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Was macht eigentlich...: Günter Eichberg

Mit dem Klinikbesitzer an der Spitze erlebte der ohnehin skandalträchtige FC Schalke 04 Anfang der 90er besonders turbulente Zeiten

Zur Person:

Günter Eichberg, 58, in seinem Heimatort Bad Bertrich und 1989 im Gelsenkirchener Parkstadion. An seiner Seite der verstorbene FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann, der zum Aufsichtsrat des Fußballbundesligaklubs FC Schalke 04 gehörte. Eichberg war von 1989 bis 1993 Schalkepräsident. Er führte den Verein aus der 2. Liga zurück in die Bundesliga. Eichberg, damals Chef mehrerer Krampfader-Kliniken, investierte Millionen aus der Privatschatulle. Weggefährten sprachen von einer "hemmungslosen Ausgabensucht" des einstigen Juso. Unvergessen ist, dass er die Beerdigungsfeierlichkeiten für die Fußball-Legende Ernst Kuzorra wiederholen ließ, weil er zu spät gekommen war

Das Interview mit Günter Eichberg führte Marc Schürmann

Herr Eichberg, man nannte Sie den "Sonnenkönig", weil Sie so großzügig mit den Millionen umgingen. Heute setzt der FC Schalke ein Vielfaches um, besitzt ein hochmodernes Stadion und teure Stars - und ist doch wieder im Gerede.

Der Verein steht besser da, als es die Situation ausdrückt. Ich habe das Konzept des Stadions, wie es heute steht, hinterlassen. Es gehört dem Klub. Und ich habe Rudi Assauer geholt, gegen großen Widerstand.

Aber ist nicht der Manager Schalkes Problem? Er hat zuletzt mehrere Trainer verschlissen, auch Jupp Heynckes schon wieder gefeuert.

Der ist ein Trainer der strengen Schule, der den Ton der heutigen Spielergeneration nicht trifft. Das sind Millionäre mit hohem Selbstbewusstsein. Trotzdem ist Assauer der Richtige. Er gibt alles für Schalke. So jemand macht auch Fehler. Ich glaube aber nicht, dass es vereinsintern eine Mehrheit gäbe, ihn zu kippen.

Haben Sie Kontakt zu Assauer?

Ja, aber die Trainerfrage war nie unser Thema. Ich würde ihm raten, die Sache jetzt langsam anzugehen und vorerst den größten Teil der Verantwortung als eine Art Übertrainer selbst zu tragen.

Was halten Sie von der Mannschaft und dem Gesamtbild des Klubs?

Das Team kann sicher viel besser spielen. Nur hätte ich versucht, einen offensiven Mittelfeldspieler wie Micoud zu gewinnen, der zu Ailton passt. Aber so einer war offenbar nicht zu kriegen. Und im Verein vermisse ich dieses Hemdsärmelige, das man früher auch unter den Führungskräften hatte. Da ist es sehr viel sachlicher und geschäftsmäßiger geworden - wie überall.

Sie bedauern es, dass die alten Vereinspatriarchen verschwunden sind?

Emotional finde ich es schade. Aber die heutige Form der Vereinsführung ist wahrscheinlich richtiger. Und es gab auch früher nur einige wenige, die so ausgeprägte Persönlichkeiten waren, dass sie für ihren Verein ihr letztes Hemd gegeben hätten. Da zähle ich mich auch dazu. Nur die Schalker Fans sind immer noch wie früher, ganz unverbraucht. Köstlich.

Sie sind wegen diverser Fehleinkäufe und der geschätzten Schuldenlast von damals 20 Millionen Mark angepöbelt worden.

Ich habe den Verein von 1989 bis 1993 vom letzten Platz der 2. Liga auf den elften Platz der Bundesliga geführt. In der Zeit sind die Schulden um zwei Millionen Mark gewachsen. Unter einem Schuldenberg versteht man etwas anderes. Außerdem habe ich einen zweistelligen Millionenbetrag privat investiert.

Warum sind Sie ausgeschieden?

Als Klinikbetreiber war ich auf Banken und Krankenkassen angewiesen. Die wollten nicht mehr einsehen, dass ein Teil meines Geldes nach Schalke wanderte. Die haben mich unter Druck gesetzt, freiwillig wäre ich nie ausgeschieden.

Sind Sie nicht auch wegen dubioser Geschäfte gegangen?

Tatsache ist: Es gab keine Konkursverfahren gegen mich, sondern gegen die Käufer meiner Kliniken. Aus dieser Zeit sind die Dinge aus meiner Sicht geregelt.

Was haben Sie seitdem gemacht?

Ich war fast zehn Jahre in Palm Beach, habe ein Medikament gegen Diabetes entwickeln lassen. Das ist leider von den US-Behörden nicht zugelassen worden. Seit zwei Jahren arbeite ich im alten Geschäftsbereich, dem Gesundheitswesen: Ich berate Kliniken und Krankenkassen.

Und sonst?

Seit Juni bin ich außerdem ehrenamtlicher Bürgermeister in Bad Bertrich, wo ich meine erste Klinik gebaut habe. Das ist ein Staatsbad in Rheinland-Pfalz. Dort gibt es eine von nur zwei Glaubersalz-Quellen der Welt. Ich werde versuchen, dieses Heilwasser für den Ort besser zu vermarkten - Mineralwasser ist ja ein Riesengeschäft.

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