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Was macht eigentlich...: ...Johann Traber junior?

Vor einem Jahr verunglückte vor Hunderten von Zuschauern der Hochseilartist bei der Einweihung des neuen Hamburger Jungfernstieges - und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Herr Traber, Sie gehen noch etwas steif...

Dass ich überhaupt wieder laufen kann, hätte vor zehn Monaten keiner gedacht. Die Ärzte haben gesagt: Der kommt nie wieder auf die Beine, aber ich habe ihnen gezeigt, was ein Traber ist. Ich bin ein Kämpfer und sehr ehrgeizig. Sehen Sie, ich kann sogar vor Ihnen knien und Ihnen zu Füßen liegen.

Ihren Humor haben Sie jedenfalls behalten.

So bin ich. Eine Zeit lang allerdings wollte ich mich umbringen. Als ich im Oktober aus Hamburg zurück in eine Klinik im Schwarzwald kam, ging es mir psychisch sehr schlecht. Dort waren fast nur ältere Menschen, und ich war sehr trübsinnig.

Gab es Momente, in denen Sie keine Lust mehr hatten zu kämpfen?

Immer wieder, erst vor Kurzem in der Reha-Klinik in Bad Krozingen. Ich war so niedergeschlagen, dass sie mir Antidepressiva geben wollten. Aber meine Mutter hat gesagt: Nimm das nicht, das macht dich kaputt. Ich habe auf sie gehört und mich aufgerappelt. Meine Familie gibt mir Kraft, vor allem meine Eltern. Ohne sie würde ich nicht mehr leben wollen.

Haben Sie an den Tag des Unfalls irgendwelche Erinnerungen?

Nein, ich erinnere mich an gar nichts mehr. Und als ich damals aus dem Wachkoma aufwachte, musste ich alles mühsam und mit viel Zeit neu lernen - sprechen, laufen, essen, auf die Toilette gehen.

Ihr Ehrgeiz hat Sie schneller lernen lassen, als die Ärzte es erwartet hätten.

Ja, die haben gesagt, andere wären an nur einer meiner schweren Verletzungen gestorben. Ich hatte schlimme Gehirnverletzungen, Knochenbrüche. Aber ich bin zäh. Ich vermisse mein Leben und will sobald wie möglich meinen Beruf wieder ausüben. Und es kotzt mich an, andere um Hilfe zu bitten.

Wollen Sie etwa wieder aufs Seil?

Spätestens im Sommer. Allerspätestens.

Was, wenn Sie dort oben Angst bekommen? Sie haben mal gesagt, Angst dürfe man nie haben in diesem Beruf.

Ich arbeite anfangs mit Sicherung. Das will auch mein Papa so. Für den Fall der Fälle. Denn Angst kann man immer bekommen.

Nur anfangs? Die Trabers sind bekannt für gewagte Kunststücke ohne Sicherung.

Und das ist richtig so. Wir sind nicht ohne Grund berühmt. Wenn wieder alles beim Alten ist, bin ich auf dem Seil ungesichert, wie früher.

Was lieben Sie nur so an diesem gefährlichen Beruf?

Das Reisen. Ich kann etwas Italienisch, Französisch, Spanisch, Griechisch, Dänisch und ziemlich gut Englisch.

Reisen kann man auch in weniger riskanten Berufen.

Ach was, ich bin so aufgewachsen. Für mich ist das meine Arbeit, die ich sehr gerne mache. Ich habe im Winter schon mal als Aushilfe in einer Spedition gearbeitet. Gutes Geld - aber so langweilig.

Wie geht es jetzt weiter?

Eins ist klar - Geduld habe ich keine mehr. Jeden Tag Physio-, Ergo-, Psycho-, Sprachtherapie und Massage. Diese Warterei, bis mein Leben endlich wieder losgeht - furchtbar. Ich hab gerade Geburtstag gehabt, der erste seit dem Unfall. Eine Riesenfete mit allen Verwandten. Aber ich werde auch den Tag meines Absturzes feiern - quasi mein zweiter Geburtstag.

Im Frühling geht es auch für die Traber-Show wieder los. Fahren Sie mit?

Ich fahre mit und freue mich sehr, wieder mal unterwegs zu sein. Auf dem Münchner Frühlingsfest im April plant mein Papa sogar ein Kunststück mit mir. Das wird eine Überraschung - und vielleicht der Beginn meines Comebacks.

Interview: Christine Zewes / print
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