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Allein unter Wessis(1): Eduard Geyer

Eduard Geyer, Rauhbein aus Dresden und Ex-DDR-Coach, führte den unterfinanzierten Ost-Verein Cottbus in die Bundesliga. Mit Kampf und Willen, den Tugenden des DDR-Fußballs.

Eduard Geyer ist vieles:
Ein vorzüglicher Trainer, das beweisen seine Erfolge mit Energie Cottbus, einer Mannschaft, die er aus der Regionalliga im Jahr 2000 in die Bundesliga führte. Auch ein Besessener, der den Sport mit Haut und Haaren lebt, ein Fußballkenner. Vor allem ist er aber: Ostdeutscher. Wie kein anderer Trainer symbolisiert er den Glanz, aber auch den Niedergang der DDR-Fußballschule in der Bundesliga. Geyer weiß zu kämpfen, sei die Situation noch so widrig und aussichtslos. Auch darin erkennen sich viele zwischen Rostock und Zwickau wieder.

Kämpfer als Spieler und Trainer

Dass Fußball für ihn vor allem kämpfen und arbeiten bedeutet, zeigte Geyer bereits während seiner aktiven Spielerkarriere in Dresden beim DDR-Vorzeigeverein Dynamo Dresden, für den er von 1968 an spielte. Er galt als kompromissloser Abwehrspieler, der weder sich noch seine Gegner schonte. Auf dem Platz hatte Ordnung zu herrschen, und nur eine Mannschaft, die diszipliniert spielt, kann gewinnen. Das war seine Überzeugung und ist bis heute sein Credo auch als Trainer: Das einzelne Talent hat sich dem Kollektiv unterzuordnen.

Altmodisches Weltbild

Egal ob der diplomierte Fußballexperte seinen alten Verein Dynamo Dresden , die DDR-Nationalmannschaft oder seine Cottbuser trainierte: Die Spieler wurden zum Konditionsbolzen über die Tartarbahnen gehetzt, in die Wälder geschickt und hatten aufzustehen, wenn der Trainer den Raum betrat. An diesen raubeinigen Trainingsmethoden im Kasernenton hält Geyer auch im Showbusiness Bundesliga fest, wo die Spieler sich mehr als gut bezahlte Ich-AGs denn als unterwürfige Sportler im Dienste der Mannschaft verstehen. Keiner kann wie er sich darüber aufregen, dass die Spieler nicht mehr selbst die Schuhe putzen, oder seine Verachtung darüber artikulieren, wenn sich Spieler wieder nur für Aktienkurse oder Videospiele interessieren.

Legendär auch seine Auslassungen über den Sittenverfall des Männersports im allgemeinen und des Fußballs im besonderen: Ihn würden Spieler ankotzen, klärte er erstaunte Journalisten einmal auf, wenn sie drei Ohrringe tragen. Oder wenn die Spieler mit einem Pferdeschwanz ankommen und aussehen wie ein Mädchen, aber dann keinen Ball treffen würden.

Erfolg durch Disziplin

Man mag lächeln oder den Kopf schütteln über solch antiquierte Weltbilder. Aber verbiegen hat er sich nicht lassen. Auch wenn sich viele ehemalige Spieler aus der DDR wie Olaf Marshall ( "Er war zu lange beim Polizeiverein Dynamo Dresden" ) abfällig über "Ede Gnadenlos" geäußert haben. Erfolg hatte er mit seinen Methoden – auf jeden Fall bis 1989.

1989 für Geyer die Wende ins Abseits

So wurde er nicht nur mit Dynamo Dresden, dessen Trainer er seit 1986 war, DDR-Meister, sondern schaffte es 1989 mit dem Team bis in das Halbfinale des UEFA-Cups. Er wurde zum Nationaltrainer mit weitreichenden Kompetenzen berufen und war in der WM-Qualifikation 1990 auf einem guten Weg, als die Mauer fiel. Vier Monate zu früh, merkte Geyer später sarkastisch an, denn jetzt war es vorbei mit der Herrlichkeit: Die meisten Spieler aus seiner Elf wie Thom, Marshall und Sammer folgten dem Lockruf des Geldes in den Westen und mit dem Staat ging auch seine Mannschaft unter. Und Geyer war nun statt bei der WM plötzlich arbeitslos. Kein Bundesligist meldete sich bei Geyer.

Wiederauferstehung mit Cottbus

Als 1991 seine Stasi-Vergangenheit ans Licht kam, schien das Kapitel Bundesliga endgültig abgeschlossen. Er ging zunächst nach Ungarn, kehrte dann aber wieder nach Deutschland zurück, wo er 1994 beim völlig unbekannten Regionalligisten Energie Cottbus unterschrieb. Mit seiner Hartnäckigkeit gelang ihm das Wunder: Er nahm hungrige Spieler unter seine Fittiche und die Mannschaft kämpfte sich mit Leidenschaft und Opferbereitschaft in die höchste deutsche Spielklasse.

In der wirtschaftlich schwachen Lausitzer Region setzte Euphorie ein und trotz spielerischer Defizite konnte der Verbleib in der deutschen Eliteliga gesichert werden.

Auch in der Zweiten Liga bleibt Geyer dem Verein erhalten. Damit es wieder nach oben geht. Für den Kämpfer. Beispielgebend für seine Landsleute.

Christoph Marx

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