sie kurve gerne mal mit ihrem Auto um ihren Palast.