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Designierter US-Präsident "Wollen Sie mich veräppeln?": Umweltaktivistin Brockovich attackiert Biden wegen dessen Teamauswahl

Umweltaktivistin Erin Brockovich und der designierte US-Präsident Joe Biden
Umweltaktivistin Erin Brockovich und der designierte US-Präsident Joe Biden
© Gregory Philipps / Joe Raedle / Picture Alliance / DPA / AFP
Joe Biden hat Ärger mit der prominenten Umweltaktivistin Erin Brockovich. Das Vorbild für den gleichnamigen Film mit Hollywoodstar Julia Roberts ist mit der Personalauswahl des designierten Präsidenten gar nicht einverstanden.

Joe Biden ist noch nicht einmal im Amt, da bekommt der designierte US-Präsident schon Gegenwind von prominenter Seite: Die Umweltaktivistin Erin Brockovich hat den Sieger der Präsidentschaftswahl vom 3. November scharf attackiert, weil dieser einen ehemaligen Berater des Chemieriesens Dupont als Verantwortlichen für den Bereich Umweltschutz in sein Übergangsteam berufen hat.

"Ich hatte gehofft, dass diese neue Regierung den Beginn einer neuen Zeit einläuten würde", schreibt Erin Brockovich, die durch den gleichnamigen Film mit Hollywoodstar Julia Roberts in der Titelrolle weltweit bekannt wurde, in einem Gastkommentar im britischen "Guardian". "Als die Auswahl für das Übergangsteam der Umweltschutzbehörde des designierten Präsidenten Joe Biden bekannt gegeben wurde, fühlte ich mich besorgt und entmutigt, weil ein Insider der chemischen Industrie auf der Liste steht. Wollen Sie mich veräppeln?"

Biden-Mitarbeiter verteidigte giftige Chemikalie

Biden hat Anfang November Michael McCabe eingestellt, damit dieser ihn bei der Übernahme der Geschäfte der US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) unterstützt. McCabe arbeitete bereits zwischen 1987 und 1995 für den Demokraten als Kommunikationschef und Projektleiter und war am Ende der Präsidentschaft von Bill Clinton als stellvertretender Verwalter der EPA tätig.

Nach seiner Zeit in der Politik fing McCabe als Berater für Kommunikationsstrategien bei Dupont an und beriet den Konzern von 2003 bis 2006 bei dessen Feldzug gegen die Regulierung von Perfluoroctansäure (PFOA). Unter Ausnutzung seiner noch frischen Beziehungen zu seinen ehemaligen Regierungskollegen gelang es ihm dem Portal "The Intercept" zufolge, Dupont dabei zu helfen, den Bemühungen der Behörde um verbindliche Grenzwerte für die gefährliche Chemikalie auszuweichen.

In der EU ist PFOA seit 2020 verboten. Die Chemikalie ist laut Bundesumweltamt für Menschen giftig, schädigt die Fortpflanzung und baut sich in der Umwelt nicht ab.

"Es sollte selbstverständlich sein, dass jemand, der Dupont bei der Vermeidung von Regulierungen beraten hat, niemand ist, den wir als Berater dieser neuen Regierung haben wollen", schreibt Brockovich in ihrem Gastkommentar und moniert: Das Volk solle offenbar einem ehemaligen Dupont-Mitarbeiter vertrauen, der als Teil eines Übergangsteams mit der Überprüfung des Chemical Safety Boards (Behörde für Chemiesicherheit und die Überprüfung von Chemieunfällen) verantwortlich sei.

Plastik und Kunststoff in unserem Alltag

"Will die neu gewählte Führung auf diese Weise ihre Regierungsarbeit beginnen, die eigentlich heilen und vereinen soll?", fragt die 60-Jährige Richtung Biden. "Greifen wir bereits auf die alte und antiquierte Führung des Versteckens, Verschweigens, Ausweichens und Verleugnens zurück, oder werden Sie zum Vorschein kommen und die Veränderung und Hoffnung sein, die wir brauchen, wenn es um die Umwelt geht?"

Brockovich beendet ihren Text mit den Worten: "Führungskräfte von Dupont sollten keinen Platz in der Umweltschutzbehörde haben. Ich fordere Joe Biden auf, das Richtige zu tun."

Nach der Veröffentlichung ihres Kommentars postete die Aktivistin einen Link dazu auf Twitter. In einem weiteren Tweet warnte sie Biden: "Diese neue Regierung muss wissen, dass sie, nur weil sie auf die vielleicht abscheulichste unserer Geschichte folgt, keinen Freifahrtschein bekommt – sie muss wissen, dass wir sie beobachten und nicht schweigen werden. Niemals."

Quellen: "The Guardian"Bundesumweltamt"The Intercept", "The Hill"


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