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Was macht eigentlich...: Gerhard Seyfried

Der Berliner Zeichner avancierte in den Siebzigern und Achtzigern mit seinen subversiven UNDERGROUND-COMICS zur Kultfigur der Alternativ- und Hausbesetzerbewegung

Der Berliner Zeichner avancierte in den Siebzigern und Achtzigern mit seinen subversiven UNDERGROUND-COMICS zur Kultfigur der Alternativ- und Hausbesetzerbewegung

Zur Person:

Der 54-Jährige lebt seit 1976 an der Oberbaumbrücke in Berlin-Kreuzberg. Nach einer Lehre als Industriekaufmann begann Seyfried ein Malerei- und Grafik-Studium an der Münchner Akademie für das Graphische Gewerbe, die er wegen Streiks gegen die Notstandsgesetze vorzeitig verlassen musste. Später verkaufte er mit aufrührenden und polizeifeindlichen Comic-Büchern wie "Wo soll das alles enden" (1978) und "Das Schwarze Imperium" (1984) Hunderttausende pro Buch und wurde zur Ikone der alternativen Szene

Grüezi, Herr Seyfried. Darf man in der Schweiz kiffen?

Ja. Aber richtig erlaubt ist es auch nicht.

Sie sind noch in Berlin. Wir dachten, Sie wären schon, wie angekündigt, Eidgenosse?

Im Sommer hat es nicht geklappt. Ich hoffe, dass ich im Frühling auf der deutschsprachigen Seite des Röschti-Grabens, so zwischen Bern und Basel, lebe.

Ziehen Sie allein um?

Ja, mangels Kind und Kegel.

In den Siebzigern und Achtzigern gab es in Berlin kaum eine WG-Klotür ohne Anarcho-Zwerg mit Bombe und nur wenige Wohnungstüren ohne die Bullen, die draußen bleiben müssen. Ihre Deutschlandkarten mit Orten wie Bremersklaven oder Bad Ohrensausen waren wegweisend. Warum verlassen Sie Rest-Berlin?

Weil Rost-Berlin dazukam. Ich werde zu alt für Berlin, die Hektik, den Lärm und den ganzen Zoff hier. Ich zeichne fast nur noch für Schweizer Verlage. Die haben gesagt: Zieh doch her, bei uns ist alles viel schöner, auch die Steuererklärung. Und das alte Kreuzberg ist eh hin. Seit ein paar Jahren begrüßen sie ein paar Häuser weiter das neue Jahr mit scharfen MP-Garben in den Himmel. Der Polizei ist das wurscht. Ich bin kein Kreuzberg-Kenner, auch wenn´s mich beeinflusst, angetörnt hat, großartiger Ideenlieferant war.

Seit der Wende verkaufen sich Ihre Comics nicht mehr so gut. Haben Sie sich thematisch zu sehr festgelegt, oder sind Sie politisch enttäuscht?

Wie das klebt. Die Leute gucken immer nach alten Freaks und Bullen. Da bin ich längst nicht mehr. Das ist wie bei den Rockmusikern. Sie werden älter und besser, aber man will von ihnen die alten Stücke hören.

Warum läuft es nicht gut?

Okay, ich mache nur, wozu ich Lust habe. Die Verlage können keine Werbung mehr machen. Computer und Fernsehen saugen Leser weg in einem Land, das nie mehr als eine halbe Hand voll Comic-Zeichner zu ernähren versucht hat. Trotzdem habe ich immer noch Auflagen von teils 20000 bis 50000. Nur, dass das nicht reicht.

Wie bitte?

Meine Kollegin Ziska, mit der ich drei Comics gemacht habe, und ich haben mit dem letzten einen Stundenlohn von fünf Mark gehabt. Zusammen. Für ein ganzes Jahr Arbeit. Wir können uns nicht ewig von unseren Eltern durchfüttern lassen in unserem Alter.

Um Ihren ersten Titel zu zitieren: Wo soll das alles enden?

Ich habe die letzten drei Jahre auch vom Vorschuss für meinen ersten Roman gelebt, über die deutsche Kolonialzeit, 600 Seiten, heißt "Herero" und ist gerade rausgekommen. Irgendwie hat mich das entzündet, als ich in Namibia war. Ich bin mit den Kolonialromanen meines Vaters aufgewachsen. Dieses Land hatte die Deutschen schon immer am Wickel, wenn sie nur einen Fuß reingesetzt haben. Ich erzähle die Geschichte eines deutschen Kartographen, der eine Stelle in Windhoek antreten soll. Kaum angekommen, bricht der Herero-Aufstand aus. Man drückt ihm ein Gewehr in die Hand und schickt ihn gegen die Neger.

Werden Ihnen in der Schweiz nicht die Hausdurchsuchungen fehlen?

Was hätte ich an Bullen auszusetzen? Hier in Berlin schleichen deutsche Kommissare im Dunkel der Nacht bei mir vorbei, einer hat gar seine Freundin vorgeschickt, um Originale zu kaufen. Auch international ist alles bestens. Die tasmanische Polizei hat mir gestern eine E-Mail geschickt: "Keep up the good work!"

Interview: Jürgen Blume

Themen in diesem Artikel
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?