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Was macht eigentlich ...: Gene Simmons

Mit gruselig geschminkten Gesichtern, Horrorkostümen und explosiven Bühnenshows rockten der Bassist und seine Band Kiss erfolgreich durch die Siebziger.

Zur Person

Gene Simmons, der als Chaim Witz im israelischen Haifa geboren wurde, siedelte im Alter von neun Jahren mit seiner Mutter nach New York über. Nachdem er als Teenager in diversen Bands gespielt hatte, gründete Simmons Anfang der siebziger Jahre mit Ace Frehley, Paul Stanley und Peter Criss die Gruppe Kiss, die mit hartem Rock und bombastischen Konzerten zu einer der erfolgreichsten Bands ihrer Zeit aufstieg. Bis zu seiner Abschiedstournee 2000 hatte das grelle Quartett weltweit über 80 Millionen Platten verkauft. Nach der Trennung ver öffentlichte Simmons seine Autobiografie "Kiss & Make-up" und gründete sein eigenes Magazin "Tongue". Derzeit arbeitet er an einer Modekollektion.

Wir haben Sie gleich persönlich am Telefon erwischt. Haben Sie keine Sekretärin?

Nein. Wenn du möchtest, dass etwas funktioniert, mach es selbst. Das praktiziere ich als Multiunternehmer seit Jahren.

Was machen Sie?

Ich habe mein Männermagazin "Tongue" auf den Markt gebracht, kümmere mich um die Interviews, akquiriere zur Not auch die Anzeigen selbst. Nebenbei leite ich das Merchandising von Kiss, baue mein Plattenlabel und einen Buchverlag auf und kreiere eine Modeserie. Zum Spaß, denn meinen Lebensunterhalt muss ich längst nicht mehr verdienen. Mein letztes Baby waren Kiss-Särge und Kiss-Kondome.

Schräg, oder?

Ein echter Kiss-Fan, der Sex zu unserer Musik haben möchte, bekommt mit einem Kiss-Kondom einen zusätzlichen Kick.

Haben Sie auch bei Kiss die Geschäfte geführt?

Ja, wir haben uns selbst gemanagt, warum sonst glauben Sie, ist Kiss eine der erfolgreichsten amerikanischen Bands aller Zeiten. Viele Künstler machen den Fehler, dass sie sich nur auf die Show konzentrieren und das Business dabei vernachlässigen. Deshalb werden so viele Musiker von ihren Managern beschissen.

Ging Ihnen die Schminkerei zum Kiss-Monster nie auf die Nerven?

Anfangs war es noch ganz lustig, weil uns ohne Schminke kaum jemand erkannte. Es hat über eine Stunde gedauert, bis das Make-up fertig war, und eine weitere Stunde, bis wir das Zeug wieder abgewaschen hatten. Nach 15 Jahren hatten wir aber die Schnauze voll und sind fortan nur noch ungeschminkt aufgetreten.

Ihre Zunge hat Ihnen den Spitznamen "Frauenglück" eingebracht. Warum wohl?

Weil das Teil extrem lang und unglaublich beweglich ist. Ich war bei Kiss das Bandmitglied mit den meisten Groupies.

Sie waren nie verheiratet, wieso?

Wenn Leute heiraten, verändert das ihr Leben. Manchmal zum Besseren, manchmal aber leider auch zum Schlechteren.

Aber Sie haben Kinder.

Zwei, von denen ich weiß. Einen 13-jährigen Jungen und ein zehnjähriges Mädchen.

Mögen die Ihre Musik?

Weniger, sie stehen mehr auf Bands wie Linkin Park oder auf Britney Spears. Aber ich kann damit leben. Ich höre selbst gerne mal Eminem oder andere Rapper.

Sie wurden in Israel geboren und kamen mit neun Jahren nach New York. Fühlen Sie sich als Amerikaner oder als Israeli?

Als Weltbürger. Es darf keine Rolle spielen, ob jemand in Israel, Deutschland oder Amerika zur Welt kommt, man ist deshalb kein besserer oder schlechterer Mensch.

Haben Sie Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Nahen Osten?

Paradox, dass auf der Welt mehr Menschen im Namen Gottes ums Leben gekommen sind als durch Seuchen und Krankheiten. Das Problem in diesem Zeitalter ist, dass nun auch die Muslime es den Christen nachtun, die bereits seit Jahrhunderten Andersdenkene killen.

Warum dieser Extremismus?

Internet und Fernsehen lassen die Welt immer kleiner erscheinen. Der wachsende Informationsfluss war auch ein Grund dafür, dass die Sowjetunion auseinander gefallen ist. Ähnliches passiert derzeit im Nahen Osten. Die Leute haben es satt, in Armut leben zu müssen, während sie Bilder sehen, wie sich Menschen in den Industrienationen Fettleibigkeit anfressen.

Haben Sie noch Familie in Israel?

Ich will nicht darüber sprechen, es gibt zu viele Wahnsinnige da draußen, die auf die dümmsten Gedanken kommen könnten. Traurig genug.

Interview: Andreas Renner

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