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Was macht eigentlich...: ...Eduard Geyer?

Der ostdeutsche Fußballlehrer war der letzte DDR-Auswahltrainer und führte Energie Cottbus von der Regionalliga bis in die Bundesliga.

Mit Hansa Rostock ist auch der letzte Ost-klub aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Tragen Sie Trauer?

Nein. Man darf nicht vergessen, dass Rostock zehn Jahre lang in dieser Liga gespielt hat. Der Abstieg gehört zum Geschäft.

Aber der Osten ist in der Königsklasse nicht mehr vertreten. Schmerzt das nicht?

Natürlich tut das weh. Aber es ist versäumt worden, den talentierten Nachwuchs zu halten. Die Klubs müssen schleunigst dafür sorgen, qualifizierte Übungsleiter für die Jüngsten anzustellen. Ein Problem, das allerdings auch im Westen existiert.

Wo liegt dann der Unterschied?

Im Westen profitiert man noch heute vom Nachwuchs, der nach der Wende aus dem Osten kam. Denken Sie an Ballack, Schneider, Jeremies, Beinlich, Rost und die vielen anderen.

Cottbus hat Sie im November 2004 beurlaubt, Ihr Vertrag aber läuft noch bis Juni 2006. Oder gibt es inzwischen einen Auflösungsvertrag?

Ja, wir sind uns einig. Mein Vertrag endet am 30. Juni 2005.

Sind Sie zufrieden?

Der Verein dürfte zufriedener sein. Er kommt besser weg als ich. Ich habe schließlich auf 50 Prozent meiner mir zustehenden Einkünfte verzichtet.

Sie haben mal gesagt, länger als vier Wochen könnten Sie es ohne Fußball nicht aushalten. Nun ist es schon ein halbes Jahr. Wie geht es?

Recht gut. Nach den ersten zwei Wochen kam eine Phase, in der ich wehmütig wurde. Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen.

So ganz ohne Fußball leben Sie ja nicht. Sie kicken noch jede Woche mit alten Dynamo-Dresden-Spielern wie Riedel, Dörner und Ganzera. Wie halten Sie sich sonst noch fit?

Mit den alten Kollegen treffe ich mich noch regelmäßig, richtig, und wir trinken auch ganz gern ein Bier zusammen. Und dann lauf ich jeden Tag meine zehn Kilometer in der Dresdner Heide. Wenn es jetzt schöner wird, werde ich auch wieder Tennis spielen. Es gehört einfach zum Trainerberuf dazu, dass man nicht aussieht wie ein Fettkloß.

Sie sind jetzt 60. Können Sie sich vorstellen, noch mal als Trainer zu arbeiten?

Natürlich. Rentner bin ich noch nicht. Allein das Wort erschreckt mich schon. Ich bin gut in Schuss, muss ich auch sein. Denn ich war immer ein Trainer, der mit der Mannschaft auf dem Platz stand, der präsent war. Man muss brennen, Ehrgeiz entwickeln und gewinnen wollen. Wenn das nicht mehr geht, höre ich auf. Und so weit bin ich noch nicht.

Sie lernen derzeit intensiv Englisch. Könnte es sein, dass Sie demnächst nach Dubai gehen, wo Ihr ehemaliger Assistent Hagen Reeck als Trainer sein Geld verdient?

Ich kann mir viel vorstellen. Da ich vor allem mit der Sprache motivieren kann, würde ich aber gern im deutschsprachigen Raum arbeiten.

Gibt es einen Wunschverein, bei dem Sie noch mal anheuern würden?

In diesem Geschäft hat man immer Wünsche. Die werden aber selten erfüllt.

Vor Wochen waren Sie wieder für Dynamo Dresden im Gespräch, wo Sie von 1986 bis 1990 auf der Bank saßen. Reizt Sie das?

Als Lokalpatriot schlägt mein Herz für Dresden, klar. Als Jugendlicher aber war Fritz Walter mein Vorbild und Kaiserslautern mein Lieblingsverein. Kaiserslautern wäre was für mich gewesen. Aber viele Klubs wollen ja gar keine Trainer mehr, die ihren eigenen Kopp mitbringen.

Werner Mathes / print