Was macht eigentlich... Jon Provost


Sieben Jahre lang bestand der in Los Angeles geborene Kinderstar als Timmy mit seinem Collie Lassie Abenteuer fürs Fernsehen - als jüngster Serien-Schauspieler seiner Zeit

Zur Person:

Jon Provost, 54, mit Beagle Barny und seiner zweiten Frau Laurie Jacobson, einer Schriftstellerin, vor ihrem Haus im kalifornischen Santa Rosa. Provost hat aus der ersten Ehe zwei Kinder, Ryan, 20, und Katie, 18. Er arbeitet heute als Makler, hat sich jetzt jedoch einen Agenten gesucht, mit dem er Angebote aus der Werbung prüfen will. Außerdem schreibt er mit seiner Frau zusammen seine Erinnerungen. Foto rechts: Mit sieben Jahren startete Provost seine Karriere bei "Lassie", 1964 war Schluss

Das Interview mit Jon Provost führte Andreas Renner

Ihr Haus ist gespickt mit Fotos und Erinnerungsstücken aus Ihrer Zeit als Kinderstar. Vermissen Sie das Showgeschäft?

Meine Mutter hat einige der Original-Requisiten gerettet. So auch eines der karierten Hemden, das ich als Timmy getragen habe; heute hängt es gerahmt über dem Kamin. Nein, ich vermisse das Business nicht wirklich. Ich lebe zufrieden im Sonoma Valley, habe meine beiden Kinder großgezogen und mein Geld als Makler verdient.

Profitieren Sie noch vom "Lassie"-Bonus?

"Lassie" ist nie ganz aus meinem Leben verschwunden. Ich bekomme noch immer Fanpost aus der ganzen Welt, manche sind nur mit "Timmy aus Lassie, USA" adressiert. Die Serie läuft - 50 Jahre nach der ersten Ausstrahlung am 14. September - immer noch in 60 Staaten. Kürzlich wurden meine Frau und ich zu einer Kreuzfahrt eingeladen, ich musste nur ein paar Autogramme schreiben.

Hatten Sie eigentlich mit "Lassie" finanziell ausgesorgt?

Nein. Ich habe zwar ganz gutes Geld verdient. Aber vor 50 Jahren waren die Gagen einfach viel geringer. Meine Eltern haben das Geld gut angelegt, doch ein Leben im Luxus gab es nicht. Mit den Ersparnissen habe ich mein Psychologiestudium finanziert. Ein Freund von mir ist Makler und bot mir einen Job an. In diesem Beruf habe ich in den vergangenen 22 Jahren gearbeitet. Mit kurzen Unterbrechungen...

...etwa als Sie 1991 in der gescheiterten Neuauflage von "Lassie" mitwirkten?

Richtig, das war ein großer Fehler. Dieses undurchdachte Comeback von "Lassie" war einfach schlecht gemacht.

Sie standen mit drei Jahren erstmals vor der Kamera. Wie sind Sie so früh zum Film gekommen?

Meine Mutter war ein großer Fan der Schauspielerin Jane Wyman. Als sie eines Tages eine Anzeige in der "Los Angeles Times" las, in der blonde Kinder für eine Filmrolle neben Jane Wyman in "So Big" gesucht wurden, witterte sie die Chance, ihr Idol endlich persönlich kennen zu lernen. Aus mehr als 200 Kindern wurde ich am Ende tatsächlich ausgesucht. Als ich dann das Angebot bekam, Timmy zu spielen, hatte ich bereits fünf Filme gedreht.

Aber nach sieben Jahren "Lassie" mochten Sie nicht mehr, obwohl man Ihnen einen weiteren Dreijahresvertrag angebot?

Ich war 14 und interessierte mich mehr für Mädchen als für Hunde. Und als pubertierender Knabe, dem die Mädchen zu Füßen liegen, spielt man seine Trümpfe natürlich aus. Nach "Lassie" habe ich noch ein paar Filme gedreht, etwa mit Kurt Russell, Natalie Wood und Robert Redford. Aber das war alles nichts Rechtes. Mit 18 habe ich dem Showgeschäft den Rücken gekehrt, ich zog zu einem Mädchen, in das ich mich verliebt hatte, ins Sonoma Valley und schrieb mich dort am College ein.

Haben Sie noch Kontakt zu den anderen "Lassie"-Darstellern?

Mit meiner Serienmutter June Lockhart, sie ist die Einzige, die noch lebt. Der "Vater" Hugh Reilly ist 1998 gestorben, und Tommy Rettig alias Jeff Miller, mein Vorgänger in der Serie, starb 1996 an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 55.

Mit wie vielen verschiedenen Hunden haben Sie eigentlich gearbeitet?

Mit drei schottischen Schäferhunden, alle waren miteinander verwandt. Die Welpen wurden direkt am Set großgezogen. Die Hunde haben allerdings nicht auf mich gehört, sondern nur auf ihren Trainer. Das ist auch heute noch so, unser Hund Barny, ein Beagle, ignoriert meine Anweisungen völlig. Darin ist er meiner Frau sehr ähnlich...

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