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Was macht eigentlich ...: Erin Brockovich

Die Anwaltsgehilfin enthüllte 1996 nach vier Jahren hartnäckiger Recherche einen der größten Umweltskandale Amerikas - für Hollywood Vorlage zu einem höchst erfolgreichen Film.

Die Anwaltsgehilfin enthüllte 1996 nach vier Jahren hartnäckiger Recherche einen der größten Umweltskandale Amerikas - für Hollywood Vorlage zu einem höchst erfolgreichen Film.

Zur Person:

Erin Brockovich, 41, ist dreifache Mutter und arbeitet als Leiterin der Umweltabteilung nach wie vor in der Kanzlei Masry & Vititoe, wo sie 1991 als Aktensortiererin angefangen hatte. Ihre Untersuchungen zahlreicher Krankheitsfälle im kalifornischen Ort Hinkley führten zu einer Sammelklage gegen den milliardenschweren Energie-Riesen Pacific Gas & Electric, der krebserzeugende Chemikalien ins Grundwasser geleitet hatte. Der Konzern musste Schadensersatz in der Rekordhöhe von 333 Millionen Dollar zahlen. Im Jahr 2000 verfilmte Steven Soderbergh die Geschichte, Julia Roberts gewann als »Erin Brockovich« einen Oscar.

Arbeiten Sie mal wieder an einer Klage gegen Umweltsünder?

Sogar an einer Menge Klagen. Eine übrigens auch wieder gegen Pacific Gas & Electric. Die haben einfach nichts dazugelernt. Aber ich bin im vergangenen Jahr vor allem mit Vortragsreisen beschäftigt gewesen. Ich erzähle, was ich im Leben gelernt habe, und verrate ein paar gute Tricks und Kniffe.

Zum Beispiel?

Man sollte seinem Herz folgen. Niemand kennt dich besser als du selbst - du musst dir nur vertrauen. Die meisten Leute hören aber nicht auf ihre innere Stimme, weil sie Angst davor haben, was die anderen sagen. Und man hat vielleicht auch nicht sofort Erfolg damit. Aber ich garantiere: Man fühlt sich sofort besser.

Klingt gut. Noch ein Tipp?

Dranbleiben! Du musst kein Genie sein. Die Welt ist voll von Genies, die es zu nichts gebracht haben. Die Hauptsache ist, du hast ein Ziel und verfolgst es hartnäckig. Ich bin keine große Leuchte, aber meine Hartnäckigkeit hat mich weit gebracht.

Wohl wahr. Steigen Sie trotzdem immer noch in verseuchte Abwasserkanäle?

An die ganz gefährlichen Orte gehe ich nicht mehr. Als ich den Pacific-Gas-&-Electric-Skandal recherchierte, bekam ich Ausschläge, Nasenbluten und Erschöpfungszustände - und ich dachte mir nicht mal was dabei. Bei einer anderen Recherche wurde mein Immunsystem durch giftige Abgase schwer beschädigt. Eine normale Erkältung kostet mich seither mehrere Wochen.

Müssten Sie überhaupt noch arbeiten?

Ich hatte mal 2,5 Millionen Dollar, aber das meiste davon ist weg. Steuern, die Schule für meine Kinder. Mein Sohn hatte Drogenprobleme, und die Therapie kostete sehr viel. Dann habe ich ein Haus gekauft, und was an Geld noch übrig ist, geht für Reparaturen drauf.

Vor zehn Jahren waren Sie noch bettelarm. Hat der Wohlstand Sie verändert?

Es heißt immer, wenn du reich wirst, veränderst du dich. Aber das stimmt nicht. In Wahrheit verändern sich alle anderen.

Vor allem Ihre Ex-Ehemänner scheinen ganz neue Seiten an sich entdeckt zu haben...

Mein erster Ehemann Shawn Brown wollte mich erpressen, zusammen mit dem netten Motorradfahrer, der auch im Film vorkommt. Sie drohten, mich als Rabenmutter anzuschwärzen. Die Sache flog aber auf, und sie bekamen eine Menge Ärger mit der Polizei. Geschieht ihnen recht. Und dann hat mich auch mein zweiter Ehemann Steven Brockovich verklagt, weil ich behauptet habe, er hätte nicht regelmäßig Unterhalt für die Kinder bezahlt. Hat er auch nicht. Von mir bekommt er keinen Pfennig.

Sie klingen ziemlich unerschrocken.

Der Name meiner Ex-Männer taucht auch in meinem neuen Buch auf. Da werden sie mich wohl wieder verklagen. Sollen sie nur.

Aber mit Ihrem derzeitigen Ehemann Eric Ellis läuft alles gut?

Sogar sehr gut. Wir sind jetzt seit drei Jahren verheiratet. Ich habe Eric schon 1993 kennen gelernt. Er ist Schauspieler. Ich wäre damals gern mit ihm ausgegangen, aber ich war zu beschäftigt, und außerdem hatte ich ja den Motorradfahrer. 1998 hat mich Eric dann wieder angerufen, und seither sind wir keinen Tag getrennt gewesen.

Haben Sie noch Kontakt zu Julia Roberts?

Kontakt nicht, aber ich spüre eine Art Verbindung zu ihr. Geht ja gar nicht anders: Sie hat mich perfekt dargestellt, und das hat mein ganzes Leben verändert. Vor ein paar Wochen durfte ich die olympische Flamme ein Stück tragen. Das ist irgendwie surreal. Wenn ich mein Leben anschaue, denke ich manchmal nur: »Wow.«

Interview: Andreas Hutzler