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Was macht eigentlich...: ...Andreas Elsholz?

Der Ost-Berliner war vor 15 Jahren "Gründungsmitglied" der ersten Daily Soap im deutschen Fernsehen - "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Nach fast 1000 Folgen stieg er 1996 aus.

Es ist jetzt genau 20 Uhr. Was machen Sie normalerweise um diese Zeit? Fernsehen?

Sie meinen, weil jetzt "GZSZ" läuft? Ich schaue das tatsächlich noch gelegentlich, aber nicht mehr so oft, als dass ich viel zum Stand der Handlung sagen könnte.

Die Serie war ja einige Jahre der wohl wichtigste Teil Ihres Lebens...

Ja, in drei Jahren habe ich es auf fast 1000 Folgen gebracht. Anfangs wurde hauptsächlich in einem improvisierten Studio in Berlin-Tempelhof produziert, wo wir immer mit dem Drehen aufhören mussten, wenn die S-Bahn vorbeifuhr, später dann am jetzigen Drehort in Potsdam.

Wie sind Sie überhaupt zur Serie gekommen?

Durch ein Casting. Der Sender suchte als Hauptdarsteller für ein neues Format ein "junges unverbrauchtes Gesicht". "GZSZ" war so etwas wie Vorbild für das heutige Privatfernsehen - schnell und günstig produziert bei maximalem Profit für den Sender. Für RTL war die Sendung damals sicherlich eine Gelddruckmaschine. Ich will aber nicht negativ über "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" reden, der Serie habe ich viel zu verdanken. Wir sind damals im Guten auseinandergegangen; die Autoren haben mir auch immer klug ein Hintertürchen für eine Rückkehr offengehalten.

Schluss war für Sie 1996. War die Chance auf eine Musikkarriere der Grund?

Nein, meine "GZSZ"-Mitarbeit und meine Aktivitäten im Musikbiz endeten praktisch gleichzeitig. Grund war, ich konnte einfach nicht mehr und habe die Notbremse gezogen. "GZSZ" war revolutionär neu; ich war jeden Tag auf dem Bildschirm. Fans belagerten meine Wohnung in Köpenick. Öffentliche Verkehrsmittel waren tabu, Privatleben hatte ich kaum. Und dann diese ständigen Interviews. Ich wusste zum Schluss nicht mehr, was ich da überhaupt noch erzählen sollte. Heute gibt es viele Daily Soaps, Telenovelas. Da verteilt sich die Aufmerksamkeit der Kids.

Und dann haben Sie sich erst mal erholt.

Ja, ein paar Jahre brauchte ich, mit viel Sport und langen Spaziergängen mit meiner Partnerin zum Beispiel, bis ich etwas Abstand von diesem Wahnsinn hatte.

Ihre alten CDs sind heute bei Amazon als "Schlager & Oldies" für einen Cent erhältlich ... Erfreulich gefragt sind Sie hingegen noch immer als Schauspieler.

Meine Musikkarriere ist in der Tat abgehakt. Was die Schauspielerei betrifft, lief das immer auf hohem Niveau weiter; teilweise waren die Sachen auch im Ausland erfolgreich. So stehen im Frühjahr wieder einige größere Projekte für das ZDF an.

Ihre Frau Denise ist ebenfalls eine vielbeschäftigte Schauspielerin. Ist das nicht problematisch mit einem vierjährigen Sohn, wenn die Eltern oft beruflich unterwegs sind?

Wir kommen glücklicherweise ohne ein Kindermädchen aus, da sich meine Schwiegereltern um unseren Sohn kümmern können, falls wir einmal beide zeitgleich drehen. Sie sind Ärzte und haben ihre Praxis hier in Berlin.

Wie haben Sie Ihre Frau eigentlich kennengelernt?

Bei den Dreharbeiten zu "GZSZ". Das war vor mittlerweile zwölf Jahren in den bereits erwähnten Studios in Tempelhof. Denise war dort, um einen Film zu synchronisieren.

Zum Schluss eine Klischeefrage: Was würden Sie im Nachhinein anders machen?

Aus heutiger Sicht hätte ich mich wahrscheinlich etwas rarer gemacht, vor der Presse auch ein paar Geheimnisse behalten. Letztendlich war das aber alles okay so; auch das Geld habe ich gut angelegt. Heute habe ich im Leben alles erreicht, wovon ich immer geträumt habe, vor allem eine glückliche Familie.

Interview: Uwe Marx / print
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