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Was macht eigentlich...: ...Engelbert Humperdinck?

Als "King of Romance" feierte der Sänger mit Schmusesongs wie "Release Me" weltweit Erfolge. Die Kundschaft: weiblich, im reifen Alter.

Sie wurden als Arnold George Dorsey geboren. Wie bitte kommt man auf einen Künstlernamen wie Engelbert Humperdinck?

Ich hatte einen Namen gesucht, der nicht zu gewöhnlich klingt. Da ich ein halber Deutscher bin, entschied ich mich schließlich dafür, den Namen des deutschen Komponisten Engelbert Humperdinck anzunehmen, der 1921 gestorben war. Ich habe damit erreicht, was ich wollte: Dieser Name ist einzigartig im Showgeschäft und wird weltweit mit meiner Person in Verbindung gebracht, auch wenn er schwierig auszusprechen ist. In Deutschland durfte ich übrigens den Namen Humperdinck nie offiziell benutzen, weil die Familie des Komponisten dagegen geklagt hat. Dort kennt man mich deshalb nur als Engelbert.

Sie gelten als "König der Romanze". Verraten Sie doch bitte mal, wie man eine Frau am besten verführt.

Jedenfalls nicht mit billigem Macho-Gehabe. Ich gehöre zu einer Generation, die gemeinhin als "old school" bezeichnet wird. Gerade in den traditionellen Werten, die leider mehr und mehr aus der Mode kommen, liegen so viele Verführungschancen. Wer hält denn heute noch einer Frau die Tür auf oder hilft ihr in den Mantel? Das sind die Momente, in denen ein Mann seinen Charme gewinnbringend einsetzen kann.

Wie viele BHs und Slips sind Ihnen während Ihrer fast 45-jährigen Karriere auf der Bühne um die Ohren geflogen?

Ich habe sie nicht gezählt, es waren einige. Wir haben sie gesammelt und meistens zur Altkleidersammlung gegeben.

Stimmt es, dass sich Elvis Presley die wulstigen Koteletten und seine späten Leder-Outfits bei Ihnen abgeguckt hat?

Ja. Ich war einer der Ersten, die in den Siebzigern Koteletten trugen. Als ich Elvis in Las Vegas kennen lernte, fand er das cool und hat sich prompt auch welche wachsen lassen. Kurz darauf ist er auch in Lederklamotten aufgetreten. Aber das war okay für mich, wir waren gut befreundet.

Hätten Sie wie Elvis auch gern mehr rockige Songs gesungen, anstatt immer nur den Schnulzensänger zu geben?

Ich habe immer wieder mal verschiedene Musikstile ausprobiert, von Gospel bis Swing - und auch mal Rock. Aber Liebeslieder sind eben mein Markenzeichen, damit habe ich mehr als 130 Millionen Platten weltweit verkauft. Das spricht für sich. Und die Leute wollen mich noch immer hören. Ein neues Album mit den schönsten Lovesongs aus fünf Jahrzehnten kommt schon bald auf den Markt, und eine Tournee durch Europa ist in Planung.

Sie werden im nächsten Jahr 70. Haben Sie nicht die Nase voll von Touren?

Nein, ich gebe noch immer bis zu 140 Konzerte pro Jahr. Das ist meine Welt, ich liebe es, auf der Bühne zu stehen und die Menschen zu unterhalten. Es ist schon unglaublich zu sehen, wie sehr die Fans bei Songs wie meinem größten Hit "Release Me" immer noch ausflippen.

Und was machen Sie in der verbleibenden freien Zeit?

Ich spiele leidenschaftlich gern Golf mit einem Handikap von 10, treibe viel Sport in meinem Fitnessraum, fahre eine meiner fünf Harley-Davidsons spazieren. Außerdem bin ich ein Familienmensch. Meine vier Kinder haben uns bereits drei Enkel beschert, allesamt Jungs. Mein jüngster Sohn versucht übrigens derzeit, in England als Musiker in meine Fußstapfen zu treten. Er wird allerdings kein zweiter "King of Romance" werden, seine Musik ist eher progressiv.

Interview: Andreas Renner

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