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Was macht eigentlich ...: ...Linda de Mol?

In den 90er Jahren rührte die semmelblonde Moderatorin das deutsche TV-Publikum mit ihrer RTL-"Traumhochzeit" scharenweise zu Tränen.

Lou van Burg und Rudi Carrell sind tot, Jopi Heesters, Heintje und Sie ziemlich weg vom Fenster ... Ist die große Zeit der deutschen Showholländer endgültig vorbei?

Ich glaube ja. Wieso auch nicht? Es laufen doch in Deutschland so viele einheimische Talente rum und haben nichts zu tun. Wozu also Holländer moderieren lassen? Es gibt doch bei uns auch keine Showmaster mit deutschem Akzent.

Ach was. Woran könnte das denn liegen?

Vielleicht sind die Deutschen einfach ein bisschen zu höflich. Das ist zwar sehr angenehm, aber im Showbusiness auch ein Problem. Ihr seid einfach nicht so spontan, nicht so mutig. Da sind die Holländer anders. Wir sind direkter. Wir stellen und beantworten jede Frage.

Prima. Warum haben Sie sich liften lassen?

Ach, mich haben die Tränensäcke halt gestört und ein paar Falten - Kleinigkeiten. Wieso soll man daraus ein Geheimnis machen? Es gibt Tausende von Schönheitskliniken und Hunderttausende von Frauen, die da hingehen. Und alle erzählen hinterher, dass sie drei Liter Wasser trinken und nur Karotten essen und deshalb so gut aussehen - so 'n Quatsch. Also: Falls ich noch mal was machen lasse, sage ich Ihnen vorher Bescheid.

Danke. Was machen Sie bis dahin?

Unglaublich viel gleichzeitig, das nächste halbe Jahr ist ausgebucht. Zum Glück habe ich eine deutsche Managerin mit einem hundertprozentigen Zeitplan! Ich spiele zum Beispiel die leicht ordinäre Frau eines neureichen Schlagersängers in einer sehr populären Fernsehserie, die ich selber entwickelt habe. Dann moderiere ich immer noch große Shows, bin Chefredakteurin einer Frauenzeitschrift, die "Linda Magazine" heißt ... da bin ich übrigens auch noch bei jeder Ausgabe selbst auf dem Cover.

Wie langweilig.

Sollte man meinen, stimmt aber nicht. "Linda Magazine" ist mit 150 000 verkauften Exemplaren inzwischen hoch erfolgreich in Holland. 150 000! In Holland! Mal war ich mit allen berühmten holländischen Fußballspielern auf dem Titel, mal verkleidet als Chinesin, mal als perfekte rosarote Hausfrau der Sechziger.

Und die Schauspielerei?

Ist das, was ich am allerliebsten mache. Ich habe jetzt sieben Jahre lang eine Kripobeamtin in einer Krimiserie gespielt - in einem Rotterdamer Rotlichtviertel mit Drogendelikten, Mord und Vergewaltigung. Im Moment bereite ich mich auf eine andere heftige Rolle vor. Für einen Thriller muss ich abmagern, mir werden die Haare abrasiert ...

So kennen wir Sie aus der "Traumhochzeit"!

Also, das kann ich mir heute wirklich nicht mehr ansehen. Die Haare, das Make-up, die Deko - alles so altmodisch, furchtbar.

Und erst Ihre ständige Heulerei!

Wenn Frauen weinen, kann ich das prima haben. Aber bei Männern ... wenn da so die Unterlippe anfängt zu zittern, da bin ich weg. Weinende Männer kann ich nicht ertragen.

Deshalb ersparen Sie dem Vater Ihrer Kinder seit zehn Jahren die Rührung und heiraten ihn vorsichtshalber nicht?

Quatsch. Aber als wir uns verliebt haben, waren wir mitten in diesem Traumhochzeitszirkus, er war der Regisseur. Vielleicht haben wir uns damals die Idee, zu heiraten, abgewöhnt angesichts der vielen nervösen Schwiegermütter und weinenden Bräute. Und heute ist alles so perfekt, dass es keinen Grund gibt, irgendwas zu ändern.

Interview: Christoph Wirtz / print